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Lebensretter Uwe N.: "Ich muss ihr helfen!"

Eine 22-Jährige springt am Freitagabend in die Elbe. Wie sie gerettet wurde und was ihr Retter dabei gedacht hat .

Polizeihauptmeister Uwe N. ist am Freitagabend in die Elbe gesprungen, um eine Frau zu retten.
Polizeihauptmeister Uwe N. ist am Freitagabend in die Elbe gesprungen, um eine Frau zu retten. © Sven Ellger

Dresden. Dieser Freitag, der 13., wird Uwe N. ewig in Erinnerung bleiben. Zwei Tage später, am Sonntagmittag steht der Polizeimeister mit Journalisten noch einmal an der Stelle am Elbufer, wo er am Freitagabend eine junge Frau aus dem Fluss gerettet hat. Rund 250 Meter elbabwärts vom Blauen Wunder. Jedes Detail ist dem 48-Jährigen gewärtig, auch wenn an diesem Abend alles ganz schnell gehen musste. „So einen Einsatz vergisst man nicht. Diese Frau hatte wirklich alle Schutzengel auf ihrer Seite, die es gibt“, sagt er. Uwe N. steht am kleinen Kiesstrand und zeigt auf die Boje in Elbmitte. „Dort trieb sie.“ Heute weiß er, dass es der 22-Jährigen den Umständen entsprechend gut geht, wie Polizeisprecher Marko Laske bestätigt. „Und wir sind stolz, dass unser Kollege so umsichtig gehandelt hat“, sagt Laske. Uwe N., seit 20 Jahren bei der Polizei, quittiert das Lob mit einem Nicken. Und erzählt seine Geschichte.

Passanten leuchten die Elbe ab

Gegen 17 Uhr, als der Polizeihauptmeister am Freitag mit einem Kollegen im Streifenwagen auf dem Käthe-Kollwitz-Ufer unterwegs ist, ahnt er noch nichts davon, dass eine verzweifelte junge Frau auf dem Blauen Wunder einen Plan gefasst hat. Die 22-Jährige klettert über das Brückengeländer und springt. Rund acht Meter sind es von der Brücke in die Elbe. Die Frau stürzt in das nur etwa zehn Grad kalte Wasser der Elbe, wird sofort von der Strömung erfasst. Doch Passanten haben sie beobachtet und informieren die Polizei.

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Um 17.35 Uhr hört Uwe N. den Funkspruch aus der Zentrale, der deutlich macht, dass es in diesem Fall um Leben und Tod geht. „Wir waren kurz vor der Albertbrücke, haben sofort Blaulicht und Sirene angestellt und gewendet“, erinnert sich Uwe N. an den Abend, der ihm noch viel abverlangen wird. Es wird eine schnelle Fahrt in Richtung Blaues Wunder, wenige Minuten später biegen die beiden Polizisten in Richtung Elbe ab und fahren auf dem Elbradweg zu einer Gruppe Passanten, die mit Taschenlampen und Handys den Fluss ableuchteten. „Da treibt sie!“, rufen die Menschen den Polizisten zu. Uwe N. sieht den Kopf der jungen Frau im Wasser.

Während sein Kollege im Auto versucht, die Wasserschutzpolizei und andere Rettungsdienste zu erreichen, lässt der Polizeihauptmeister die Frau nicht aus den Augen, dabei ist es richtig dunkel. „Aber die Passanten haben uns sehr geholfen und das Wasser gut ausgeleuchtet.“ Die Wasserschutzpolizei meldet sich zurück. Sie ist mit dem Boot in Pirna. Keine Chance, schnell bei der Frau zu sein. Dann hört Uwe N. auf seinen Instinkt. „Ich dachte, wer soll da jetzt reingehen? Das muss ich machen, ich muss ihr helfen“. Er sucht einen geeigneten Punkt, wo er günstig ins Wasser gelangt. Dann sind es nur Sekunden, die er überlegt. Die Uniform würde sich voll Wasser saugen und ihn beim Schwimmen behindern. Also zieht er sich aus. Nur mit der Unterhose bekleidet läuft er ins Wasser. Die Zehen signalisieren ihm, dass es sehr kalt ist. Aber es gibt kein Zurück. Er weiß noch, dass er die ersten Meter über Steine gelaufen ist, dann wurde es tief. Die junge Frau trieb mittig in der Elbe. "Ich habe gehofft, dass sie nicht weiter abtreibt und bin zu ihr geschwommen. Sie war völlig apathisch“, erinnert er sich.

"Ich will Dir jetzt helfen"

Uwe N. spricht die junge Frau an. “Ich will Dir jetzt helfen“, sagt er und merkt, sie ist noch bei Bewusstsein. Er legt den Arm um sie und versucht ihren Kopf hochzuhalten. Es gelingt ihm, sie nahe ans Ufer zu bringen. Dort hilft ihm ein Angler, der mit Wathose bekleidet in die Elbe läuft und ihm entgegenkommt. Wie sich später herausstellt, auch ein Polizist. Gemeinsam tragen sie die Frau zum Streifenwagen. Der fährt mit ihr sofort und auf dem schnellsten Weg über die Elbwiesen zur Uniklinik. Von der Kälte nimmt Uwe N. nichts wahr. „Ich war voller Adrenalin, dachte nur daran, dass die Frau so schnell wie möglich ins Krankenhaus muss.“ Dann stellt er fest, dass seine Sachen im Auto sind, also nicht da. Doch weitere Kollegen sind vor Ort, er wärmt sich bei ihnen im Auto auf.

Wenig später, zurück auf seiner Dienststelle, dem Polizeirevier Nord an der Stauffenbergallee, trinkt Uwe N. einen Kaffee. Umgezogen ist er längst. Dann geht es weiter, immerhin geht seine Schicht bis 20 Uhr. Erst zu Hause wird ihm noch einmal bewusst, wie aufgewühlt er ist. “Dann kam bei mir auch Stolz auf, dass ich der jungen Frau helfen konnte.“ 

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Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über das Thema Suizid, außer es erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800 1110111 und 0800 1110222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

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