merken
PLUS Dresden

Corona und die Bratwurst

Seit die Restaurants zu haben, schießen die Bratwurststände aus dem Boden. Hängt uns die Bratwurst bald zum Hals raus? Unsere Corona-Kolumne.

Nach einem kalten Wintertag schmeckt sie besonders gut: die Bratwurst.
Nach einem kalten Wintertag schmeckt sie besonders gut: die Bratwurst. © ZB (Archivbild)

Dresden. Was war das doch ein herrliches Winterwetter an diesem Wochenende! Selten war es so ein Vergnügen, durch die sonst doch eher eintönige Dresdner Heide zu stapfen. Auf kleinen, abgelegenen Wegen enfloh ich dem Menschenandrang der breiten Forstwege und verlor mich im Winterwunderwald - genauso aber auch die Zeit aus dem Blick.

Es war schon weit nach Mittag und ich hatte Hunger. Bis zum Gasthaus Heidemühle war es noch ein ganzes Stück - und würde ich da überhaupt etwas zu essen kriegen?

Anzeige
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?

Das therapeutische Gesundheitszentrum von PPS Medical Fitness in Dresden bietet modernste Möglichkeiten. Hier bringt Arbeiten Spaß und Erfüllung.

Ein Blick auf die Internetseite machte mir keine Hoffnungen. Ich nahm trotzdem die Richtung auf. Bald kamen mir Menschen mit dampfenden Bechern und Ketchup-verschmierten Fingern entgegen. Hier war ich richtig!

Erzgebirgische Lángos, Quarkkrapfen, gebrannte Mandeln, Crêpes... Mit so einem Angebot hatte ich mitten im Wald nicht gerechnet.

Die Schlange war lang, Abstände wurden bestmöglich eingehalten. Genug Zeit, um das kulinarische Angebot ausgiebig zu studieren. Plötzlich war ich an der Reihe. "Eine Bratwurst mit Ketchup, bitte!" - Ich hatte mal wieder den sichersten Weg genommen.

Bratwurststand an der Dresdner Heidemühle.
Bratwurststand an der Dresdner Heidemühle. © Tim Ruben Weimer

Bratwurst habe ich schon an den unmöglichsten Orten gegessen. Zum Beispiel auf dem Gipfel des Großen Winterbergs in der Sächsischen Schweiz, wo der Gastwirt jeden eintreffenden Winterwanderer fragte: "Hätten Sie gedacht, dass es hier oben Bratwurst gibt?"

Mittlerweise muss ich sagen: Ich hätte es mir denken können. Denn fast jedes geschlossene Gasthaus in abgelegeneren Gebieten hat inzwischen einen Bratwurststand vor der Tür stehen.

Sogar das Carolaschlösschen im Großen Garten bietet neben Entenbrust mit Rotkraut und veganem Vollkorn-Erbsen-Burger auch Bratwurst an.

Wird es deshalb zu einem Wettkampf um die beste Bratwurst kommen? Werden die Preise steigen und bald "Bratwurstersatz an Tofu-Vanille-Creme" und "Saucisse à la sauce moutarde" angeboten?

Nein, bisher schmeckte jede Bratwurst gleich. Bratwurst ist Bratwurst, die etwas verkohlten Exemplare mal ausgenommen. Auch beim Johannstädter Fährgarten liegt der hundsgewöhnliche Bratwurststand nur ein paar Schritte hinter den Schildern für "Ente im Brotlaib" und "Duck-Burger".

Was zieht uns also immer wieder hin zu dieser Pressfleischröhre mit oller Schrippe? Ich glaube: Es ist das Gefühl des Zusammenhalts, das im Fleisch steckt.

Ein Kulturgut, für das wir weltweit verschrien sind, das uns aber gerade dadurch Identität verleiht. Gerade in der jetzigen Zeit ohne Theater-, Konzert- oder Restaurantbesuche macht uns die Bratwurst vor, was es heißt, bissfest zu bleiben. Vielleicht schaffen wir das ja auch, ohne dabei zu verkohlen.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

Weiterführende Artikel

Feuer und Flamme im Lockdown

Feuer und Flamme im Lockdown

Wie übersteht man bloß die Zeit der Verbote und Einschränkungen? Eine gute Portion Selbstbetrug hilft, findet unsere Autorin. Die neue Lockdown-Kolumne.

Warum es gut ist, wenn es bergab geht

Warum es gut ist, wenn es bergab geht

Die Richtung einer Entwicklung ist entscheidend. Das gilt auch für die Corona-Zeit. Unsere Lockdown-Kolumne.

Länger mehr Licht im Lockdown

Länger mehr Licht im Lockdown

Die Dresdner Neustadt bleibt noch für eine Weile weihnachtlich geschmückt. Wie es dazu kam. Unsere Lockdown-Kolumne.

Ein Arbeitsziel für den Lockdown

Ein Arbeitsziel für den Lockdown

Was tun, wenn keine Kunden kommen dürfen? Es gibt eine Möglichkeit, die nicht wenige Laden- und Restaurantchefs nutzen. Unsere Lockdown-Kolumne.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden