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Dresdens Kinder-Kleiderkammer ist gerettet!

Die Sammelaktion des Kalebzentrums ist mit einem großartigen Ergebnis zu Ende gegangen und gibt allen Familien in Not und ihren Helfern viel Hoffnung.

Von Nadja Laske
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Tina Raebiger freut sich riesig über den großen Zuspruch der Sammelaktion. Nun kann sie sich viel beruhigter ihrer Arbeit in der Kaleb-Kleiderkammer zuwenden.
Tina Raebiger freut sich riesig über den großen Zuspruch der Sammelaktion. Nun kann sie sich viel beruhigter ihrer Arbeit in der Kaleb-Kleiderkammer zuwenden. © PR

Dresden. Tina Raebiger und Annegret Mühl sind ganz aus dem Häuschen. Während der vergangenen Wochen haben sie voller Spannung die Zahl beobachtet, die sich auf der Crowdfunding-Plattform "99 Funken" täglich veränderte. Sie wurde zwei-, dann drei- und vierstellig.

Insgesamt 6.500 Euro zu sammeln, das hatten sich die Kollegen der Kleiderkammer des Kalebzentrums in der Dresdner Neustadt vorgenommen. Mindestens 5.000 Euro mussten sie mit ihrer Aktion erreichen, damit ihnen die Auszahlung am Ende sicher ist. Um 1.000 Euro hat die Ostsächsische Sparkasse die Summe aufgestockt. Doch ohne die magische Schwelle zu überspringen, erhalten soziale Vereine und Initiativen, die auf diesem Weg finanzielle Unterstützung für ihre Projekte suchen, am Ende der Aktion kein Geld und alles war umsonst.

Rund 30.000 Euro kostet der Betrieb der Kinder-Kleiderkammer jährlich. Bezahlen muss der Verein Tina Raebigers halbe Stelle, Miete, Strom und Wasser. Weil aufgrund von Corona die Kleiderkammer zumindest für den Kundenverkehr lange geschlossen bleiben musste, sind tagtägliche Spenden nicht wie üblich in die Vereinskasse gewandert.

Andererseits haben die Kollegen die Arbeit der Kleiderkammer trotz Lockdowns nicht ruhen lassen und andere Wege gefunden, um bedürftige Familien mit Kinderkleidung, Spielsachen, Babywagen und Kindersitzen auszustatten. Dafür fuhren die Helfer auf eigene Kosten durch die Stadt und gaben Päckchen mit den nötigen Dingen an Haustüren ab. Auch nahmen sie weiterhin Sachspenden entgegen, sichteten und sortierten sie und bereiteten sie für Eltern in Notlagen vor.

Was zurückblieb, waren deshalb zwar nicht massenhaft Betroffene ohne Zuwendung, dafür aber ein großes Loch auf dem Vereinskonto. Um es zu stopfen hatte Annegret Mühl die Idee, eine Crowdfundingaktion zu starten. Mindestens bis zum Ende des Jahres sollte damit die Kleiderkammer handlungsfähig bleiben. Am 1. November ist die Aktion nun zu Ende gegangen - mit einem fulminanten Ergebnis: "Wir haben sensationelle 8.335 Euro erreicht. Das entspricht 128 Prozent unseres Ziels. Wir sind unendlich dankbar!"

In einer Zeit vieler gesellschaftlicher Spaltungen und Zerwürfnisse sei das gemeinsame Einstehen für Familie ein kostbares Gut, sagt die Sozialarbeiterin. Das finanzielle Plus schaffe ein Polster für den Start ins neue Jahr. Schließlich richten sich Babys nicht nach Pandemien, Lockdowns und wirtschaftlichen Engpässen. Sie kommen zur Welt und brauchen Strampler, Jäckchen, Decken und Bettchen.

Nach wie vor muss das Kalebzentrum, das nicht nur seit 28 Jahren die Kinderkleiderkammer betreut, sondern auch Schwangerschafts- und Familienberatungen, Treffs für Frauen und interkulturelle Projekte anbietet, um seine Finanzierung bangen. Zum Schutz vor Corona waren Gruppentreffen monatelang ohnehin ausgesetzt worden. Inzwischen jedoch gibt es ein anderes Problem: Weil zuletzt öffentliche Mittel für den interkulturellen Frauentreff nicht mehr zur Verfügung gestellt wurden, haben vor allem Migrantinnen ihre Anlaufstelle verloren - und damit auch eine wichtige Hilfe: Beratung für die Aufgaben des Alltages in einer ihnen noch fremden Gesellschaft.

Annegret Mühl und ihre Kollegen des Vereins bauen indes auf einen Spruch, den sie sich zum Credo gemacht haben: "Wir sind nur so stark wie wir vereint sind."