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Lichtbad mit abstraktem Bild

Die Bildhauerin Ulrike Mundt erinnert mit Leuchtstofflampen an Science Fiction. Die Farbe ist allerdings verdächtig.

Welche Signale endet dieses Kunstwerk in die Stadt? „Status“ ist in der Artbox Dresden zu sehen, am besten in der Dunkelheit.
Welche Signale endet dieses Kunstwerk in die Stadt? „Status“ ist in der Artbox Dresden zu sehen, am besten in der Dunkelheit. © Ulrike Mundt

Von Uwe Salzbrenner

Ein doppeltes Gitter aus Leuchtstoffröhren füllt den Raum und strahlt pink. Die Stäbe schalten gemeinsam ein und ab, beginnen einzeln zu leuchten, hell oder gedimmt, schalten ab, erneuern ihr Strahlen. Die Installation von Ulrike Mundt und Danny Hänsel heißt „Status“ – Stand, Zustand, Befinden – und ist zuallererst eine Nachricht aus einem vergangenen Maschinenraum. So haben sich in den 1960er- und 1970er-Jahren Sciencefiction-Autoren und Regisseure die Anzeigen vorgestellt, die den Zustand eines Raumschiffs melden, zu Zeiten, in denen digitale Datenausgaben noch sehr, sehr umständlich gewesen sind. Die Kosmonauten sollten angeblich anhand der Farbe oder der Helligkeit einen Wert oder eine Veränderung erkennen. Oder sollte es bloß „modern“ aussehen? Die Lichtanzeigen erscheinen je nach Kontext als nüchterne Technik, Sinnbild des Fortschritts, Kälte oder Dekadenz. Oft meint man sogar, darüber hinaus werde etwas über die Natur der Benutzer vermittelt, so wie in anderen Szenen Verräterisches über die Herren in außerirdischen Palästen.

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Für flinke Statuswechsel sind Leuchtstoffröhren freilich auch zu langsam. Und das immergleiche Pink, welchen Signalwert hätte es? Mit dieser Frage befindet man sich bereits im Kunstkosmos von Ulrike Mundt. Die heute 44-Jährige hat von 2003 bis 2005 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden Bildhauerei studiert und ist anschließend in der Stadt geblieben. In ihren Arbeiten verwendet sie oft Technik, die nicht so funktioniert, wie es der Augenschein nahelegt: Megafone erzeugen eigene Geräusche, man hört es hinter Fensterläden reden, es tönt aus Keramikbrunnen. Aus Orgel- oder Panflötenpfeifen kommt dagegen nicht der geringste Ton. Auch nicht aus Wandgeräten, deren Löcher wie welche von Telefon-Lautsprechern aussehen.

Manche Objekte aus der Produktion von Mundt, die einen starken optischen Reiz besitzen – Flaggen, Buchstaben, stolze Gebilde wie zu Schmuck geschliffener Kristall –, verführen einen noch stärker zum Anfassen, so exponiert erscheinen deren Spitzen und Kanten. Das Material wechselt: Ton, Stahl, Gummi, Zement. „Status“ ist nun eine Arbeit mit Licht für die Zweifenster-Kammer der „Artbox Dresden“, die nur scheinbar die richtigen Signale sendet: Dieses Pink, das die Lampen einfärbt, ist auch eine beliebte Farbe für „Braids“, geflochtene Haarverlängerungen. Danny Hänsel, der einst für Lichtinstallationen der Dresdner Künstlergruppe „Lumopol“ gearbeitet hat, ist hier für die Steuerung der Röhren verantwortlich.

Die schönsten Effekte erzeugt das Leuchten im Dunkeln. Tritt man nahe an die Fenster heran, erscheint der Raum in Licht gebadet. Die Lampen durchläuft dieses täuschend lebendige 100-Hertz-Flackern. Bleibt man jedoch auf der anderen Straßenseite, sieht man ein abstraktes Bild: ein dunkelrotes Viereck, durchzogen von senkrechten hellen und dunklen Streifen.

„Status“ in der Artbox Dresden bis 14. März, Ecke Uferstraße/Hafenstraße, täglich von 14 bis 20 Uhr.

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