merken
PLUS Feuilleton

Kretschmer lädt Bürger zur Semperoper-Spende ein

Eine weitere Stiftung unterstützt künftig die Dresdner Semperoper – speziell bei regionalen Angeboten.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellte am Mittwoch in der Semperoper die neue Sächsische Semperoper Stiftung vor. Deren Logo soll eine Brücke darstellen.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellte am Mittwoch in der Semperoper die neue Sächsische Semperoper Stiftung vor. Deren Logo soll eine Brücke darstellen. © ronaldbonss.com

Neue Mäzene braucht die Semperoper. Wohl unterstützen schon Fördervereine, Freundeskreise und eine Förderstiftung die Arbeit der Semperoper und ihrer Sparten. „Doch Förderer kann man nicht genug haben“, so Intendant Peter Theiler am Mittwoch. Umso erfreuter war er, als an dem Tag die gemeinnützige Sächsische Semperoper Stiftung ihre Arbeit aufnahm. Sie soll dank bürgerlichem Engagement unter anderem Aufführungen unterstützen, die über den üblichen Rahmen hinausgehen.

Vorstandsvorsitzender Gerhard Müller nannte als Beispiel innovative Projekte, die abseits vom Kernpublikum vor allem junge Leute ansprechen. Auch Open-Air-Aufführungen und Übertragungen auf den Theaterplatz, Events auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch, Angebote für Kinder, Bildungsprogramme und digitale Angebote sollen unterstützt werden. Allein die qualitätvolle Übertragung einer der beliebten und in der Vergangenheit zu bestimmten Höhepunkten realisierten Opernaufführungen auf den Theaterplatz kostet ab 150.000 Euro.

Anzeige
Möbel für heute und morgen: Nachhaltig, natürlich, schön
Möbel für heute und morgen: Nachhaltig, natürlich, schön

Das Einrichtungshaus Käppler präsentiert die neuen Wohn-Kollektionen.

Mehr Geld für dieses Theater will eine neue Stiftung akquirieren.
Mehr Geld für dieses Theater will eine neue Stiftung akquirieren. © Ronald Bonß

Nach den Worten von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer geht es nicht nur darum, das kulturelle Erbe zu bewahren, sondern es zu mehren. „Wir stehen in einer Tradition. Wir haben eine große Verantwortung. Diese Institution ist ein Kulturbotschafter Deutschlands und Europas. Wir haben einen Auftrag für die Vermittlung des kulturellen Erbes.“ Man habe aber auch einen Auftrag, ein Ort für zeitgenössische Kunst und Musik zu sein. Die Semperoper sei an sich „auskömmlich“ finanziert, aber für Projekte „on top“ brauche man bürgerliches Engagement.

„Auskömmlich“ – wer berät den Ministerpräsidenten? Der Landeszuschuss vor Corona reichte quasi nur, um die Personalkosten des Hauses zu decken. Die künstlerischen Produktionskosten musste das Theater faktisch über möglichst hohe Eigeneinnahmen selbst erbringen. Aber Kretschmer hat recht. Die Arbeit der neuen Stiftung und die verstärkten Sponsoring-Bemühungen der Oper dürfte die Akzeptanz bei den Landtagsabgeordneten stärken, das sächsische Theaterflaggschiff so auszustatten, dass es seine Arbeit ohne Abstriche tun kann. Kretschmer gehört genau wie Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert dem Stiftungsrat an. Den Vorsitz hat Andreas Sperl, Geschäftsführer der Elbe Flugzeugwerke Dresden.

Kein Wettstreit mit anderen Förderern

Klingt gut. Doch all die Vorhaben stehen auch in den Zielsetzungen der anderen Förderkreise des Hauses. Was sind die Unterschiede? Auch auf Nachfrage konnte oder wollte es keiner der Anwesenden klären. Das liegt wohl daran, dass einige der neuen Vorstandsmitglieder auch in den anderen, sehr verdienstvollen Fördergremien Mitglied waren oder sind. Etwa in der Förderstiftung der Semperoper, die seit 1992 gut 15 Millionen Euro für Produktionen des Theaters und Extras der Sonderklasse wie Stars für bestimmte Abende gesammelt hat. „Es wird zu keinem Wettstreit um Spender zwischen den Stiftungen kommen“, so Müller, der lange und sehr aktiv in der dienstälteren Stiftung tätig war.

Gerhard Müller ist der Vorstandsvorsitzende der neuen Semperoper-Stiftung.
Gerhard Müller ist der Vorstandsvorsitzende der neuen Semperoper-Stiftung. © ronaldbonss.com

Diese wird auch weiterhin Mittel vor allem außerhalb Sachsens akquirieren. Die neue Stiftung hingegen setzt auf den Bürger vor Ort, auf regionales Engagement. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung und des wirtschaftlichen Erfolges seitdem sei es an der Zeit, das Mäzenatentum wiederzubeleben, so Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch.

Das Stiftungskapital beträgt 300.000 Euro. Der Großteil der Fördermittel soll durch jährliche Mitgliedsbeiträge und zweckgebundene Spenden eingeworben werden. „Deshalb laden wir Unternehmen wie Privatpersonen ein, sich zu beteiligen und sich mit einem Beitrag für die Kultur in Sachsen zu engagieren“, sagte Müller. Jede Spende sei willkommen. Einen Sockelmindestbetrag gebe es nicht. Bereits absehbar würden der Semperoper die ersten 100.000 Euro zur Verfügung stehen.

Semper-Mobil für soziale Brennpunkte

Was passiert konkret mit dem Geld? „Wir sind zwar ein Premiumbetrieb von weltweiter Bedeutung, haben aber zugleich eine regionale Bedeutung und spielen eine Rolle als Stadttheater“, so Intendant Theiler. Er will eine digitale Datenbank aufbauen, mehr spielerisch-pädagogische Angebote machen und neue Besucherkreise erschließen. „Wir wollen mit mobilen Formaten auch in Stadtteile gehen, wo die ästhetische und kulturelle Bildung noch hinterherhinkt.“

Wenn man das weiß, wird der Unterschied zwischen den Unterstützungsgremien klar: Die Förderstiftung sorgt mit dem Geld von Vermögenden von Stuttgart bis Zürich für den Extra-Glamour der Semperoper. Die neue Stiftung bittet den regional Verankerten um Hilfe, dass das Musiktheater seine neuen, von der Politik geforderten, aber finanziell nicht untersetzten Hausaufgaben machen kann.

Mehr zum Thema Feuilleton