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So war das Konzert von Sophie Hunger in Dresden

Die Schweizer Sängerin Sophie Hunger trotzte am Freitagabend in Dresden dem Regen. Ihr neues Album hat eine ungewöhnliche Entstehung hinter sich.

Die Schweizer Sängerin Sophie Hunger musste am Freitagabend auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch in Dresden gegen das Wetter anspielen.
Die Schweizer Sängerin Sophie Hunger musste am Freitagabend auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch in Dresden gegen das Wetter anspielen. © Andreas Weihs

Von Hannah Küppers

Sind das weiße und rosa Wolken auf ihrem blauen Kleid? Ist sie es überhaupt? Die Bühne völlig dunkel, die meisten Zuschauer im Publikum noch dabei ihre Stühle zu trocknen, ihre Regencapes auszupacken, die Kapuze bis ins Gesicht zu ziehen – als eine junge Frau in langem, bunt gemusterten Kleid und weißen Sneakern auf die Bühne tritt. Sie beginnt zu singen, ohne Mikro, mitten in den Wald am Weißen Hirsch hinein und die schweizerdeutschen Worte verhallen im Nebel.

„Manchmal sieht man Dinge, die eigentlich gar nicht da sind…Menschen, Tiere.“ Ungefähr so funktioniert auch Sophie Hungers neues Album „Halluzinationen“, mit dem sie seit Freitag auf Tournee ist. In einem einzigen kreativen Lauf haben sie das Album in den legendären Abbey Road Studios in London aufgenommen. Sechs Durchläufe hat die Band gebraucht, bis das Album fertig und „one take“ aufgenommen war, ohne nachträgliches Retuschieren und Aufpolieren.

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Immer wieder überraschend anders

Auf diese „Reise“, wie Hunger die Stunden in den Londoner Studios nennt, will die Schweizer Künstlerin ihre Zuhörer bei der Premiere in Dresden mitnehmen. Oft nahtlos leitet sie vom einen in den nächsten Song über, der elektronische Beat und die sphärischen Klänge hypnotisieren – bis die Harmonien wieder dort hinführen, wo sie das eigene Harmoniebedürfnis nie hingeführt hätte.

Klingt nach Sophie Hunger: Immer wieder überraschend anders, manchmal fast schon abstoßend laut und aggressiv, plötzlich a cappella und akustisch. Ihre ungewöhnlichen Klänge produziert eine ganze Mannschaft auf der Bühne, fünf Background-Sänger, ihr „Schattengesang“, Drummer, Pianist und der, der alles erzeugt „von dem ihr nicht wisst, wo es herkommt“ – Halluzinationen eben.

Unvorbereitet und spontan wirkt die Künstlerin, wenn sie auf der Bühne spricht. Sie erzählt von ihrem Frühstück und den Spaziergängern mit Hunden, denen sie bei ihrer morgendlichen Jogging-Runde begegnet ist. Mit dieser ehrlichen Art gewinnt sie ihre Zuhörer, die sie am Ende nicht mehr gehen lassen wollen.

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Trotz Kälte und Regen auf dem Konzertplatz am Weißen Hirsch wollen sie die Sängerin auch nach der Zugabe mit minutenlangem Applaus wieder auf die Bühne locken. Aber Hunger ist konsequent und lässt das ihr Ende sein, was sie sich als Ende gedacht hatte: Einen sanften und intimen acappella-Song auf Schweizerdeutsch, den die ganze Band zum Schluss gemeinsam singt – im Kreis um ein einziges Mikro versammelt.

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