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"Je eher Krebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen"

Uta Hoffmann berät am Krankenhaus St. Joseph-Stift in Dresden Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind. Ihre Patientinnen sind zwischen 30 und 90 Jahre alt. Warum Vorsorge so wichtig ist.

Von Julia Vollmer
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"Ich möchte die Betroffnen auffangen", sagt Schwester Uta Hoffmann. Sie berät im Dresdner Krankenhaus St. Joseph-Stift Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind.
"Ich möchte die Betroffnen auffangen", sagt Schwester Uta Hoffmann. Sie berät im Dresdner Krankenhaus St. Joseph-Stift Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind. © Sven Ellger

Dresden. Von einem Tag auf den anderen ist alles anders. Die Diagnose Brustkrebs ist erst einmal ein Schock. Um die Frauen zwischen all dem Ungewissheit und den Therapien nicht allein zu lassen, gibt es am Dresdner Krankenhaus St. Joseph-Stift die Krankenschwester Uta Hoffmann.

Sie arbeitet am Brustzentrum der Klinik als sogenannte Breast-Care-Nurse, eine Krankenschwester für Brustkrebserkrankungen, und war mit am Aufbau und der Zertifizierung als Zentrum beteiligt. Seit 1986 arbeitet sie als Krankenschwester, seit 1990 am St. Joseph-Stift.

"Ich möchte die Betroffenen auffangen"

"Ich möchte die Frauen auffangen und für sie da sein. Viele machen sich große Sorgen nach der Diagnose, auch und gerade, wenn sie noch kleinere Kinder haben", erzählt Uta Hoffmann. Ihr ist es persönlich ein wichtiges Anliegen, Frauen die wissenschaftlich anerkannte Methode der Brust-Selbstuntersuchung zu vermitteln, um Brustkrebs schnell zu erkennen - und dann schnell reagieren zu können.

Neben den Vorsorgeuntersuchungen beim Gynäkologen ist das Abtasten in Eigenregie das einzige Hilfsmittel, das Frauen haben. "Über 80 Prozent der Fälle von Brustkrebs werden durch Selbstuntersuchung entdeckt, obwohl nur 27 Prozent aller Frauen ihre Brust monatlich untersuchen", sagt die Krankenschwester.

Laut der Deutschen Krebsgesellschaft ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Über 70.000 Mal im Jahr stellen Mediziner in Deutschland die Diagnose Mammakarzinom. Rund 17.000 Frauen sterben jährlich daran. Obwohl es die häufigste Krebsart ist, sei Brustkrebs laut Krebsgesellschaft in der Regel nicht die gefährlichste bei Frauen. Rechtzeitig erkannt und behandelt, seien die meisten Erkrankungen heilbar.

Selbst-Abtasten als Kurs am Dresdner Joseph-Stift

Uta Hoffmann bietet am St. Joseph-Stift regelmäßig einen Kurs zum Selbstabtasten an. Mit dem Lernsystem an einem Silikonmodell, das dem echten Brustgewebe nachgebildet ist, sollen die Frauen lernen, Knoten und Veränderungen selbst zu erfühlen. "Die Finger lernen durch Abtasten 'das Lesen' des Brustgewebes – ähnlich dem Vorgang, durch den Blinde die Brailleschrift erlernen", sagt die 55-Jährige.

In das Silikonmodell sind Knoten verschiedener Größe und Härte in unterschiedlicher Tiefe eingelassen. Sobald die Frau diese mit den Fingern findet, kann sie dieselbe Tastmethode an der eigenen Brust ausprobieren.

Diagnose ändert das Leben für die ganze Familie

Etwa 200 betroffene Frauen berät Uta Hoffmann im Jahr. "Die Krankheit betrifft alle Altersgruppen von 30 bis 90 Jahren", erzählt sie. Sie kommen oft mit ihren Partnern und Kindern, denn für die ganze Familie ändert sich mit der Diagnose das Leben. Die Mutter muss zur Behandlung in die Klinik und kann sich zu Hause nicht mehr so kümmern, wie vorher.

"Viele Frauen haben Angst um ihr Leben", sagt sie. Sie rät deshalb allen Frauen, die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt oder bei der Frauenärztin wahrzunehmen. "Je eher der Krebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen."

Jedes Gespräch sei dabei individuell. "Ich berate auch die Frauen zu einer möglichen Entfernung der Brust und einem Brustaufbau danach", sagt sie. Aber auch zu einer Epithese, also einem BH, der die abgenommene Brust ersetzen kann. Hier steht sie in engem Kontakt mit den Rehatechnikern der Klinik. Fünf Jahre bleiben die Frauen nach der Erkrankung im Nachsorgeprogramm und werden engmaschig betreut.