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Dresden: Bleibt Baden im Kiessee verboten?

Die Stadt hat zum Kiessee in Leuben ein Gutachten beauftragt, das auch vorliegt. Ginge es nach vielen Dresdnern bekämen sie eine neue und legale Badestelle.

Blaues Wasser mitten in der Stadt - der Kiessee Leuben lockt bei warmen Temperaturen zum Baden. Erlaubt ist das allerdings nicht.
Blaues Wasser mitten in der Stadt - der Kiessee Leuben lockt bei warmen Temperaturen zum Baden. Erlaubt ist das allerdings nicht. © Marion Doering

Dresden. Am kommenden Montag öffnen die ersten Dresdner Freibäder. Den Anfang machen die Badestellen in Weixdorf und Weißig. Genau so eine Badestelle wünschen sich viele Dresdner am Kiessee Leuben. Seit vielen Jahren wird darum gerungen, dass das Baden dort offiziell erlaubt wird - doch noch ist das nicht der Fall. Mit einem Gutachten, das der Stadtrat 2019 von der Verwaltung forderte, sieht es offenbar auch nicht so aus, als würde es eine schnelle Lösung für das Problem geben.

Denn ungeachtet der Verbotsschilder, die rund um den Kiessee aufgestellt wurden, tummeln sich bei heißen Temperaturen zahlreiche Badelustige im Wasser. Seit Kurzem ist auch die Wasserskianlage wieder in Betrieb. Und genau das scheint den Gutachtern nicht zu gefallen. "Inzwischen – so wurde uns mitgeteilt – liegt das Fachgutachten auf dem Tisch, zu dessen Erstellung der Stadtrat den Oberbürgermeister 2019 beauftragt hatte", teilt CDU-Stadträtin Heike Ahnert aus Leuben jetzt mit.

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"Dieses spricht sich gegen eine Badestelle aus." Begründet werde das zum einen mit dem hohen Aufwand und der Absicherung der Verkehrssicherungspflicht. "Vor allem die Wasserskianlage wird als erhebliches Gefahrenpotential bezeichnet", so Heike Ahnert.

Auf SZ-Anfrage betont die Stadt zunächst - wie auch in den vergangenen Jahren immer wieder: Das Baden im Kiessee Leuben ist verboten. "Deshalb warnt die Landeshauptstadt die Bevölkerung weiterhin, wie auch durch die umfassenden Beschilderungen vor Ort, dass dort Badeverbot herrscht." Die Gefahren und Hintergründe dazu seien breit bekannt.

Steile Böschung am Südufer besonders gefährlich

Die beiden Kiesseen in Leuben gehören zu den künstlichen Gewässern. Daher gilt dort per Gesetz ein Verbot für das Baden, auch an Stellen, wo vermeintlich ein Badestrand sein könnte. Generell bestehen beim Baden in Kiesseen gesundheitliche Risiken. Die Wasserqualität wird nicht, wie bei einem Badegewässer, überwacht. Daher gibt es auch keine Warnungen vor möglichen gesundheitlichen Gefahren zum Beispiel durch Algen, hatte das Umweltamt im vergangenen Jahr noch einmal betont.

"Die Böschungen über und unter der Wasseroberfläche sind nicht für eine Badenutzung angelegt", so die Stadt. Der Untergrund könne schnell und steil abfallen. Das ist besonders für Kinder und Nichtschwimmer sehr gefährlich. "Insbesondere sehr riskant für Schwimmer ist im südlichen Kiessee Leuben die Wasserskianlage. Diese kann für sie lebensgefährlich werden", warnt die Stadt.

Laut Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes sind im Leubener Kiessee durchschnittlich ein bis zwei tödliche Badeunfälle pro Jahr zu beklagen.

Zu welchem konkreten Ergebnis das aktuelle Gutachten kommt, lässt die Stadt unbeantwortet. Die Verwaltung werde das Gutachten zunächst intern auswerten, dann den Mitgliedern des zuständigen Stadtratsausschuss vorstellen und anschließend dazu gegenüber dem gesamten Stadtrat schriftlich Stellung nehmen. "Das erfolgt nach der sachgerechten Auswertung und Aufbereitung des Gutachtens." Obwohl das Gutachten seit Ende 2020 vorliegt, ist das bislang noch nicht passiert.

Als Grund dafür führt die Stadt den Corona-Notbetrieb an, in dem die Verwaltung noch immer arbeite. "Die damit verbundene Priorisierung von Aufgaben führte dazu, dass die Nachbearbeitung des Gutachtens erst mit Herabsinken der Anzahl der Covid-19-Erkrankungen intensiviert wird."

In die Beratungen soll der Stadtbezirksbeirat Leuben einbezogen werden. Sobald der Stadtratsausschuss beteiligt worden sei, werde die Öffentlichkeit entsprechend informiert, so das Rathaus.

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An mehreren Stellen rund um den Kiessee Leuben weisen Schilder darauf hin, dass das Baden verboten ist. Dennoch ist der See im Sommer ein großer Magnet für viele Familien und Jugendliche, die zum Schwimmen kommen.
An mehreren Stellen rund um den Kiessee Leuben weisen Schilder darauf hin, dass das Baden verboten ist. Dennoch ist der See im Sommer ein großer Magnet für viele Familien und Jugendliche, die zum Schwimmen kommen. © Marion Doering

Stadträtin Heike Ahnert will das Problem des Wildbadens indes so schnell wie möglich lösen. "Das Rathaus bekommt es seit Jahren nicht hin, hier einen offiziellen Badestrand einzurichten." Dass dabei Schwierigkeiten bewältigt werden müssten, sei klar. "Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wir erwarten, dass das Gutachten nach den Möglichkeiten zur Umsetzung des Bürgerwillens geprüft wird – nicht nach den seit Jahren bekannten Hürden."

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Auch die Idee eines Caravan-Stellplatzes, die 2019 vom Dresdner Investor Hans-Peter Fritsch aufgeworfen wurde, und die zudem eine Station mit Rettungsschwimmern vorsieht, kam bei der Stadt nicht gut an. 2016 hatte die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft signalisiert, dass sie das Projekt mit Rettungsschwimmern unterstützen wolle. Doch auch hier blockt die Stadt, Natur- und Hochwasserschutz würden einer touristischen Nutzung des Kiessees in Leuben, der sich im Altelbarm befindet, entgegenstehen.

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