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Neues Möbelhaus an der Dresdner Flügelwegbrücke

An der Hamburger Straße will die XXXL-Gruppe ein Mömax-Möbelhaus eröffnen. Der Handelsverband sieht das allerdings kritisch.

Auf dem Grundstück neben der Flügelwegbrücke entsteht an der Hamburger Straße ein neues Möbelhaus. Im Hintergrund befindet sich das Tanklager an der Bremer Straße.
Auf dem Grundstück neben der Flügelwegbrücke entsteht an der Hamburger Straße ein neues Möbelhaus. Im Hintergrund befindet sich das Tanklager an der Bremer Straße. © Sven Ellger

Dresden. Die Landeshauptstadt bekommt ein weiteres Möbelhaus. An der Ecke von Hamburger Straße und Flügelwegbrücke will das Unternehmen XXXL einen neuen Mömax-Möbelmarkt eröffnen. Wann der Startschuss für die Bauarbeiten fällt, ist allerdings unklar, denn die XXXL-Group will sich zum jetzigen Zeitpunkt zur neuen Ansiedlung nicht äußern, so Sprecher Volker Michels. Fest steht: Seit Ende Juni dieses Jahres hat der Investor Baurecht für sein Projekt.

Die Stadtverwaltung teilt auf SZ-Anfrage mit, dass am 28. Juli dieses Jahres die Baugenehmigung für das Vorhaben erteilt wurde. Errichtet werden soll ein Möbelhaus mit Gastronomie im Erdgeschoss. Knapp 100 Sitzplätze sind dort geplant. Im Außenbereich entsteht ein Parkplatz mit 135 Pkw-Stellplätzen. "Ein Baubeginn ist für Mitte September angezeigt", so die Stadtverwaltung.

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Schwermetalle belasten Boden auf dem Baugrundstück

Damit könnten die Arbeiten eigentlich beginnen. Zunächst muss das rund zwei Hektar große Areal zwischen der Tankstelle und der Brückenzufahrt allerdings beräumt werden. Und das ist in diesem Fall eine recht aufwendige Angelegenheit, denn der Boden ist verseucht. Das Areal liegt seit gut 20 Jahren brach, wurde vorher aber zunächst als Vertriebslager für Produkte der Petrolchemie genutzt, später wechselte das Lagergut. Mehr als 50 Jahre lang wurden bis 1992 auf den Flächen Farben und Lösungsmittel für den Großhandel aufbewahrt. In den 1990er-Jahren verschwanden die alte Gebäude.

Untersuchungen des Bodens hatten zuletzt ergeben, dass bei der früheren Nutzung als Lagerstätte giftige Stoffe wie Schwermetalle und Mineralöle in die Erde gelangt waren, die das Erdreich und das Grundwasser bis heute belasten. Rund 40 Prozent der Fläche sind noch immer mit alten Betonplatten versiegelt. Das kontaminierte Material wird nun abgebaggert, behandelt und auf einer entsprechenden Deponie entsorgt. Dabei muss nicht die gesamte Fläche ausgetauscht werden, sondern nur punktuell.

Freistaat gibt eine Million Euro dazu

Wie viele Tonnen Erdreich letztlich wirklich auf dem Lkw landen, können die Planer nur schätzen, erklärt Holm Felber, Sprecher der Landesdirektion Sachsen, die sich an der Vorbereitung des Grundstücks für den Bau des Möbelhauses beteiligt. Derzeit geht man von rund 11.000 Tonnen aus. Nach dem Ausbaggern wird das Material zunächst untersucht, dann werde entschieden, ob es wiederverwendet werden kann oder entsorgt werden muss.

Die Kosten dafür muss der Investor nicht komplett allein tragen, er wird dabei finanziell vom Freistaat unterstützt. Insgesamt 1,1 Millionen Euro stellt die Landesdirektion zur Verfügung. Die Fördermittel, die rund 80 Prozent der Kosten abdecken, kommen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

"Mit den Fördergeldern in Höhe von reichlich einer Million Euro verschwindet nicht nur eine weitere unansehnliche städtische Brache in Dresden", so Regina Kraushaar, Präsidentin der Landesdirektion. "Sondern es wird endlich möglich, die schweren Umweltsünden der Vergangenheit in einem gewerblich intensiv genutzten Stadtareal mitten in der Landeshauptstadt zu tilgen."

Neuer Lebensraum für Zauneidechse und Wechselkröte

Damit sind nun mehrere Probleme gelöst, die den Möbelhaus-Plänen hätten im Weg stehen können. Dazu gehören auch die Themen Hochwasser und Naturschutz. So befindet sich ein Teil des Grundstücks im Überschwemmungsgebiet der Elbe. In den weiteren Planungen muss deshalb ein Hochwasserschutzkonzept erarbeitet werden, so die Vorgaben der Stadt.

Im Gebiet wurden außerdem die streng geschützten Tierarten Wechselkröte und Zauneidechse entdeckt. Doch auch hier wurde eine Lösung gefunden: Im nordöstlichen Teil des Areals gibt es ein mit Wasser gefülltes Betonbecken, das von den Wechselköten als Laichgewässer genutzt wird. Der Bereich wurde bereits 2019 umgestaltet, etwa mit Sand- und Kiesflächen, sodass die beiden Tierarten dort einen neuen Lebensraum finden.

Untersucht wurde auch, ob die großen benachbarten Tanks an der Bremer Straße, in denen Mineralölerzeugnisse gelagert werden, dem Einzelhandel an dieser Stelle im Weg stehen könnten. 2014 und 2019 dazu erstellte Gutachten gaben aber grünes Licht für das Möbelhaus, weil ausreichend Abstand zum Tanklager vorhanden ist.

2018 hatte der Bauausschuss beschlossen, dass Investoren bei einer größeren Ansiedlung ein Mobilitätskonzept entwickeln sollen. So muss die XXXL-Group unter anderem überdachte und abschließbare Fahrradstellplätze und eine Station mit Leihfahrrädern errichten sowie den Mitarbeitern ein Jobticket anbieten.

Handelsverband hält Grundstück für ungeeignet

Mit den Mömax-Märkten befindet sich die XXXL-Group seit einigen Jahren auf Expansionskurs. Deutschlandweit gibt es inzwischen 42 Filialen, 2015 waren es 28. Mit 15 Standorten ist Mömax am häufigsten in Bayern vertreten, in Sachsen gibt es bislang noch keines dieser Möbelhäuser. Dabei wird der Dresdner Markt mit einer Fläche von rund 7.000 Quadratmetern vergleichsweise klein sein. Die Ikea-Filiale im Elbepark verfügt etwa über rund als 15.000 Quadratmeter.

Der Handelsverband Sachsen sieht der Eröffnung des Möbelmarktes an dieser Stelle skeptisch entgegen. "Diese Fläche ist aus unserer Sicht überhaupt nicht für den Einzelhandel geeignet", so David Tobias, der für die Region Dresden zuständig ist. Die Verkehrsbelastung an der Kreuzung der Flügelwegbrücke sei bereits jetzt zu hoch und im täglichen Berufsverkehr deutlich zu spüren. Das wird seiner Meinung nach auch Folgen für das Möbelhaus haben. "Die Zufahrten und Ausfahrten wird den üblichen Besucherzahlen nicht gerecht werden können und die Verkehrssituation an der Bremer Straße und Hamburger Straße zusätzlich belasten", so Tobias.

Er hätte eine andere Nutzung des Standortes für sinnvoller gehalten. Das gesamte Umfeld sei mit Blick auf eine gesunde Standortentwicklung und der guten Anbindung an Autobahn, Hafen und Bahn die letzte Fläche nahe des Stadtzentrums, die Potential für handwerkliches Gewerbe oder eine" kluge umweltorientierte Innenstadt-Logistik" hätte, so der Dresdner Handelsverbandschef.

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