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Dresdner Dampfer fahren Kurzstrecken

Ein Unternehmen aus der Schweiz hat Dresdens Traditionsflotte übernommen. Das Angebot wird überarbeitet. Was geplant ist - von Catering bis Winterfahrten.

Robert Straubhaar (l.) und Stefan Bloch sind die neuen Chefs der Dresdner Flotte.
Robert Straubhaar (l.) und Stefan Bloch sind die neuen Chefs der Dresdner Flotte. © Archiv/Marion Doering

Dresden. Der Striezelmarkt muss sein. Natürlich mit Hygienekonzept und gern mit Fahrgeschäften und Attraktionen, die genau deshalb in diesem Jahr am Terrassenufer stehen. Darauf setzt Stefan Bloch. Aber er weiß natürlich auch, dass die Absage noch möglich ist. "Das wäre der Supergau", sagt der Kamenzer, der einer der zwei neuen Chefs der Dampfschifffahrt ist. "Ich habe extra zwei Dampfer für diese Zeit eingeplant." 

Die "Dresden" und die "Pillnitz" sollen auch im Dezember bereit sein, um Passagiere für Ausflugsfahrten an Bord zu nehmen. Das ist neu, das gab es in den vergangenen Jahren nicht. Da wurde das Wintergeschäft nur mit den Salonschiffen "August der Starke" und "Gräfin Cosel" abgewickelt.

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Mehr Mitarbeiter für die nächste Saison

Seit Anfang September steuern Bloch und Robert Straubhaar, zugleich Chef der River Advice AG aus Basel, die Flotte. Das Unternehmen aus der Schweiz hat die insolvente Dampfschifffahrt nach einem Bieterwettstreit übernommen. 152 Mitarbeiter sind laut Bloch derzeit an Bord, das gesamte nautische Personal und der größte Teil der Kollegen, die früher beim Cateringunternehmen Elbezeit angestellt waren. "Wir haben auch einige wieder eingestellt", sagt Bloch. Zusätzlich rechnet er damit, dass in der Dampfersaison 2021 weitere 30 bis 60 Mitarbeiter für die Versorgung mit Speisen und Getränken an Bord und an Land gebraucht werden.

Kein Wasser und trotzdem Schifffahrten

Die Ticketpreise sollen 2021 unverändert bleiben, kündigt Bloch an. "Sie berechnen sich nach den gefahren Kilometern", erklärt der neue Geschäftsführer, der in Kamenz wohnt und zugleich nahe Basel zu Hause ist. Im Dezember soll der neue Fahrplan stehen. Straubhaar hatte bei der Übernahme der Flotte angekündigt, künftig solle mehr gefahren und an mehr Stationen gehalten werden. 

Bei der Umsetzung dieses Vorhabens setzt Bloch auf die Schiffsbesatzungen. Am 3. November ist ein Termin mit ihnen geplant, bei dem es unter anderem um die Frage gehen soll, welche Fahrtenangebote und Halte sie über das gewohnte Angebot hinaus für machbar halten. Vor allem die Kapitäne müssten das wissen, meint der neue Chef.

Die Verantwortlichen planen mit drei Szenarien. Variante 1: ein normaler Elbepegel und volles Angebot. Variante 2: Niedrigwasser mit einem Pegel von 55 oder 60 Zentimetern. Variante 3: "Kein Wasser." So nennt Bloch die Situation, wenn der Elbepegel deutlich unter der Niedrigwasser-Marke steht. 

Für alle drei Szenarien soll es künftig einen festen Fahrplan geben. Kein dickes Buch, sondern Einzelfahrpläne für die verschiedenen Strecken, in denen auch steht, welches Schiff unterwegs sein wird.

Selbst beim Szenario "Kein Wasser" sollen künftig Schiffe fahren, planen Bloch und Straubhaar. "Auch wenn es nur vom Terrassenufer bis zur Carolabrücke geht", beschreibt der Kamenzer diese Variante. Soll heißen: Wo immer dann noch gefahren werden kann, soll auch gefahren werden. Notfalls auch nur auf kurzen Strecken. Kein Schiffsverkehr ist für die neue Flottenspitze demnach keine Option. Sind nur noch Kurzstrecken möglich, müsse eben das Angebot auf den Schiffen entsprechend anziehend sein, meint Bloch. 

Überarbeitete Speisekarte und mehr Service

Selbstbedienung ist für die neuen Flottenchefs keine Option. Künftig soll auf den Schiffen wieder am Tisch serviert werden, sagt Bloch. Außerdem arbeitet er zusammen mit einem Fachmann aus Österreich an einer neuen Speisekarte. Bloch selbst ist Gastro-Spezialist. "Kein Chichi", erklärt der neue Chef die wichtigste Vorgabe für das neue Angebot. "Nichts Unnötiges" meint er damit. 

"Schiffsbezogen" soll die neue Speisekarte auf den Dampfern sein, lautet eine weitere Vorgabe. Und im Zoo vor allem auf Kinder bezogen. Eine Kartoffelsuppe wird es weiter geben, auch Eierschecke, verrät Bloch vorab, Wiener Würstchen auch. Mehr will er noch nicht sagen. "Nicht zu modern", wünscht er sich die neue Speisekarte, beim Catering für Gruppen aber soll die Flottenküche "richtig edel" auftischen können.

Neue Verträge für Zentrale und Werft

Die Adresse ist nobel, der Preis ist es auch. Die Dampfschifffahrt residiert im historischen Zentrum der Stadt am Georg-Treu-Platz. Gleich gegenüber ist das Albertinum, um die Ecke die Frauenkirche. Zwei Etagen und ein Geschäft im Erdgeschoss belegt die Flotte in dem Neubau. Das ist zu viel, haben die neuen Chefs entschieden, eine Etage wollen sie abgeben. Das soll bis Ende Dezember erledigt sein. 

Am 1. Januar wollen sie außerdem das Geschäft im Erdgeschoss wieder öffnen. Es ist seit Wochen dicht, wegen Corona, sagt Stefan Bloch. Tickets soll es dort auch künftig geben, daneben soll ein Shop mit mehr als Schiffs- und Dresden-Erinnerungen entstehen. Der Glasschmuck-Anbieter Swarovski könnte dort künftig mit vertreten sein, überlegt Stefan Bloch. Das Ladenkonzept werde derzeit gemeinsam mit einer Spezialfirma aus dem Schwarzwald erarbeitet.

Mit der Werft, deren Eigentümer sich auch um die Flotte beworben hatten, sind sich die neuen Flottenbesitzer einig geworden. Am Montag hat Bloch den Vertrag unterschrieben, Details will er derzeit dazu aber nicht nennen.

Gute Zahlen zum Saisonende

Gerade wegen Corona waren die Passagierzahl im September gut, meint Stefan Bloch. Deutsche Urlauber hätten mehr Städtereisen gemacht, das bekam auch die Flotte zu spüren. Mehr als 75.000 Menschen sind mitgefahren. Ähnlich viel waren es zuletzt im September 2017 mit knapp 71.000. 

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Doch die neuen Corona-Regeln führten auch schon wieder zu neuen Einschränkungen. Das Abdampfen, eine kleine Parade am 1. November zum Saisonende, musste deshalb abgesagt werden, meldet das Unternehmen am Dienstag. Alle planmäßigen Fahrten finden aber statt.

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