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Keine Trübsal blasen, auch wenn's weh tut

Persönliche Gedanken und Beobachtungen aus dem Dresdner Corona-Alltag. Heute: Warum das letzte Bier vor der Auszeit bitter war.

Drei Wochen kein Bier in Gesellschaft? Für Christoph Springer ist das keine Alternative.
Drei Wochen kein Bier in Gesellschaft? Für Christoph Springer ist das keine Alternative. © dpa-Zentralbild

Dresden. Der Abstand ist hoffentlich groß genug. Nicht der in Metern. Es geht um jenen vom ersten Lockdown-Tag bis zum letzten. So lang, dass die Corona-Zahlen dann wieder erlauben, dass Kneipen und Restaurants ganz normal öffnen können. 

Denn das letzte Bier in der "Neustädter Winter Hütt´n" war bitter am Sonntagabend. Es hat gut geschmeckt und war trotzdem bitter, bedenkt man die lange Zeit des Verzichts, die jetzt bevorsteht. Natürlich muss man auf Bier nicht verzichten, aber auf das gesellige Leben dazu, das zum Bier gehört wie die Streusel zum Streuselkuchen.

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Es war ein ungewöhnlich warmer Novemberabend. Die Gäste strömten noch einmal zuhauf in die "Winter Hütt´n" an der Louisenstraße. Dabei mussten sie an der aufmerksamen Security vorbeiströmen, die penibel darauf achtete, dass sich jeder in die Corona-Besucherliste einträgt. 

Dann durfte mit Maske weiter geströmt werden zum Tresen und nach der Getränkeorder - selbstverständlich wieder mit Maske - zum Trinkplatz. Die meisten Gäste haben einen Platz im Freien gewählt, einen besonders coronasicheren also. 

Und einen, bei dem man das Treiben gut im Blick hat. Schließlich trifft sich dort die Neustadt und nicht selten entwickelt sich so auch ein geselliger Abend. Mit Abstand natürlich.

Die Winterhütte in der Neustadt muss sich den neuen Regeln fügen. Nach zwei Wochen ist vorerst Schluss.
Die Winterhütte in der Neustadt muss sich den neuen Regeln fügen. Nach zwei Wochen ist vorerst Schluss. © Archiv/kairospress

Seit zwei Wochen hatte die Hütte am Sonntagabend geöffnet. Genau so lange gab's auch schon Glühwein und Punsch. Doch vor Dezember ist das nichts für mich. Ich bleibe lieber beim Bier und genieße das letzte Glas vor dem Lockdown. 

Mit meinen Gedanken bin ich bei den Menschen, die nun nicht mehr arbeiten dürfen, trotz Maske, Liste und Abstandsregeln. Ein Berufsverbot ist das nicht, Straßenverkauf ist ja weiter erlaubt. Aber ein empfindlicher finanzieller Verlust steht ganz sicher am Monatsende unterm Strich. Das ist dramatisch, mehr als der Verlust an Geselligkeit.

Was kann ich tun? Ich werde ganz gewiss nicht Trübsal blasen. Auch wenn es vielleicht Freunde gibt, denen Corona schwer schadet, obwohl sie gar nicht infiziert sind. Ich werde das Leben weiter feiern, auf schöne Erlebnisse und Gedanken trinken. 

Schließlich gibt es ja genau dafür den Außer-Haus-Verkauf. Notfalls hole ich mir eine Flasche Bier im Laden ums Eck. Auch dann, wenn es Ende November richtig kalt ist und das Glas an der Hand festzufrieren droht. Prost, auf Euch!

Hier geht es im Internet zur Winterhütte an der Louisenstraße.

An dieser Stelle schreiben Redakteure der Dresdner Stadtredaktionen aus ganz persönlicher Sicht über Gedanken, Beobachtungen und Erfahrungen aus dem Alltag im Lockdown.

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