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Corona stoppt den Dresdner Schwimmunterricht

In der zweiten Klasse lernen Kinder normalerweise Schwimmen - durch Corona fällt das aber aus, schon zum zweiten Mal. Wie soll das aufgeholt werden?

Wie in allen anderen Schwimmbädern ist auch in der Schwimmhalle am Freiberger Platz derzeit kein Training möglich. Alle Anlagen sind geschlossen.
Wie in allen anderen Schwimmbädern ist auch in der Schwimmhalle am Freiberger Platz derzeit kein Training möglich. Alle Anlagen sind geschlossen. © Marion Doering (Archiv)

Dresden. Langsam werden die Tage wieder wärmer in Dresden, die Sonne kämpft sich durch die Wolken, der Frühling rückt immer näher. Viele Dresdner denken sicher bereits an Urlaub am Meer, andere an den Ausflug mit der Familie ins heimische Freibad. Doch zahlreiche Dresdner Kinder können noch nicht richtig schwimmen.

Der Grund: Nachdem aufgrund der Corona-Beschränkungen bereits für die jetzigen Drittklässler der Schwimmunterricht im vergangenen Schuljahr zum Großteil ausgefallen ist, fällt er auch für die jetzigen Zweitklässler seit Anfang November flach. Seitdem sind die Dresdner Schwimmhallen geschlossen, eine schnelle Öffnung ist nicht in Sicht.

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Laut Landesamt für Schule und Bildung waren Ende des Schuljahres 2019/20 gut ein Drittel der damaligen Zweitklässler noch immer Nichtschwimmer. Pro Jahr absolvieren rund 5.500 Schüler einen entsprechenden Kurs. CDU-Stadtrat Matthias Dietze, selbst Lehrer und Vater, hat nun einen Antrag eingereicht, der sich mit dem ausgefallenen Schwimmunterricht befasst.

Ziel ist es, dass Lernkurse in mehreren Schwimmhallen in Dresden in den diesjährigen Sommerferien angeboten werden. "Außerdem soll geprüft werden, ob und wie man das organisieren könnte, dass die Schüler zu den Schwimmlernkursen auch durch Erzieherinnen und Erzieher der Ferienhorte begleitet werden können", so Dietze.

Nachholkurse in den Sommer- und Herbstferien gefordert

Zudem solle geschaut werden, ob die Kurse ebenfalls in den weiteren Ferien und auch im kommenden Schuljahr angeboten werden können. Für die Motivation der Kinder wäre es auch schön, so Dietze, wenn im Rahmen der Kurse auch die Abnahme des Schwimmabzeichens "Seepferdchen" ermöglicht werden könnte.

Doch nicht nur die Grundschüler sollen ihren Schwimmkurs bekommen, auch die Kindergartenkinder sollen möglichst schnell an das Wasser herangeführt werden. Dietze will prüfen lassen, ob eine Einführung von Schwimmlernkursen mit Grundlagentests in den Kitas, beginnend in den Stadtteilen Gorbitz und Prohlis, ermöglicht werden kann.

Wie wichtig Schwimmen lernen ist, sieht man an den sich jährlich wiederholenden Badeunfällen. "Das grundlegende 'Schwimmen-Können' ist einer der Eckpfeiler der Prävention von Bade- und Wassersportunfällen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen", sagt Martin Zavesky, Kreisleiter bei der DRK-Wasserwacht Dresden.

Die Wasserwacht spreche sich daher für ein frühes Schwimmenlernen aus. "Dies kann bereits im letzten Kita-Jahr beginnen. Ab einem Alter von fünf bis sechs Jahren sind Kinder in der Lage, die Schwimmbewegungen nachhaltig zu erlernen", so Zavesky.

Er begrüßt es, dass das Schwimmen in der Regel Bestandteil des Unterrichts der Grundschule ist. "Generell möchten wir die Eltern dennoch dazu motivieren, sich trotzdem darum zu bemühen, dass ihre Kinder Schwimmen lernen. Dies gestaltet sich mit Anhalten der Pandemie immer schwieriger, da aufgrund der notwendigen Hallenschließungen keine Alternativen möglich sind", sagt er.

Schwimmhallen sollen im Sommer geöffnet bleiben

Inzwischen drohe, dass bereits der zweite Jahrgang an Kindern nicht oder nur unzureichend Schwimmen lernen kann und damit akut von Badeunfällen gefährdet ist. "Da aktuell auch keine Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer ausgebildet werden können, verschärft sich diese Situation noch weiter. Selbst bei zeitnaher Wiedereröffnung werden alle Institutionen und Verbände, bei denen ein Schwimmenlernen möglich ist, aufgrund der begrenzten Ressourcen an Ausbildern und Hallenkapazitäten vor die enorme Herausforderungen gestellt, den Bedarf an Schwimmkursen überhaupt decken zu können", so Zavesky.

Das Problem mit den begrenzten Ressourcen ist auch der Dresdner Bäder GmbH nicht unbekannt, die die Wasserflächen zur Verfügung stellt. Und zwar nicht nur für die Kurse von Schulen und Kitas, sondern auch für den Vereinssport und - vor allem in den Ferien - für Trainingslager. Die Wasserzeiten in den sechs Dresdner Schwimmhallen seien sehr begehrt, sagt Bäder-Sprecher Lars Kühl. "Wir müssen viele Interessengruppen berücksichtigen." Zwei Mitarbeiterinnen seien damit beschäftigt, die Hallenzeiten zu planen. "Das ist nicht so einfach."

Grundsätzlich gebe es aber die Möglichkeit, die Hallen auch über die Sommermonate geöffnet zu halten - vorausgesetzt, die Corona-Verordnungen lassen das dann überhaupt zu. Normalerweise sind die Hallen in der warmen Jahreszeit und bei geöffneten Freibädern zeitweise geschlossen, weil Reparaturen und Wartungsarbeiten erledigt werden. Das ist nun schon während der coronabedingten Schließung passiert.

Bad-Personal muss eingeplant werden

Ein weiteres Problem sei allerdings das Personal, so Kühl, das in den Sommermonaten eigentlich in den Dresdner Freibädern beschäftigt ist. Neben den festangestellten Mitarbeitern arbeiten im Sommer rund 40 Saisonkräfte für die Bäder GmbH, die ihren Einsatz in den kommenden Monaten planen müssten. Derzeit ist jedoch nicht absehbar, wann und wie Schwimmhallen und Bäder wieder ihren Betrieb aufnehmen können.

Mit Blick auf das kommende Schuljahr fordert die AfD-Fraktion im Dresdner Stadtrat in einem Antrag an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), dass nun zunächst ermittelt wird, wie groß der Bedarf an Schwimmhallenzeiten für Dresdner Schüler im Schuljahr 20212/22 eigentlich ist, wenn auch jene Kinder berücksichtigt werden, die ihre Kurse noch nachholen müssen. Diese Kapazitäten sollen dann zur Verfügung gestellt werden.

Ende des vergangenen Schuljahres hatte die Stadt kostenlose Schwimmlernkurse für die damaligen Zweitklässler zur Verfügung gestellt, unterrichtet wurde im Schwimmkomplex an der Freiberger Straße sowie in der Schwimmhalle Prohlis. Diese Nachholkurse waren nun auch in den zwei Winterferienwochen geplant, konnten aber aufgrund der geschlossenen Hallen nicht angeboten werden.

Allerdings war die Nachfrage, anders als bei den Kursen in den letzten Sommerferien, für die Herbst- und Winterferien eher verhalten, im Herbst nutzten nur 29 Familien für ihr Kind dieses Angebot. Rund 45.000 Euro hat die Stadt für die Nachholkurse bereitgestellt, die auch in den Osterferien noch vorgesehen sind. Ob die Schwimmhallen bis dahin wieder geöffnet sind, ist allerdings fraglich.

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