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"Blondinen bevorzugt" feiert Premiere in Dresden

Unter der blonden Perücke sitzt ein gewieftes Köpfchen: Mitreißende Frauenpower statt 50er-Stereotype beim Musical-Event in der Staatsoperette.

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Devi-Ananda Dahm wird als Lorelei Lee in der neusten Produktion der Dresdner Staatsoperette gefeiert.
Devi-Ananda Dahm wird als Lorelei Lee in der neusten Produktion der Dresdner Staatsoperette gefeiert. © Pawel Sosnowski

Von Jens Daniel Schubert

„Wer will noch an den Broadway, wer denkt noch an Marilyn, wenn er das hier erlebt hat!“, konnte man am Samstag in der Staatsoperette hören. Die Begeisterung über die Premiere „Blondinen bevorzugt“ war einhellig und groß.

Die so gelobte Darstellerin der Lorelei ist Devi-Ananda Dahm, die tatsächlich mit Maria-Danae Bansen als Dorothy, ihrer Freundin, Spiegelungs- und Reibungsfläche, ein Dream-Team bildet. Pointiert im Dialog, ausdrucksstark im Gesang und tänzerisch Top – Augen und Ohrenschmaus im Doppelpack.

Lorelei und Dorothy, so die Story auf dem Theater, sind auf einem Superdampfer zur Atlantik-Überfahrt. Beide wollen das Leben in vollen Zügen genießen, die Zeiten auf dem dritten Unterdeck mit den Follies hinter sich lassen. Dorothy lebt und genießt als gäbe es kein Morgen, Lorelei plant die Zukunft nach der Devise „Diamonds Are a Girl’s Best Friend“. Einen Reichen ködern, aber sein Geld angeln. Die beiden mischen die gute Gesellschaft an Bord ordentlich auf. Die Show kann beginnen.

Die Kostüme übertreiben

Angetrieben wird die schnelle Folge von Dialogen, Liedern und Ensembles durch die flotte, mitreißende Musik. Das Staatsoperettenorchester unter Peter Christian Feigel entfaltet sie mit Verve und präsentiert sie schwungvoll. Dabei trägt der Sound die Gesangsnummern und ist präzise Basis für unzählige einfalls- und abwechslungsreiche Choreografien.

Diese hat Kati Farkas erdacht. Ihr ist das Kunststück gelungen, jeden Tänzer und jeden Sänger, solo wie Gruppe, so einzubinden, dass die Einheit geschlossen ist und trotz unterschiedlicher Begabung Jede(r) hochprofessionell über die Rampe kam.

Bühnenbildnerin Cary Gayler hat ein großes Kreuzfahrtschiff auf die Bühne gezaubert, an Deck, am Pool und in den Suiten. Alles ist schön anzusehen, gut zu bespielen und mit meist viel Raum für die Show-Tanz-Nummern.

Die Kostüme von Regine Standfuss ergänzen die Ausstattung, bedienen die Vielfalt der Ideen, haben Mut zur Übertreibung, zur Ironie bis hin zum Trash, was vielleicht nicht jeden Geschmack trifft.

Thomas Helmut Heep hat kurzfristig als Regisseur das Konzept der erkrankten Katja Wolff übernommen und schlüssig ausgeführt.

Es braucht noch Stoff für die nächste Kreuz-Fahrt

Neben den beiden Protagonistinnen gehört mehr als ein Dutzend großartiger Sänger-Tanz-Darsteller zum Ensemble. Sie alle aufzuzählen wäre weitaus langweiliger, als einzuladen, sie in Aktion zu erleben.

Natürlich hat die unterhaltsame Fahrt mit diversen Seitensprüngen und Nebengeschichten ein glückliches Ende. Lorelei kriegt ihren Knopffabrikantensohn (Marcus Günzel), der sie nimmt, obwohl sie gar keine Blondine ist. Und die attraktive Dorothy kann den schüchternen Henry (Gero Wendorff) aus seiner Verklemmung für sich gewinnen, sehr zur Freude seiner somit befreiten Mutter (Silke Richter).

Ob sich der Reißverschlussfabrikant (Bryan Rothfuss), aus dessen Vermögen Loreleis Hochzeitskapital stammt, mit der aufstreben Tänzerin Gloria (Dominica Herrero Gimeno) tröstet, bleibt offen. Schließlich braucht es ja noch Stoff für die nächste Kreuz-Fahrt.

„Blondinen bevorzugt“ ist in der Staatsoperette eine tolle Show, große Unterhaltung mit musikalischen und tänzerischen Highlights. Der eigentlich düstere Hintergrund, „die im Dunkeln sieht man nicht“, die Schattenseiten, die zu überwinden die Story antreibt, werden erwähnt, aber genrebedingt nicht gezeigt.