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Helge Schneider kehrt zurück nach Dresden

Der Musikclown Helge Schneider macht wieder Jazz und kommt am Freitag mit dem Programm „Let’s lach“ zu den Dresdner Filmnächten.

Helge Schneider hat als Stammgast das Gelände der Filmnächte am Elbufer genauso im Griff wie sein Publikum.
Helge Schneider hat als Stammgast das Gelände der Filmnächte am Elbufer genauso im Griff wie sein Publikum. © (c) Christian Juppe

Dresden. Hat nicht ganz geklappt mit einer Klavierplatte „ohne Quatsch“, wie Helge Schneider noch vorigen Sommer ankündigte. „Macht nichts“ sagen jetzt vielleicht die Fans des Jazzmusikers und Multiinstrumentalisten, „zum Glück“ womöglich die Anhänger des Musikclowns. „Die Reaktion“ heißt das neue Schneider-Album und ein Song daraus. „Welche Reaktion, ja, worauf? Das kann man sich dann ausdenken. Das Musikstück spricht für sich“, sagt er. Am Freitag präsentiert Schneider sein neues Album im Programm „Let‘s lach“ bei den Filmnächten am Dresdner Elbufer.

22 Stücke, üppige 78 Minuten lang ist „Die Reaktion“, meistens instrumental, sehr viel Jazz, viel Klavier. „The Last Jazz Vol. II“ lautet der Untertitel, eine Anknüpfung an das sehr frühe Album „The Last Jazz“ von 1987. Frei improvisierte Quatsch-Lieder, die so wirklich nur der „Katzeklo“-Autor kann, gehören also auch dazu. „Der Pabst“ etwa, mit b anstatt p. Oder der „Mann ohne Gesicht“, schon vorab mit Video veröffentlicht. Ein Lied mit (übersichtlicher) Handlung: Der Mann holt einen Karton aus einem Schließfach und findet darin sein Gesicht. Eine Gemeinheit gibt es auch: „Mondscheinelise“ in Anlehnung an Beethovens „Mondscheinsonate“ und „Für Elise“. Der Pianist bekommt leider einen üblen Hustenanfall, hört aber nicht auf zu spielen. „Mondscheinelise ist eine Frechheit“, sagt Schneider selbst, aber über sich generell: „Ich nehme das nicht ernst, weil ich mich selber nicht ernst nehme.“

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Helge erfindet „verschollene Werke von Bach und Händel“

Stimmt nicht ganz: Helge Schneider erfindet und spielt „Verschollene Werke von Bach und Händel“ und „Variationen auf Händels verschollene Aufzeichnungen“ virtuos ohne Huster, mit Schneiderschen Akzenten natürlich, doch ohne offensichtlichen Bruch. „Ich habe mich in die Zeit versetzt mit Fantasie, wie das damals wohl so war, wenn man sich da hat was einfallen lassen. Die Harmonien waren sehr streng. Ich habe versucht, das nachzuempfinden und dabei bloß keinen Jazz, bloß keine Bluenote reinzubringen.“

Ein herrlich absurdes Hörspiel (ohne Musik) ist auch unter den 22 Stücken. Klaus hat beim Nordic Walking die Schallmauer durchbrochen und erzählt es seinem Kumpel: „Hömma, dat glaubste nich, wat dat fürn Knall war.“ Bis auf zwei hat der 65-Jährige alle Stücke selbst komponiert und spielt wieder alle Instrumente selbst. Herausgekommen ist Studiomusik, die etwa im komplexen „Großstadtgemecker“ klingt, als würde im Jazzclub eine mindestens fünfköpfige Combo spielen – und dabei sehr viel Impro-Spaß haben.

„Man kommt sich durch Corona vor wie eine Terminware.“

Spaß hatte Helge Schneider nicht immer seit Beginn der Corona-Pandemie: „Ich beschwere mich nicht. Aber der Umgang mit den Künstlern ist durch diese Krise extrem sachlich geworden, im wörtlichen Sinne: Man ist eine Sache.“ Etwa, wenn man erst zu einem Konzert eingeladen, dann wieder ausgeladen und schließlich doch wieder eingeladen werde. „Man kommt sich vor wie eine Terminware.“

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Bei manchen Auftritten macht Schneider auch die große Entfernung zum Publikum zu schaffen. So sei er neulich in einem Stadion aufgetreten, wo das Publikum mit Schutzmaske etwa 25 Meter entfernt gesessen habe. „Trotz der Entfernung konnte ich Gesichter erkennen, also die Augen. Aber es ist wirklich nicht auszumachen, ob jemand gute oder schlechte Laune hat – es ist einfach nichts zu sehen. Es ist eigentlich, als wäre das Publikum existent, aber hinter einem Vorhang.“ (dpa)

  • Helge Schneiders „Let‘s lach“: Freitag um 20 Uhr bei den Filmnächten am Dresdner Elbufer. Karten unter sz-ticketservice.de sowie in den SZ-Shops und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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