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Sind die Hürden fürs Dresdner Narrenhäusel zu hoch?

Investor Frank Wießner erhält immer neue Forderungen, was für die Erteilung einer Baugenehmigung noch geklärt werden muss. Doch er will weitermachen.

Investor Frank Wiesner scheitert symbolisch an der letzten Hürde, der Baugenehmigung für das Narrenhäusel.
Investor Frank Wiesner scheitert symbolisch an der letzten Hürde, der Baugenehmigung für das Narrenhäusel. © Sven Ellger

Dresden. Da blieben nicht nur Touristen, sondern auch Dresdner neugierig stehen: Ein illustrer sächsischer Hofstaat hatte sich am Montagnachmittag am Narrenhäusel-Biergarten versammelt und feuerte Bauunternehmer Frank Wießner an, der einen Hürdenlauf absolvierte. Die letzte war nicht zu schaffen, zu hoch, fast wie im wahren Leben. Noch immer wartet der 47-Jährige darauf, endlich mit dem Bau des Narrenhäusels beginnen zu können, doch die Stadt stellt weitere Nachforderungen zur Baugenehmigung an ihn.

Mit Witz und Humor sprach Gräfin Cosel dem Investor Mut zu, flankiert von Hofnarr Fröhlich, der Frank Wießner einen silbernen Zahltaler schenkte, der ihm guten Wind bei seinen Ämtergängen bescheren sollte. Organisiert wurde das kleine Spektakel vom Verein Barock in Dresden. Für Wießner ein willkommener Spaß, denn der ist ihm beim Thema Narrenhäusel indes fast vergangen.

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"Das Unverständliche ist, dass der Stadtrat den Wiederaufbau des Narrenhäusels beschlossen hat, ich mich darum beworben und den Zuschlag erhalten habe. Dann würde ich das Gebäude auf meine Kosten bauen, um es 60 Jahre später der Landeshauptstadt zu schenken. Doch offenbar ist das gar nicht gewollt", sagt er.

Eigentlich wollte Wießner schon im vorigen Jahr mit dem Bau an der Augustusbrücke beginnen, doch er weiß, dass er vom Baustart noch immer weit entfernt ist.

Größtes Problem ist laut Stadtverwaltung die gesicherte Erschließung, damit Versorgungsfahrzeuge später an das Gebäude herankommen. Diese muss der Bauherr im Bauantrag nachweisen. Perspektivisch werde die Erschließung des Narrenhäusels über die neu zu bauende Stadtterrasse erfolgen, die parallel zur Köpckestraße verlaufen soll und über die Wiesentorstraße angebunden sein wird. Diese Stadtterrasse kann aber erst entstehen, wenn der Bebauungsplan zum Königsufer Rechtskraft erlangt, sagt die Stadt. Auch die neue Bauzeile südlich der Köpckestraße wird dann über die Stadtterrasse erschlossen.

Da das Narrenhäusel aber schon eher gebaut werden soll, muss Wießner die Erschließung seines Grundstücks für die Zeit bis zur Fertigstellung der Stadtterrasse sicherstellen.

Mit seinem Entwurf des Narrenhäusels hat Martin Trux den Architekturwettbewerb gewonnen.
Mit seinem Entwurf des Narrenhäusels hat Martin Trux den Architekturwettbewerb gewonnen. © Visualisierung: Martin Trux

Laut Frank Wießner würde das bedeuten, dass er sich die Überfahrtsrechte für 20 Meter im Nachbargrundstück, das dem Bund gehört, im Grundbuch eintragen lassen müsste. Erst dann wäre für die Stadt die Erschließung geklärt. Das würde für ihn bedeuten, mehrere Tausend Euro pro Monat dafür zu bezahlen. Nicht darstellbar, sagt er. "Zumal ich diese Rechte ja später nicht mehr benötige. Momentan ist meine Erschließung gesichert. Wir drehen uns seit Monaten im Kreis."

"Da wird vom Wettbewerb nicht mehr viel übrig bleiben"

Erst in der vergangenen Woche hatte Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) Frank Wießner gemeinsam mit Vertretern mehrerer Fachämter eingeladen, um den Bauherrn bei seinem Bauantrag zu beraten. Doch der Investor konnte für sich dort keine Lösung sehen. Eigentlich wurde Wießner schon vor knapp drei Monaten die Vollständigkeit seines Bauantrages bescheinigt, nachdem sich der Baubürgermeister erstmals eingeschaltet hatte. Doch bald kam die Nachforderung. "Bürgermeister Kühn möchte, dass der Stadtratsbeschluss endlich umgesetzt wird, doch auch er scheitert an den bürokratischen Hürden", schätzt Wießner ein.

Der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) vermutet dahinter noch eine größere Geschichte. "Ich habe Kenntnis davon bekommen, dass das Landesamt für Denkmalpflege darauf drängt, dass die städtischen Grundstücke am Königsufer nicht bebaut werden sollen, um den Blick auf die Brühlsche Terrasse freizuhalten", sagt Torsten Kulke. Wenn dem so wäre, würde auch das Narrenhäusel die Sicht vom Neustädter Markt aus in Richtung Altstadt stören.

Kulke mutmaßt, dass die Stadt die Baugenehmigung für Wießner so lange herauszögern will, bis der Bebauungsplan bestätigt ist, der dann aber ganz anders aussehen wird, als die Wettbewerbsergebnisse zum Königsufer. "Da wird vom Wettbewerb nicht mehr viel übrig bleiben." Das wäre für Kulke völlig unverständlich, weil das Landesamt für Denkmalpflege immer auch in den Wettbewerb zur Gestaltung des Königsufers und des Neustädter Marktes eingebunden gewesen sei.

Dieser Vermutung widersprechen aber Stadt und Landesamt. "Die Aussage der GHND stimmt so nicht", sagt Stefan Szuggat, der Leiter des Stadtplanungsamts, der sich mit der unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt abgestimmt hat. Die Unterschutzstellung des Neustädter Marktes bedeute nicht, dass bestehende Planungen auch für das Königsufer hinfällig sind. Und der Denkmalschutzstatus bewirke keine Veränderungssperre.

Auch beim Landesamt für Denkmalpflege sind solche Überlegungen nicht bekannt, sagt Sprecherin Sabine Webersinke. "Wir können ja erst reagieren, wenn uns Pläne vorliegen."

Frank Wießner läuft indes die Zeit davon. Es müsse temporäre Lösungen für die Frage der Erschließung geben, bis die Stadtterrasse gebaut ist, fordert er. "Und wenn ich bis dahin eigenhändig die Mülltonnen bis zur Straße schleppen muss."

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Eine historische Postkarte zeigt das Narrenhäusel um 1938.
Eine historische Postkarte zeigt das Narrenhäusel um 1938. © Sammlung Holger Naumann

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