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Aus für Dresdner Traditionsbuchhandlung

Das Mietverhältnis zwischen dem Bistum Dresden-Meißen und der St.-Benno-Buchhandlung ist zerrüttet. Was die Kirche dazu sagt.

Christiane Königsmann wird die St.-Benno-Buchhandlung aufgeben.
Christiane Königsmann wird die St.-Benno-Buchhandlung aufgeben. © Marion Doering

Dresden. Auf der Schloßstraße endet eine Ära. 65 Jahre dauerte diese. Fast ein Menschenleben lang hat die St.-Benno-Buchhandlung durchgehalten, die DDR-Zeit und die Wende überstanden und zuletzt auch die Corona-Monate. Doch nun ist die Überlebenszeit zu Ende. Im Dezember schließt das Geschäft auf der Schloßstraße. Es ist zwar kleiner als die Konkurrenz im Stadtzentrum, hat aber einen bekannten Namen und fast jeder Dresden-Tourist geht bei seinem Besuch mindestens einmal daran vorbei. 

Gleich neben dem Georgentor ist der Laden zu finden, in dessen Schaufenster stets auch Herrnhuter Sterne und Kerzen ausgestellt sind. Nicht, weil das die Touristen besonders lieben. Die St.-Benno-Buchhandlung ist eine katholische Buchhandlung mit einem Sortiment, zu dem auch Bücher und Gegenstände gehören, die im Glauben und der Kirche eine Rolle spielen.   

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Corona und Online-Handel spielen eine Rolle

Die Gründe für die Schließung laut offizieller Lesart: "Neben den Schließzeiten und Einschränkungen durch die Coronapandemie spielt der zunehmende Online-Handel eine wichtige Rolle." So erklärt das Bistum Dresden-Meißen das Ende. Es ist gegenüber Chefin Christiane Königsmann in der Vermieterrolle, denn die Adresse der Buchhandlung ist auch die von Bischof Heinrich Timmerevers im "Haus der Kathedrale". 

1999, als das Haus eingeweiht wurde, zog auch die Buchhandlung im Erdgeschoss ein. "Die räumliche Situation war von Anfang an nicht optimal", meinen die Verantwortlichen des Bistums, mit dem laufenden Umbau des Hauses werde das nicht besser. Sie fügen hinzu, die Buchhandlung sei "über Jahre hinweg" ein Nutzer gewesen, der zur touristischen Innenstadt und dem Bistumsgebäude passte.

Die Toilette war tagelang verschlossen

So etwas hat Christiane Königsmann lange nicht gehört. Jahre versuchte sie erfolglos, mit den Bistumsverantwortlichen über die Situation ihres Ladens zu sprechen. Doch erst vergangene Woche kam Generalvikar Andreas Kutschke an einem Abend in ihr Geschäft. Es war das erste derartige Gespräch überhaupt. Die Kündigung von Christiane Königsmann hatte er da schon zwei Wochen lang auf dem Tisch liegen. Nun stellt er fest, es habe "Bedarfe" in der Buchhandlung gegeben, die das Bistum als Vermieter "gar nicht im Blick" hatte.

Das ging auch gar nicht, schließlich hat zuvor niemand Christiane Königsmann zugehört, wenn sie ihre "Bedarfe" erklären wollte. Zum Beispiel den Bedarf einer funktionierenden Toilette für sie und ihre Mitarbeiter. Oder den eines Pausenraums, der seinen Namen auch verdient. Die Toilette war tagelang verschlossen, der Pausenraum ihres Buchgeschäfts sollte längst zu einer neuen Cateringküche umgebaut werden, seit Wochen ist dort aber nichts passiert. Den Essplatz musste die Buchhändlerin trotzdem längst wegräumen.

"Es bleibt ein schmerzlicher Schritt"

Ihren Parkplatz in der Tiefgarage unter dem Haus hat Christiane Königsmann schon vor sieben Jahren verloren, Buchlieferungen waren für sie deshalb ein Problem. Zuletzt haben Bauarbeiter vor ihrem Eingang ihre Autos geparkt, einen Kran aufgestellt, einen Möbel-Lift bedient und jetzt steht dort ein Gerüst. Der Laden ist kaum noch zu sehen, beschwert sich Christiane Königsmann, provisorische Hinweisschilder gab es nie. Auch das alles sind Gründe für das Aus. 

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Doch zu alledem äußert sich Generalvikar Andreas Kutschke nicht. Stattdessen wird das Bistum am Mittwoch eine Pressemitteilung verschicken. Eine Institution schließe und eine Ära gehe zu Ende, wird es darin heißen. Auch ein mindestens problematisches Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter endet damit. Christiane Königsmann wird in der Pressemitteilung zitiert: "Es bleibt ein schmerzlicher Schritt."

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