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"Da wird man als Mädchen schon komisch angeguckt"

Eine junge Frau aus Ottendorf will ausgerechnet Abwassertechnikerin in Dresden werden, studiert bis nachts Klärwerke. Doch das hat Familientradition.

Laura Kämpffe im Hochwasserpumpwerk Dresden-Johannstadt. Sie wird als Abwassertechnikerin ausgebildet, die künftig auch diese Anlage inspiziert.
Laura Kämpffe im Hochwasserpumpwerk Dresden-Johannstadt. Sie wird als Abwassertechnikerin ausgebildet, die künftig auch diese Anlage inspiziert. ©  Foto: Sven Ellger

Dresden. Laura Kämpffe steht an der Technik im Hochwasserpumpwerk am Käthe-Kollwitz-Ufer in Dresden. Wenn ein großes Hochwasser kommt, sorgen sechs gewaltige Propellerpumpen hier dafür, das überschüssige Abwasser aus dem Hauptkanal in die Elbe zu befördern, sodass das Kanalnetz nicht kollabiert. Den ersten Härtetest bestand die 2010 fertiggestellte Anlage im Juni 2013 erfolgreich. Das ist genau die Technik, für die sich Laura Kämpffe begeistert. Deshalb hatte die heute 17-Jährige den Entschluss gefasst, eine Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik bei der Stadtentwässerung zu absolvieren.

„Ich wollte einen Beruf erlernen, mit dem ich für Umwelt, Menschen und Tiere etwas Gutes bewirken kann“, sagt sie. „Denn viele Menschen achten nicht so sehr auf den Umweltschutz.“ Laura wohnt in Ottendorf-Okrilla, wo ihr Vater, Meister Pedro Kämpffe, als gelernter Abwassertechniker die Kläranlage leitet, die die Stadtentwässerung Dresden betreibt. Auch ihre Großtante Margitta hatte auf der Radeberger Kläranlage gearbeitet. Also gibt es bereits eine Familientradition. 

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Glücklich zwischen Pumpen und Maschinen: Laura Kämpffe.
Glücklich zwischen Pumpen und Maschinen: Laura Kämpffe. ©  Foto: Sven Ellger

„Als ich 15 war, hatte mir mein Vater aus Spaß gesagt: 'Du kannst dir doch überlegen, Fachkraft für Abwassertechnik zu werden.'“ Da habe sie noch gelacht. Doch dann sagte sie sich: Warum denn nicht? Da spreche nichts dagegen. Also ging Laura im Frühjahr 2018 zur Berufsbildungsmesse auf dem Flughafen, um sich zu informieren. Am Stand traf sie Reinhard Reißmann, den technischen Ausbilder der Stadtentwässerung. „Ich war erst einmal skeptisch, da ich dachte, dass der Papa die Richtung vorgegeben hat“, erzählt der 62-Jährige Fachmann. Also wollte er prüfen, ob die Idee wirklich von ihr kommt. „Doch sie hat mich überzeugt, dass ihr Berufswunsch fundiert ist.“

Doch damit hatte Laura die Ausbildungsstelle noch nicht sicher. In der Schule schrieb sie eine zehnseitige Facharbeit zum Klärwerk Kaditz. „Damals hatte ich bis abends um neun oder um zehn gesessen, Bücher darüber gelesen und mir Notizen gemacht. Ich fand es spannend.“ Über ihren Berufswunsch habe sie sich auch mit Freundinnen unterhalten. „Da wird man aber schon etwas komisch angeguckt, wenn man als Mädchen Fachkraft für Abwassertechnik werden will“, erinnert sich Laura. „Aber ich schäme mich nicht dafür, da es ein interessanter und abwechslungsreicher Beruf ist.“ 

Sie bewarb sich wie 24 weitere junge Leute um die drei Abwassertechniker-Lehrstellen bei der Stadtentwässerung. Laura absolvierte Tests und löste Aufgaben in der Gruppe. Eine Woche später kam eine E-Mail von der Stadtentwässerung. „Ich hatte mir gar nicht getraut, sie zu öffnen. Deshalb bin ich in unserem Haus zu meiner Mutter runter gerannt, die nachschaute.“ Sie hatte die Lehrstelle. „Da habe ich mich wahnsinnig gefreut, dass es geklappt hat.“

Mittlerweile hat Laura das erste Lehrjahr absolviert, in der Berufsschule hat sie die Theorie gepaukt, bei der Sächsischen Bildungsgesellschaft die Ausbildung im Labor, in der Werkstatt und der Metallbearbeitung absolviert. Dabei musste sie in einer Woche eine Handbügelsäge bauen. „Das war sehr sportlich. Doch ich habe es geschafft“ , erklärt Laura. Jetzt beginnt im zweiten Lehrjahr die Praxis bei Inspektionen von Gullys, im Kanal, im Johannstädter Hochwasserpumpwerk oder im Klärwerk. „Darauf freue ich mich schon, da ich der praktische Typ bin“, sagt sie. 

Ausbilder Reißmann ist zufrieden, wie sich Laura Kämpffe bisher entwickelt hat. „Es gibt keinen Grund zur Sorge. Sie hat gute Noten“, erklärt der Fachmann, der sich seit 39 Jahren um den Berufsnachwuchs kümmert. Jährlich bildet die Stadtentwässerung etwa zehn Lehrlinge aus, bei der nächsten Runde ab 2021 als Fachkraft für Abwassertechnik und als Mechatroniker. Am 19. September können sich junge Leute bei einem Infotag im Klärwerk Kaditz darüber informieren. Allerdings müssen sie sich dafür anmelden. Telefonisch ist das unter 0351 8223234 oder per E-Mail unter [email protected] möglich. 

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An einer der Stationen wird Laura mit erfahrenen Kollegen ein modernes Spül- und Inspektionsfahrzeug vorstellen. Für sie ist schon klar, dass genau das ihre Zukunft ist. „Ich möchte meine Ausbildung so gut wie möglich abschließen, dann als Abwassertechnikerin arbeiten und in ein paar Jahren meinen Meister machen“, sagt sie. 

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