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Der Experimentierfreudige

Dem überraschend vielfältigen Werk von Klaus Dennhardt kann man in vielen Städten begegnen und derzeit auch in der Kunstausstellung Kühl.

„Ufer“, eine Landschaft, vermutlich an der Elbe, von Klaus Dennhardt gemalt mit Aquarellfarben im Jahr 2009.
„Ufer“, eine Landschaft, vermutlich an der Elbe, von Klaus Dennhardt gemalt mit Aquarellfarben im Jahr 2009. © PHOTO-DESIGN Herbert Boswan

Spuren von Klaus Dennhardt finden sich in verschiedenen Städten und Dörfern in Sachsen. Sie sind so vielfältig wie sein gesamtes Werk: Für die Kirche in Dresden-Prohlis gestaltete er 1984 den Altarraum. Für die Stadt Riesa schuf er im selben Jahr einen grandiosen Brunnen vor dem Haus der Stahlwerker. Dass Dennhardts „Welle“ Ende der 90er-Jahre Jörg Immendorffs Stahskulptur „Elbquelle“ weichen musste, bedauern viele Riesaer. Schul- und Denkmalamt in Dresden trafen die besseren Entscheidungen, als sie Dennhardts Keramikwandbild von 1970 am Giebel eines Hochhauses an der Prohliser Allee restaurieren ließen und sein „Kosmonautenfenster“ von 1971 in der 57. Grundschule aus- und 2018 in der 49. Grundschule wieder einbauten.

Dennhardts älteste Arbeit im öffentlichen Raum, das große Wandbild im Treppenhaus der Dresdner Kreuzschule, ist noch zu sehen. Es war 1968 seine Diplomarbeit – mit dem bekannten Karl-Marx-Zitat, das seitdem Generationen von Kreuzschülern und Kruzianern dazu auffordert, die Welt zu verändern.

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„Fläche und Streifen, 19. 1. 2020“, Acrylfarben auf Karton.
„Fläche und Streifen, 19. 1. 2020“, Acrylfarben auf Karton. © Herbert Boswank Dresden herbert

Werkschau zum 80.

Dennhardt, der in diesem Frühjahr achtzig wurde, hatte an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste studiert. Seit 1968 arbeitet er freischaffend als Maler und Grafiker, zuerst in Dresden und ab 1986 in West-Berlin. 2010 kehrte er nach Dresden zurück.

Dass die Kunstausstellung Kühl ihm nun zum Jubiläum eine Retrospektive einrichtet, ist konsequent und folgerichtig, hatte Dennhardt doch 1982 seine erste Personalausstellung auch schon bei Kühl. Die aktuelle Schau mit dem bezeichnenden Titel „Positionslichter“ präsentiert Werke aus einem halben Jahrhundert und zeigt, dass Klaus Dennhardt ein Suchender geblieben ist, der sich nie zufriedengibt. Immer wieder erobert er sich neue Techniken und führt sie zur Meisterschaft. In abgeschlossenen Schaffensphasen arbeitet er heute gegenständlich, morgen konstruktiv-konkret, übermorgen informel. Malt Landschaften, druckt Grafiken und übermalt sie, baut Skulpturen aus Glas oder silbrig glänzendem Metall, die der Schwerkraft ein Schnippchen schlagen wollen.

Hermann Glöckner, Willy Wolff, Gerhard Altenbourg, Hans Jüchser mögen Vorbilder für den jungen Dennhardt gewesen sein. Er hat sie fotografiert, in Lithographie oder Siebdruck porträtiert in den 70er- und 80er-Jahren, ebenso seine Künstlerkollegin und Zeitgenossin Gerda Lepke.

Pastellkreiden stellt er selbst her

Pastellkreiden stellt er selbst herDennhardts Spektrum ist enorm. Sein Werk reicht von figürlichen Arbeiten im Geiste Fernand Legers über experimentelle Malerei bis hin zu Landschaften seiner Heimatstadt Dresden. Die Flutrinne. Pieschen, das Ostragehege. Der „Elbbogen“ in zartem Blau und Grau und Grün. Nur Streifen, als wäre die Elbe eingemauert und begradigt. Auch Diesbar, Dippoldiswalde, Großsedlitz hat er gemalt in einer aufwändigen Technik. Farben und Pastellkreiden stellt er selbst her. Seine Frau Charlotte ist Papierrestauratorin und unterstützt ihn dabei, die fragilen Pastelle so zu fixieren, dass die Landschaften wie in diffuses Licht getaucht erscheinen. Im Flusslauf spiegeln sich Häuser und Bäume nur schwach. Es liegt eine große, eine sehr wohltuende Ruhe in den Bildern. Manche werden es Melancholie nennen. Kein Verkehr, kein lautes Treiben stört. Menschen sieht man nur selten – wie im „Nachmittag eines Malers“, wo sie entspannt auf der Wiese lagern.

Dennhardt hat sich im Laufe seines Schaffens nicht auf ein Thema festgelegt und sich auch nicht auf das festnageln lassen, was Galeristen gern einen Personalstil nennen. Wiedererkennbare Fließbandproduktion gibt es bei Dennhardt nicht, dafür einen einzigartigen Ausdruck.

Klaus Dennhardt „Positionslichter“ bis 23. Oktober in der Kunstausstellung Kühl, Dresden, Nordstr. 5. Geöffnet Mi – Fr 11 –19 Uhr, Sa 11 – 16 Uhr. Der gleichnamige Katalog erschien im Sandstein Verlag und kostet 28 Euro

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