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Dresden: Neues Behördenzentrum geplant

Weil das alte Gebäude saniert werden soll, müssen die Parlamentarier in einen Neubau auf dem Packhof-Areal umziehen. Für Streit sorgt dessen Höhe.

Das Architektenbüro Hartmann+Helm aus Weimar hat einen ersten Entwurf für den Komplex auf dem Packhof-Areal in Dresden erstellt. Umstritten ist die Höhe des Eckgebäudes an der Devrientstraße.
Das Architektenbüro Hartmann+Helm aus Weimar hat einen ersten Entwurf für den Komplex auf dem Packhof-Areal in Dresden erstellt. Umstritten ist die Höhe des Eckgebäudes an der Devrientstraße. © Visualisierung: archlab

Dresden. Der Freistaat will auf dem Areal an der Kleinen Packhofstraße ein neues Behördenzentrum errichten. Dafür soll direkt neben dem bereits fertigen SPD-Neubau ein neuer Gebäudekomplex entstehen.

Warum muss der Landtag umziehen?

Der Neubau wird benötigt, weil das alte Gebäudeensemble des Landtags umgebaut und erweitert werden soll. Dafür muss es allerdings weitestgehend freigeräumt werden. In dem jetzt geplanten Neubau auf dem Packhofgelände könnten die Parlamentarier und Mitarbeiter des Landtags während der Sanierung und Modernisierung des Hauptsitzes am Bernhard-von-Lindenau-Platz untergebracht werden.

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Wie soll der Neubau aussehen?

Das steht im Detail noch nicht fest. Zunächst muss für das Areal ein Bebauungsplan aufgestellt werden, anschließend gehen die Planungen zur konkreten Gestaltung des Komplexes weiter. Der Bebauungsplan regelt zunächst unter anderem, wie groß die Gebäude maximal werden sollen. Insgesamt soll in dem Behördenzentrum eine Nutzfläche von rund 15.000 Quadratmeter unterteilt in unterschiedliche Bürogrößen entstehen.

Der Plan sieht vor, dass an der Ecke Kleine Packhof-/Devrientstraße ein siebengeschossiger Kopfbau mit einer Höhe von 29 Metern entstehen soll. "Dieser nimmt Bezug auf die Hochbauten der Umgebung wie dem Haus der Presse, dem Erlweinspeicher und dem Turmgebäude des Landtags", erklärt Alwin-Rainer Zipfl, Sprecher im Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB).

Entsprechend der Abstimmungen zum Bebauungsplan mit der Stadt solle ein Gebäudeensemble von hoher baulicher und funktionaler Präsenz entstehen, so Zipfl weiter. So werden beim Behördenzentrum der bereits im Rahmenplan vorgesehene Wechsel von Gebäude, Hof, Freiraum und eine wechselnde Höhenstaffelung zwischen vier und sieben Geschossen umgesetzt. Es ist nicht üblich, so zu bauen. Das sind aber die Vorgaben des Rahmenplans, die in der Planung umgesetzt werden müssen.

Wesentliches Element des Konzeptes ist die Sicht- und Fußgängerachse von der Yenidze zur Dresdner Altstadt, die wiederhergestellt werden soll. Nach einem EU-weiten Vergabeverfahren war die Weimarer Hartmann + Helm Planungsgesellschaft mit einer Variantenuntersuchung beauftragt worden.

Wann soll der Komplex fertig sein und wie viel kostet er?

Schon im kommenden Jahr werden auf dem Areal die Bauarbeiten starten, so der Plan des Freistaates. Investiert wird ein hoher zweistelliger Millionenbetrag. "Das ist jedoch abhängig von den weiteren Planungen, insbesondere bei der erforderlichen Sicherheitstechnik", so Zipfl. 2025 soll der Neubau fertig sein. Dann könnten die Landtagsabgeordneten und ihre Mitarbeiter dort einziehen. Damit machen sie Platz für die Sanierungsarbeiten im alten Landtagsgebäude.

Wenn die Modernisierung des Altbaus abgeschlossen ist, wird das neue Behördenzentrum zur Unterbringung anderer Dienststellen des Freistaats genutzt.

Zwischen Maritim-Hotel und SZ-Hochhaus soll das neue Behördenzentrum des Freistaates entstehen. Schon im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten dafür starten.
Zwischen Maritim-Hotel und SZ-Hochhaus soll das neue Behördenzentrum des Freistaates entstehen. Schon im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten dafür starten. © Marion Doering

Was ist aus dem geplanten Kunstviertel geworden?

Ursprünglich sah ein 2011 beschlossener Rahmenplan eine Kunsthalle und ein Theater auf der Brachfläche neben dem SZ-Hochhaus vor. Mit seiner Vision konnte der Münsteraner Stadtplaner Hanno Höyng im Sommer 2011 auch den städtischen Bauausschuss begeistern. Auf dem rund 29.000 Quadratmeter großen Areal sollte ein Kunstviertel entstehen. Begrenzt wird das Packhofgelände von der Könneritz-, der Devrient- und der Kleinen Packhofstraße.

Vorgesehen waren eine Halle mit Kunst der Gegenwart, Galerien, ein Hotel, ein Theater, Wellnesseinrichtungen sowie Wohnhäuser mit Lofts und eine Tiefgarage. Entstehen sollte so ein Kunstquartier, das sich ausgezeichnet in ein geplantes Musikerviertel mit dem Kulturkraftwerk, der Musikhochschule, der Semperoper und dem Schauspielhaus einfügen würde.

Der Bauausschuss stimmte zu, dass ein Bebauungsplan aufgestellt wird, der den Rahmen setzen soll. Doch es blieb lediglich beim beschlossenen Rahmenplan. Höyng hatte ursprünglich angekündigt, dass das Kunstviertel spätestens 2016 fertiggestellt sein soll. Aber daraus wurde nichts. Nun haben sich die Pläne geändert, anstatt eines Kunstviertel entsteht ein Verwaltungsquartier.

Wie geht es jetzt weiter?

Am Mittwoch befasst sich der Bauausschuss nun erneut mit dem Areal, dieses Mal soll er die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplann für das neue Verwaltungsquartier beschließen. Zudem sollen die Unterlagen dazu öffentlich ausgelegt werden.

Doch es regt sich Widerstand unter den Dresdnern, auch in der Politik und bei den Denkmalschützern. Knackpunkt ist die Höhe des Komplexes. So kritisiert die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND), dass in Sichtachse von und zur Altstadt ein neuer "Hochpunkt für den Sächsischen Landtag mit 29 Metern, mit auf dem Dach installierter Haustechnik sogar 30,50 Metern errichtet werden" soll. Auch wenn dieser Hochpunkt gerade so über der Grenze liege, die das Hochhauskonzept in jedem Falle vorschreibt, schaue die GHND ungläubig auf diese Vorgänge.

Die Stadt hat eine Leitlinie dazu erarbeiten lassen, an welchen Stellen in Dresden der Bau von Hochhäusern möglich sein soll. Bislang wurde das Konzept aber noch nicht vom Stadtrat beschlossen - auch, weil Corona das Projekt verzögert habe, hieß es aus der Stadtverwaltung. In der Leitlinie ist der geplante Standort auf dem Packhofgelände nicht für den Hochhausbau vorgesehen.

Die GHND fordert, dass der Bauausschuss die Vorlage zum Bauprojekt ablehnt und stattdessen auf eine vielseitigere Nutzung des Areals setzt. "Das neue Quartier sollte kleinteilig gegliedert auch Wohnraum, Lokale, Geschäfte und Kleinkunst aufnehmen, damit der ursprüngliche Gedanke eines Kunstviertels in bester Innenstadtlage nicht verloren geht."

Auch Linke-Stadtrat Tilo Wirtz kritisiert das Gebäude an diesem Standort als zu hoch. Wirtz hatte sich auch gegen einen Hochpunkt am Ferdinandplatz stark gemacht - dort entsteht ein neuer Komplex für die städtische Verwaltung. Die Höhe des Turms wurde zunächst von 60 Meter auf 43 Meter reduziert. 2019 einigten sich das Landesamt für Denkmalpflege und die Stadtverwaltung darauf, dass das neue Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz nicht höher 34 Meter gebaut werden darf.

Für das Behördenzentrum des Freistaats fordert Wirtz eine Begrenzung auf 23 Meter Höhe. Zwar gehe das aus den bisherigen Planungsunterlagen nicht exakt hervor, aber Wirtz ist skeptisch. "Ich habe nichts grundsätzlich dagegen, dass eine gewisse Höhe erreicht wird, die Blickbeziehung aus dem Zwinger heraus darf aber nicht gestört werden", so seine Forderung.

Was sagen die sächsischen Denkmalpfleger?

Tatsächlich legte auch das Landesamt für Denkmalpflege beim Neubaukomplex auf dem Packhofgelände zunächst sein Veto ein. In einer Stellungnahme zum Vorentwurf des Bebauungsplans erklärten die Denkmalschützer des Freistaates im Juni 2020, dass daraus nicht abzuleiten sei, welche Auswirkungen der Neubau in der geplanten Dimension auf die Dresdner Altstadtsilhouette hat.

Zudem wird befürchtet, dass ein Neubau höher als 23 Meter das Gebiet westlich der Altstadt nicht nur neu prägt, sondern künftig auch weitere hohe Gebäude nach sich ziehen könnte. "Eine solche Entwicklung wird aus denkmalfachlicher Sicht in Anbetracht der sensiblen städtebaulichen Situation jedoch als äußerst problematisch angesehen", heißt es in der Stellungnahme.

Zustimmung fanden die Grundrisse der Baukörper und die Idee, mit einer offenen Fläche eine Sicht- und Wege-Achse zur Yenidze zu schaffen.

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