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Der Lichter-König von Dresden ist zurück

Weil sein Vermieter ihm das Dekorieren des Vorgartens verbot, zog Sandrino Löffler kurzerhand samt Familie um. Pünktlich zu Halloween tobt er sich nun wieder aus.

Mit Halloween kann man nie früh genug beginnen: Sandrino Löffler (l.) ist in seinem Element.
Mit Halloween kann man nie früh genug beginnen: Sandrino Löffler (l.) ist in seinem Element. © René Meinig

Dresden. Dem Skelett in der Zink-Badewanne fehlt es an nichts. Es darf sogar am laufenden Band Bier trinken. Dafür hat Sandrino Löffler extra eine Springbrunnen-Pumpe umgebaut. Drei Tage lang hat der 35-jährige Dresdner seine Wohnung und die große Terrasse gruselig dekoriert. Fertig geworden ist er nun schon drei Wochen vor Halloween - aber es soll sich ja auch lohnen.

Von der Straße aus zu sehen sind unter anderem Skelette mit Mundschutz, selbstgebastelte Viren als Lampions und ein Sargdeckel mit der Aufschrift: "Was guckst du so? Ich bin in Quarantäne."

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Ein Skelett mit Bierflasche in der Zinkwanne hat nicht jeder auf seiner Terrasse.
Ein Skelett mit Bierflasche in der Zinkwanne hat nicht jeder auf seiner Terrasse. © Henry Berndt

Im vergangenen Jahr hatte Löffler Schlagzeilen gemacht, als er seinen damaligen Vorgarten in Hellerau in eine ziemlich amerikanisch anmutende Weihnachtswunderwelt mit zwei Meter hohen leuchtenden Schneemännern verwandelte. Aus dem ganzen Ortsteil kamen die Menschen und bestaunten sein Werk, Kindergartengruppen machten Ausflüge. Am Zaun hing sogar ein Briefkasten für Wunschzettel.

Das Ende des kleinen Weihnachtsmärchens folgte jäh, als ihn sein Vermieter aufforderte, jegliche Dekoration sofort zu entfernen. "Ich hab zuerst an einen Scherz geglaubt", sagt Löffler. Nach der Beschwerde einer Nachbarin schrieb der Vermieter vom fehlendem Brandschutz und möglichen Schäden am Gebäude. Löfflers Einwand, die LED-Lämpchen würden auch bei Dauerbetrieb nicht mal warm werden, half ihm nicht weiter. Schließlich schmückte er ab und fühlte sich, als stecke der Grinch persönlich dahinter.

Den Ärger nahm der Dekorations-Enthusiast sogleich zum Anlass, um in der Nähe nach einer neuen Wohnung für seine Familie zu suchen. Seine erste und wichtigste Frage bei der Wohnungsbesichtigung: Dürfen wir hier schmücken?

Im vergangenen Dezember brachten der Lichter-König und sein Sohn Pepe ihren damaligen Vorgarten in Hellerau zum Leuchten. Wenig später mussten sie alles wieder abbauen.
Im vergangenen Dezember brachten der Lichter-König und sein Sohn Pepe ihren damaligen Vorgarten in Hellerau zum Leuchten. Wenig später mussten sie alles wieder abbauen. © Sven Ellger

Im Frühjahr hatte er Erfolg und zog auf die Boltenhagener Straße 89 nach Klotzsche, wo ihn über der Konditorei Zscheile eine große leere Terrasse anlachte. Da ihm die Eigentümer versicherten, dass er sich hier beim Schmücken austoben dürfe, war die Entscheidung schnell gefallen. Im Mai war Einzug und sogleich begannen die Planungen für Halloween.

Bevor am 31. Oktober die große Party steigt, durfte sein neunjähriger Sohn Pepe Ende vergangener Woche schon mal einige Freunde aus der Klasse zum Probegruseln einladen. Dabei wurden Kürbisse geschnitzt und die Einstellungen der Nebelmaschinen optimiert. Auf einem aufgespannten Laken flimmerten Halloween-Szenen.

"Inzwischen habe ich meine Familie mit meinem Wahn angesteckt, obwohl ich immer noch der Schlimmste bin", sagt Löffler, der im ambulanten Pflegedienst arbeitet. Neben der Terrasse ist auch ein Großteil der Wohnung dekoriert. Im langen Flur hängen Füße und Hände von der Decke, links und rechts davon sind die Wände mit weißen Tüchern samt rot verschmierter Spuren verhüllt. Wenige Meter weiter fangen diverse Monster beim Vorbeigehen an zu spuken. "Unser Sohn ist begeistert, allerdings geht er nachts vorerst nicht mehr allein auf die Toilette."

Corona-Viren als Lampions zieren die Terrasse an der Boltenhagener Straße 89 in Klotzsche.
Corona-Viren als Lampions zieren die Terrasse an der Boltenhagener Straße 89 in Klotzsche. © Henry Berndt

Das Zentrum des Grauens bleibt die Terrasse, damit auch die Nachbarschaft etwas davon hat. Neben Grabsteinen aus Styropor ist hier auch eine Hexenküche samt brodelndem Topf zu erleben. "Die Ideen kommen mir immer abends, wenn ich im Bett liege und nicht schlafen kann", sagt Löffler. Auch von verschiedenen Facebook-Gruppen habe er sich schon inspirieren lassen.

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Die Reaktionen am neuen Standort in Klotzsche seien bis jetzt ausschließlich positiv gewesen, heißt es, und auch Romy Zscheile aus der Konditorei im Erdgeschoss ist angetan. "Das sieht schon gut aus", sagt sie, und wenn der ungewöhnliche Anblick den einen oder anderen zusätzlichen Kunden anlockt, dann ist am Ende ja allen geholfen.

Zum Süßigkeiten-Beutezug am 31. Oktober will Sohn Pepe die Nachbarschaft als Pest-Doktor mit Schnabelmaske schocken. "Eigentlich war die Kostümidee ja für mich gedacht", sagt der Papa, "aber ich finde schon noch was anderes".

"Nachts nicht mehr allein auf die Toilette": Auch die Wohnung ist bereits im Grusel-Look.
"Nachts nicht mehr allein auf die Toilette": Auch die Wohnung ist bereits im Grusel-Look. © Henry Berndt

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