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Kieswerk Söbrigen: Aus für Schlosspark Pillnitz?

Der Dresdner Schlosspark ist zwar rund einen Kilometer vom geplanten Kieswerk entfernt - wenn der Abbau beginnt, könnte das aber drastische Folgen für ihn haben.

Hinter dem Schild entsteht eine Mondlandschaft, fürchtet der Chef der Schlösser-GmbH Christian Striefler.
Hinter dem Schild entsteht eine Mondlandschaft, fürchtet der Chef der Schlösser-GmbH Christian Striefler. ©  Archiv/René Meinig

Dresden. Der Brief ist raus, eine Antwort ist noch nicht zurückgekommen. Christian Striefler hat ihn geschrieben. Er ist Chef der Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen GmbH und adressiert war die Post an den Präsidenten des Oberbergamtes in Freiberg.

Striefler ist in großer Sorge, er fürchtet um den Schlosspark Pillnitz. Schon jetzt sei es Jahr für Jahr schwieriger, den berühmten Park mit seinen Beeten, Wiesen, Hecken und Bäumen zu erhalten. Es könnte in Zukunft noch schwieriger oder ganz und gar unmöglich werden.

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Die Trockenheit macht Striefler und seinen Mitarbeitern Sorgen. "Der Klimawandel ist unser größtes Problem", sagt der Geschäftsführer der Schlösser-GmbH. Es könnte noch schlimmer kommen, wenn wie geplant in Söbrigen der Kiesabbau beginnt. In der Nachbargemeinde von Pillnitz will die Kieswerke Söbrigen GmbH die Erde aufgraben und pro Jahr bis zu 50.000 Tonnen Kies fördern. Schon Ende 2021 könnte es jüngsten Planungen zufolge losgehen. Striefler fürchtet, dass dann der Grundwasserspiegel weiter absinken könnte und deshalb das Wasser für die Bäume im Schlosspark noch knapper wird.

Schon jetzt sei eine der zwei großen Blutbuchen im Lustgarten in Gefahr, berichtet der "Schlossherr". Sie sei "praktisch hinüber". Der Baum, der nahe dem Bergpalais steht, kann voraussichtlich nicht gerettet werden. Anders ist es mit der zweiten Blutbuche auf der gegenüberliegenden Seite des Lustgartens, bei der die Verantwortlichen noch Hoffnung haben.

Investitionen gehen den Bach runter

Doch alle Hoffnung könnte umsonst sein, wenn der Kiesabbau beginnt, fürchtet Striefler. "Auf diesem Weg wird der Park langsam untergehen", sagt er, "die Investitionen, die man viele Jahre gemacht hat, würden den Bach runtergehen". Der Park sei nur etwa einen Kilometer vom geplanten Kiestagebau entfernt, gibt der Geschäftsführer der Schlösser-GmbH zu bedenken. "Wir werden alles tun, was in unserer sehr kleinen Macht steht, um dagegen Position zu beziehen."

Deshalb hat Striefler an diesem Donnerstag auch bei einer Kundgebung gesprochen, bei der es um Söbrigen und zugleich um den bei Heidenau geplanten Industriepark Oberelbe ging. Denn auch dort fürchtet er um die Anziehungskraft eines historischen Parks, der zu den Staatlichen Schlössern und Gärten gehört - den Barockgarten Großsedlitz.

Dort endete am Donnerstag ein Fahrradkorso, der vom Wiesenweg in Loschwitz über Söbrigen bis zu dem Gartenbau-Kunstwerk nahe Heidenau führte. Die fließenden Grenzen zwischen dem Barockgarten und der ihn umgebenden Landschaft sieht Striefler gefährdet, entsteht der Industriepark Oberelbe gleich daneben, außerdem mehrere Sichtachsen in die nahe und ferne Umgebung.

Solche Sichtachsen gibt es in Pillnitz nicht, das Kieswerk wäre vom Park aus nicht zu sehen. Aber Striefler fürchtet dennoch einen massiven Imageschaden, wird zwischen Pillnitz und Söbrigen gebaggert. Denn wer oberhalb der Pillnitzer Weinberge unterwegs ist, wird dann von dort aus nicht nur auf das Schloss schauen können, sondern auch "auf diese Mondlandschaft", so Striefler. "Da fragen sich die Leute dann, sind die da bekloppt, was machen die da?" Er stellt fest: "So etwas passt überhaupt gar nicht in diese Kulturlandschaft."

Am Ende ein Minusgeschäft

Thomas Westphalen, Vorstand im Landesverein Sächsischer Heimatschutz, sieht noch ein weiteres Problem. Er ist überzeugt, dass eine "neutrale Kosten-Nutzen-Rechnung" für beide Vorhaben negativ ausfallen würde. Das heißt, eine Rechnung, bei der auch die Folgekosten für Klima und Umwelt eingerechnet würden, wird der Industriepark bei Heidenau wirklich gebaut und kann der Kiesabbau in Söbrigen nicht doch noch verhindert werden. "Das sind jetzt landwirtschaftliche Nutzflächen", beschreibt er die Gegend zwischen Pillnitz und Söbrigen, auf der der neue Kiestagebau geplant ist. "Das lässt sich nur schwer kompensieren, das ist ein gewaltiges Potenzial, das da verloren geht."

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Auch Westphalen hat bei einem Stopp der Radfahrer gesprochen. "Tagebaue werden heutzutage eingestellt", sagt der Vorstand des Heimatschutzvereins, um zu beschreiben, wie er zur Eröffnung eines neuen Tagebaus für den Kiesabbau steht. Doch er sieht die Chancen schwinden, das Vorhaben noch zu stoppen. "Das Verfahren ist abgeschlossen", stellt er zur rechtlichen Situation in Söbrigen fest. "Natürlich wünscht man sich Erfolg", kommentiert Westphalen den Fahrradkorso gegen den Tagebau. Das "Aber" lässt er dabei lieber weg.

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