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Ärger über Dauer-Halteverbote in Dresden-Pieschen

Die Verbotsschilder kamen, als eine Baustelle eingerichtet wurde. Inzwischen sind die Arbeiter weg, die Schilder aber geblieben.

Jede Menge freie Parkplätze - aber genauso viele Halteverbotsschilder. Anwohner Peter Dyroff ist von der Verkehrsplanung in Pieschen genervt.
Jede Menge freie Parkplätze - aber genauso viele Halteverbotsschilder. Anwohner Peter Dyroff ist von der Verkehrsplanung in Pieschen genervt. © Christian Juppe

Dresden. Autofahren in Pieschen macht in diesen Wochen nicht allzu viel Spaß. Rot-weiße Absperrzäune an jeder zweiten Ecke überfordern das Navi und den gesunden Menschenverstand. Gefühlt ist hier jeden Tag eine andere Straße dicht.

Wenig überraschend fallen an Baustellen auch regelmäßig Parkplätze weg, die in diesem Viertel sowieso schon ein knappes Gut sind. Zieht die Baustelle weiter, sollte es aber keinen Anlass für weitere Halteverbote mehr geben, könnte man meinen. Umso verwunderlicher ist das Bild, das der Leisniger Platz gerade abgibt. 

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Seit Anfang November vergangenen Jahres baut die Drewag hier auf rund 200 Metern Länge das Fernwärmenetz aus und verlegt dazu eine 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung. Eigentlich sollte die Baustelle bereits im April Geschichte sein, doch die Arbeiten haben sich verzögert.

Anderthalb Kilometer vom Parkplatz bis zur Haustür

Obwohl hier derzeit nur noch an einer Straßenseite gebuddelt wird, sind weite Teile des Platzes sowie der angrenzenden Leisniger Straße und der Robert-Matzke-Straße mit Dutzenden mobilen Halteverbotsschildern zugestellt. Teilweise stehen sogar zwei nebeneinander, wobei eines den Anfang der einen Sperrzone und das andere das Ende der anderen markiert - jeweils versehen mit unterschiedlichen Daten. Einige Schilder stehen seit Mitte Juni, manche seit Juli und andere sind erst vor wenigen Tagen dazugekommen.

"Das soll mir mal jemand erklären", sagt Anwohner Peter Dyroff, der im Eckhaus Robert-Matzke-Straße/Leisniger Straße wohnt und seit Monaten allabendlich verzweifelt seine Runden auf Parkplatzsuche dreht. "Meist parke ich dann an der Alten Mälzerei und laufe anderthalb Kilometer nach Hause." Warum die Parkplätze direkt vor seinem Haus nach dem Ende der Bauarbeiten vor etwa zehn Tagen nicht wieder freigegeben wurden, kann der 54-Jährige nicht nachvollziehen. Sich einfach ins absolute Halteverbot zu stellen, wie das viele andere Autofahrer rund um den Platz tun, ist ihm zu riskant. "Irgendwann werden die hier sicher den ersten abschleppen." 

Ein vertrautes Bild derzeit in Pieschen. Immerhin, die Baustelle am Leisniger Platz soll Ende Oktober endlich Geschichte sein.
Ein vertrautes Bild derzeit in Pieschen. Immerhin, die Baustelle am Leisniger Platz soll Ende Oktober endlich Geschichte sein. © Christian Juppe

Etwa 20 Parkplätze im Umkreis von 100 Metern seien derzeit unnötig gesperrt, schätzt Dyroff. Manchmal habe er das Gefühl, man würde die Schilder einfach stehen lassen, weil man sie ja vielleicht mal wieder in der Nähe brauchen könnte. "Die Parkplatznot der Anwohner scheint da niemanden zu interessieren." Zumindest könnte man die Sperrung doch zeitlich begrenzen, damit wenigstens abends geparkt werden darf, findet er.

Laut Drewag werden die Baumaßnahmen in Höhe Leisniger Platz Ende Oktober abgeschlossen sein. Dann verlagere sich die Baustelle weiter in Richtung Wurzener Straße. "Die bestehenden Verkehrseinschränkungen sind weiterhin notwendig und bleiben auch in diesem Bauabschnitt weiter bestehen", wird mitgeteilt. 

Für das Umstellen der Schilder ist die Drewag selbst zuständig. Das Straßen- und Tiefbauamt der Stadt betont jedoch auf Anfrage, dass die Baustellen durch die Straßenverkehrsbehörde abgenommen und regelmäßig  kontrolliert würden. Halteverbotsschilder könnten neben der eigentlichen Baustelle zeitweise auch für Bereiche nötig sein, die als Lagerflächen dienen oder die gefahrlose Durchfahrt großer Fahrzeuge gewährleisten. Das Aufstellen jedes einzelnen Schildes müsse entsprechend begründet werden.

Wann sich die Parksituation am Leisniger Platz entspannen wird, ist noch nicht absehbar. "Wir sind bemüht, die Verkehrsschilder zeitnah zum Abschluss der Baumaßnahmen zu entfernen beziehungsweise für weitere Baumaßnahmen umzustellen", heißt es dazu nur von der Drewag.

Drei Jahre lang Baustelle vor der Nase

Jens-Olaf Wendrich hat seine Logopädie-Praxis auf der Robert-Matzke-Straße. Auch viele seiner Kunden müssen weit entfernt parken, wenn sie nicht riskieren wollen, abgeschleppt zu werden. "Das Schlimmste ist aber: Diese Baustelle nervt mich jetzt schon seit drei Jahren", sagt er. "Ich dachte, ich sehe nicht recht, als die die Straße hier dieses Jahr wieder aufgerissen haben." Genau wie Wendrich sehnt auch Uwe Barthel, Inhaber des benachbarten Antiquariats Buchteddy, Ruhe, freie Straßen und vor allem nutzbare Parkplätze herbei. 

Zur ungewöhnlich langen Dauer der Bauarbeiten teilt die Drewag mit: "Es ist richtig, dass der Ausbau des Fernwärmenetzes im Bereich Leisniger Straße bereits seit 2017 andauert." Die langen Bauphasen seien der Komplexität des Projektes und der Größe des Gesamtbauvorhabens "Fernwärmeausbau Dresden Nord-West" geschuldet. Außerdem hätten auch die nötigen Abstimmungen mit Partnern wie der Stadt und den Dresdner Verkehrsbetrieben Einfluss auf den Baufortschritt. 

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