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Das sind Dresdens attraktivste Stadtbezirke

Meistgelesen: Eine neue Studie zeigt, wo es sich in Dresden am besten lebt - für Studenten, Familien, Sport- und Kulturfans. Dabei gibt es Überraschungen.

Neustädter Nachtleben: Der Stadtbezirk zählt in den Augen der Dresdner zu den attraktivsten.
Neustädter Nachtleben: Der Stadtbezirk zählt in den Augen der Dresdner zu den attraktivsten. © Christian Juppe

Dresden. Zwar wird Dresden die 600.000-Einwohner-Marke in den kommenden Jahren wohl doch nicht knacken, attraktiv bleibt die sächsische Landeshauptstadt aber trotzdem. Auch 2020 sind trotz Corona-Krise - so die vorläufige Statistik - 26.947 Menschen neu in die Stadt gezogen.

Einer der Hauptgründe für einen Umzug nach Dresden ist der Job. Besonders die Mikroelektronik- und Halbleiterbranche mit Firmen wie Globalfoundries und Infineon zieht jährlich über eintausend Menschen aus Deutschland und der Welt nach Dresden.

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Für jeden Zuzügler stellt sich dann als erstes die Frage: In welchem Stadtbezirk soll ich mich niederlassen? Auch viele langjährige Dresdner, die nach einer neuen Wohnung suchen, wollen in einem Viertel wohnen, das zu ihrer Lebenssituation und ihren Bedürfnissen passt.

Eine neue Studie des Onlineportals Baufi24.de hat jetzt untersucht, welche Bezirke in Dresden am meisten zu bieten haben - und welches Viertel zu welcher Zielgruppe passt. Das sind die Ergebnisse:

So wurde die Attraktivität untersucht

Die Studie teilt die Lebensqualität in sieben Bereiche auf: Arbeit, Familie, Studium, Gastronomie und Nachtleben, Kultur, Sport und Freizeit sowie Verkehrsanbindung. Insgesamt wurden alle zehn Stadtbezirke auf deren Attraktivität in den verschiedenen Kategorien hin analysiert.

Jede Kategorie hat wiederum mehrere Einflusskriterien. Bei der Kategorie "Arbeit" haben die Studienautoren etwa untersucht, wie hoch das durchschnittliche Nettoeinkommen der Bewohner ist und wie viele Unternehmen in dem jeweiligen Stadtbezirk ihren Sitz haben.

Um die Stadtbezirke miteinander vergleichen zu können, wurden Punkte von Null bis 100 vergeben. Keine Punkte bedeuten allerdings nicht, dass es zum Beispiel keine Unternehmen im betreffenden Bezirk gibt, sondern, dass der Bezirk in der jeweiligen Kategorie am schlechtesten abschneidet. Am Ende wurde für alle zehn Dresdner Stadtbezirke ein Gesamtranking aufgestellt.

Cotta und Blasewitz sind für Familien am besten geeignet

Der Stadtbezirk Cotta ist laut den Studienautoren der beste Wohnbezirk für Familien mit Kindern, dicht gefolgt von Blasewitz. Um die Lebensqualität für Familien in den Bezirken zu erheben, haben die Studienmacher untersucht, wie viele staatliche und private Kitas und Schulen es vor Ort gibt.

Außerdem wurde in die Bewertung mit einbezogen, wie günstig der Quadratmeterpreis für Eigentumsimmobilien im jeweiligen Bezirk ist - und wie hoch die Bevölkerungsdichte, also wie viele Menschen dort leben. "Hohe Lebensqualität erwartet uns immer an dem Ort, an dem unsere Bedürfnisse am besten erfüllt werden. Diese Anforderungen sind sehr individuell, denn eine Familie hat ganz andere Bedürfnisse als zum Beispiel junge Studenten", sagt Tomas Peeters, Vorstandsvorsitzender von Baufi24.

Cotta punkte bei Familien mit einer deutlich geringeren Bevölkerungsdichte als andere Stadtteile, heißt es in der Begründung. Laut Daten der kommunalen Statistikstelle der Stadt wohnten hier 2019 nur 1.710 Personen pro Quadratkilometer. Gleichzeitig gab es in dem Bezirk zehn Schulen, 34 Kitas und 58 öffentliche Spielplätze - ein Spitzenwert.

Besonders der Stadtteil Löbtau lockt mit vielen Betreuungsangeboten und vergleichsweise niedrigen Mieten seit Jahren viele junge Familien ins Viertel. Auch zwischen Blauem Wunder und Seidnitz ist die Schuldichte sehr hoch, weshalb sich Eltern mit Kindern dort besonders wohlfühlen.

Viele Dresdner Viertel für Studenten unattraktiv

Rund 45.000 Studenten sind an den Dresdner Hochschulen eingeschrieben, zwischen 7.000 und 8.000 meist junge Menschen beginnen jedes Jahr ihr Studium an der Technischen Universität (TU). Allerdings sind nur wenige Stadtbezirke wirklich attraktiv für Studenten, hat die Studie des Immobilienportals herausgefunden.

Als Kriterien wurden ansässige Institute und Bibliotheken der Hochschulen sowie der durchschnittliche lokale Mietpreis herangezogen. Insbesondere die Dresdner Neustadt schneidet dabei besonders schlecht ab. Der Grund: Die Mieten sind im Stadtvergleich am teuersten, außerdem befinden sich kaum Forschungs- und Lehreinrichtungen im Szeneviertel.

Hingegen wenig überraschend: Der TU-Campus Johannstadt und die Uniklinik mit ihrer medizinischen Fakultät machen die Altstadt zum attraktivsten Studentenviertel Dresdens, dicht gefolgt vom nahgelegenen Stadtbezirk Blasewitz und dem TU-Hauptcampus in der Südvorstadt im Bezirk Plauen.

Die ausgewählten Kriterien der Studie sind vor allem beim Thema Studium kritikwürdig, denn für die meisten Studenten dürften auch gute Verkehrsanbindungen und ein breites kulturelles und gastronomisches Angebot mitentscheidend für die Wahl des Wohnorts sein.

Altstadt und Neustadt sind am vielseitigsten

Im Ranking des Immobilienportals belegen die Altstadt und die Neustadt gerade wegen vieler Theater, Museen, Restaurants sowie Freizeit- und Sportmöglichkeiten die vordersten Plätze. Trotz der hohen Mieten ist die Neustadt das Viertel mit der höchsten Attraktivität für Arbeitnehmer und Sportbegeisterte.

"In keinem anderen Stadtteil sind so viele Unternehmen (5.899) ansässig wie hier", schreiben die Studienmacher. Außerdem gebe es hier die meisten Fitnessstudios und Kletteranlagen. Gastrotechnisch wird die Neustadt nur von der Altstadt übertroffen.

In den vergangenen Jahren hat sich im Dresdner Zentrum eine lebendige Restaurant- und Barszene entwickelt, rein zahlentechnisch gibt es hier am meisten Restaurants, Lieferdienste und Clubs.

Die Studienmacher haben ebenfalls die Verkehrsanbindungen unter die Lupe genommen: Dafür haben sie ausgerechnet, wie lange man mit Bus oder Bahn jeweils zum Dresdner Flughafen beziehungsweise zum Hauptbahnhof braucht.

Überraschend: Fast überall in Dresden geht es schneller ins Zentrum als von der Neustadt aus. Nur Loschwitz ist verkehrsmäßig abgehängter, konstatieren die Studienmacher.

Diese Stadtbezirke haben noch Potential

Politik und Stadtplaner dürfte an derartigen Studien vor allem interessieren, wo die Lebensqualität in Dresden noch ausbaufähig ist. Generell lässt sich sagen, dass die meisten Dresdner Stadtbezirke ihre Vor- und Nachteile haben. Besonders in Prohlis, Loschwitz und Leuben ist aber noch Luft nach oben.

Hier fehlt es vor allem an Restaurants, Kulturangeboten und ortsansässigen Unternehmen. Im als sozialen Brennpunkt verschrienen Bezirk Prohlis fanden die Autoren aber beispielsweise auch einiges an positiven Aspekten. So gäbe es dort überdurchschnittlich viele Sport- und Freizeitmöglichkeiten, Studenten fänden in Prohlis eine gute Lebensgrundlage und auch für Familien biete der Stadtteil einiges.

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Mehr als 6.000 Menschen sollten in einer Bürgerbefragung sagen, welche Orte sie in Dresden meiden und warum. Drei Stadtteile werden besonders oft genannt.

Was in der Studie fehlt, sind hingegen Kriterien wie saubere Luft, eine gut ausgebaute Radinfrastruktur oder die Sicherheit im Bezirk. Auch eine detaillierte Aufgliederung in einzelne Viertel wäre zur Bewertung noch hilfreicher. Tendenzen hingegen lassen sich gut ablesen - und helfen vielleicht dem ein oder anderen bei der Entscheidung für eine neue Bleibe.

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