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Fotos wie Gemälde

Die Fotografin Esra Rotthoff macht die Staatsoperette und ihre Künstler auch jenseits der Bühne sichtbar. Dabei geht sie weit über fotografisches Handwerk hinaus.

Selbstporträt: Esra Rotthoff am Blauen Wunder.
Selbstporträt: Esra Rotthoff am Blauen Wunder. © Esra Rotthoff

Dresden. In einem frühere Interview hat Esra Rotthoff ihre Arbeit auf den Punkt gebracht: "Ich verführe mit Schönheit und konfrontiere mit Inhalt", sagte sie. Wer ihre fotografischen Werke gesehen hat, dürfte genau das empfinden. Ästhetik mit konkreter Absicht, wenn das, was sie zeigt, auch im ersten Moment verstörend wirkt.

Mit der neuen Intendantin der Staatsoperette, Kathrin Kondaurow, begann die Berliner Fotokünstlerin, ihre Kreativität dem Dresdner Musiktheater zu widmen. Esra Rotthoff hat dessen grafischen Auftritt entwickelt, schafft Fotoarbeiten für Plakate, die Präsentation der Ensemblemitglieder - und nun gerade für das Spielzeitheft der neuen Saison.

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Dafür war Esra Rotthoff am Wochenende in Prohlis unterwegs. Schon Tage zuvor hatte sie Solisten der Staatsoperette auf dem Blauen Wunder und in der Gläsernen Manufaktur geshootet. Während Hollywoods Glamour hoch über dem Fluss und am Elbufer den Rahmen für die Motive gab, legte die Fotografin ihnen im futuristischen VW-Bau die Bildsprache der Pop- und Rock-Musikvideos zugrunde.

Bilder im Kopf

"In Prohlis haben wir das aktuelle Thema Freizeit zuhause aufgegriffen", sagt Esra Rotthoff. Urlaub auf Balkonien bot sich dort angesichts weit reichender Balkonfassaden besonders gut an. Der Stadtteil fasziniert sie. Schon während ihres Studiums hat die gebürtige Berlinerin zusammen mit zwei Freundinnen ein Magazin herausgebracht, in dem sie jedes Viertel ihrer Heimatstadt und die Menschen, die dort leben, porträtierte.

Nach der Schule war die heute 39-Jährige an die Universität der Künste Berlin gegangen, um Visuelle Kommunikation zu studieren. "Ich habe als Kind und Jugendliche viel gemalt. Das war mein erstes Medium", erzählt sie. Im Studium lernte sie die vielen verschiedenen Facetten der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten kennen und entdeckte die Fotografie für sich. Die Bilder, die sie im Kopf trug, konnte sie auf diese Weise anderen am besten sichtbar machen.

Für ein Festival schuf sie schließlich eine Fotoserie, zu der eine Arbeit gehört, mit der sie einem größeren Kreis Kulturschaffender bekannt wurde. Darauf hält eine nackte Frau ein geschächtetes Lamm im Arm. Als Tochter einer türkischen Mutter und eines deutschen Vaters setzte sie sich mit dieser ikonografischen Arbeit mit beiden Kulturkreisen auseinander - Opfergabe auf der einen Seite, Gotteslamm auf der anderen. Exemplarisch verbindet sie auch hier Schönheit und tiefen Sinn, schafft Fotos wie Gemälde, hinterfragt und stellt zur Diskussion.

Neugier auf Operette

Die Serie brachte Esra ihren ersten Auftrag für ein kleineres Theater ein, für das sie Plakate gestaltete. So wuchs sie in die Theaterarbeit hinein. Seit Jahren kreiert sie inzwischen Plakate und Schauspielerporträts für das Berliner Maxim-Gorki-Theater. So war sie auch Kathrin Kondaurow bekannt, die sie mit der Aufnahme ihrer Intendanz an der Staatsoperette nach Dresden holte.

"Ich probiere gern neue Dinge aus, und das Genre Operette hat mich sehr gereizt", sagt Esra. Angesiedelt zwischen Oper und Musical bietet die Kunstform ihr große Entfaltungsmöglichkeiten. Auch im Ziel, das ältere Publikum anzusprechen und parallel jüngere Menschen zu erreichen, sieht sie eine wunderbare Herausforderung.

Zwar muss die Staatsoperette wie andere Theater auch coronabedingte Zwangspause einlegen - hinter den Kulissen geht die Arbeit jedoch weiter. Während Esra Rotthoff arrangiert und fotografiert, probt das Ensemble. Im Moment bereitet es unter strengen Hygienevorschriften zwei neue Inszenierungen vor: die hauseigene Operettenrevue "So verliebt in die Liebe" und das Musical "Die Fantasticks". Die Premieren sind für den 10. und den 16. April geplant.

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