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Letzte Mieterin verlässt alte Herkuleskeule

Nach 26 Jahren ist Friseurmeisterin Arlet Ospel ausgezogen. Wo sie neu durchstartet und wie es mit der alten Herkuleskeule in Dresden weitergeht.

Friseurmeisterin Arlet Ospel hat in der Nähe der alten Herkuleskeule in Dresden ein neues Domizil gefunden. Das freut auch ihre betagteren Kunden.
Friseurmeisterin Arlet Ospel hat in der Nähe der alten Herkuleskeule in Dresden ein neues Domizil gefunden. Das freut auch ihre betagteren Kunden. © Marion Doering

Dresden. Die Kündigung kam schneller als gedacht. Im August dieses Jahres hatte Friseurmeisterin Arlet Ospel zumindest Gewissheit: Ihre Zeit in der alten Herkuleskeule am Sternplatz ist nach 26 Jahren vorbei. Zwar habe sie gehofft, dass sie noch einige Monate länger bleiben kann, doch letztlich endet damit für sie auch ein langer Kampf.

Seitdem die Pläne der Stadt bekannt sind, dass der Altbau abgerissen und damit Platz für neue Sozialwohnungen gemacht werden soll, wird über dieses Thema gestritten. Viele Anwohner wollten das unbedingt verhindern, immerhin handelt es sich bei dem Gebäudeensemble auch um ein prägendes Stück Architekturgeschichte. 

1965 zog im Komplex, in dem auch eine Wohngebietsgaststätte und Geschäfte untergebracht waren, das Kabaretttheater Herkuleskeule ein - und blieb bis zu seinem Umzug 2017 in den Kulturpalast. Das Gebäude als Zeitzeugnis der Ostmoderne zu erhalten hatte sich neben den Anwohnern und Arlet Ospel zuletzt auch die FDP-Fraktion im Dresdner Stadtrat auf die Fahnen geschrieben. Eine Mehrheit fand das allerdings nicht. 

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 25. November 2020, in virtuellen Räumen statt.

Zu groß ist die Not auf dem Wohnungsmarkt, auf dem bezahlbarer Wohnraum gefragt ist. Nun steht also fest: Die alte Herkuleskeule wird demnächst aus dem Stadtbild verschwinden. Der Sternplatz bekommt ein neues Wohnquartier und damit wieder einige Geschäfte zurück. Denn auch der Supermarkt am Platz musste wegen des geplanten Abrisses ausziehen. 

Die Tage des ehemaligen Gebäudes der Herkuleskeule am Sternplatz sind gezählt. Im kommenden Jahr soll es zunächst abgerissen werden. Wann dort neue Sozialwohnungen entstehen, ist noch offen.
Die Tage des ehemaligen Gebäudes der Herkuleskeule am Sternplatz sind gezählt. Im kommenden Jahr soll es zunächst abgerissen werden. Wann dort neue Sozialwohnungen entstehen, ist noch offen. © René Meinig

Ob Arlet Ospel dann in einen der Läden im Erdgeschoss der Neubauten einzieht, könne sie jetzt noch nicht sagen. Nun wagt sie erst einmal einen Neuanfang ganz in der Nähe. In der Jahnstraße, gegenüber von Kraftwerk Mitte und Musikhochschule, hat Ospel einen passenden Laden gefunden. Keinen Kilometer entfernt vom alten Standort am Sternplatz. Um nicht zu viele ihrer zum Teil hochbetagten Kunden zu verlieren, setzt sie nun noch mehr auf Hausbesuche. Im Stadtteil wohnen die meisten Senioren in Dresden. 

Im neuen Geschäft ist zwar etwas weniger Platz, als im Hintergebäude der alten Herkuleskeule. Mit dem Standort in der Jahnstraße ist die Friseurmeisterin aber dennoch zufrieden. Obwohl die Konkurrenz, anders als am Sternplatz, in dieser Gegend recht groß ist. Allein in der Schweriner Straße gibt es drei weitere Salons. Allerdings habe sich die Auswahl an neuen und vor allem geeigneten Standorten durchaus in Grenzen gehalten, findet Arlet Ospel. Entweder waren die Räume nicht passend oder der Mietpreis zu hoch. 

Ein Neustart mit 58 Jahren? Klar, das sei nicht so einfach, sagt Arlet Ospel, vor allem jetzt in der Corona-Zeit. Aber sie sei trotzdem optimistisch. "Wir sind ja erst einige Tage hier, mal sehen, wie sich das weiter entwickelt." Wenn es gut läuft, könne sie sich schon vorstellen, neben ihren Salons hier in der Jahn- und dem in der Weißeritzstraße auch einen dritten zu eröffnen. Im Neubau am Sternplatz - das sei schon ihr Wunsch.

Zur Zukunft des Grundstücks samt altem Gebäudeensemble gibt es derzeit noch keine konkreten Termine. Nur so viel von der Stadt: "Der Abriss wird im Jahr 2021 durchgeführt und beendet." Zum zeitlichen Ablauf für den Neubau könne noch nichts gesagt werden.

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Zusätzlich zu Sozialwohnungen der städtischen Wohnen in Dresden (WiD) soll ein Teil des Areals von Bauherrengemeinschaften genutzt werden.

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