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Dresdner Kliniken: Große Sorgen trotz Entspannung

Zwar entspannt sich die Lage in den Dresdner Kliniken langsam, doch laut aussprechen will das so recht niemand. Die Sorge vor Omikron ist groß.

Von Julia Vollmer & Sandro Rahrisch
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Die Dresdner Krankenhäuser lassen den vierten Corona-Gipfel hinter sich. So richtig mag niemand der Entspannungsphase trauen.
Die Dresdner Krankenhäuser lassen den vierten Corona-Gipfel hinter sich. So richtig mag niemand der Entspannungsphase trauen. © Ronald Bonß

Dresden. Aus der Welle wird eine Delle: Aktuell infizieren sich deutlich weniger Dresdner mit dem Coronavirus als noch im November und Dezember. Das sorgt zumindest langsam auch in den Krankenhäusern für eine gewisse Entspannung. Dennoch ist die Sorge groß, dass Omikron schneller als gedacht die Kliniken wieder fluten könnte. Wie sieht es aktuell in den Dresdner Krankenhäusern aus, wie viele Corona-Patienten sind ungeimpft, und wie sehen die Omikron-Notfallpläne aus? Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Erkranken immer noch so viele Menschen schwer?

Nein, die rückläufige Zahl der Neuinfektionen bedeutet gleichsam, dass auch weniger Dresdner so schwer an Corona erkranken, dass sie in ein Krankenhaus müssen. Das Gesundheitsamt registrierte noch in der Weihnachtswoche 131 stationäre Neuaufnahmen von infizierten Dresdnern, in der vergangenen Woche waren es nach aktuellem Stand 78 Patienten, die eingewiesen wurden.

Das Gesundheitsamt betont, dass es sich um Menschen handelt, die das Virus nicht nur in sich tragen, sondern wegen schwerer Covid-19-Symptome im Krankenhaus versorgt werden müssen.

Auf den Dresdner Intensivstationen, auf denen aktuell (Stand: 13.01.) etwa zwei Drittel aller Corona-Patienten künstlich beatmet werden müssen, entspannt sich die Lage nur langsam. Das liegt daran, dass die Erkrankten dort sehr lange liegen.

Die vierte Welle hatte die Intensivstationen Mitte November mit voller Wucht erreicht. Ende November mussten bereits mehr als 100 Corona-Intensivpatienten parallel versorgt werden. Die Zahl der freien, betreibbaren Intensivbetten sank auf etwa 20. Am Donnerstag behandelten die Kliniken in der Stadt noch 68 Covid-19-Intensivpatienten. 40 Betten standen am Nachmittag frei.

Wie schätzen die Krankenhäuser die Lage ein?

Das Dresdner Uniklinikum versorgte am Donnerstag 85 Patienten aufgrund einer Covid-19-Erkrankung, darunter 39 Menschen, bei denen das Virus nicht mehr nachweisbar ist, die jedoch immer noch an den Folgen der Infektion leiden. "Obwohl die Patientenzahlen langsam nach unten gehen und wir die Überlastungsstufe von 420 belegten ITS-Betten in Sachsen jetzt deutlich unterschritten haben, sehen wir noch keinen Trend zur nachhaltigen Besserung der Lage", betont die Pressestelle des Uniklinikums. Noch immer würden Patienten eingewiesen, die sich um den Jahreswechsel herum infiziert haben. "Sorgen macht uns der schwindende Wille der Menschen, die Regeln zum Infektionsschutz mitzutragen. Das macht die Verbreitung des Virus leichter."

Zwiespältig sieht man die Situation auch am Städtischen Klinikum mit den Krankenhäusern Neustadt und Friedrichstadt. Dort lagen am Donnerstagmorgen 18 Corona-Patienten auf der Intensivstation, weitere 23 auf der Normalstation. In der Summe sind das 14 weniger als noch am Mittwoch. "Unsere Patientenzahlen im Normalbereich gehen weiter zurück. Wir befinden uns jenseits des vierten Gipfels", sagt Sprecherin Viviane Piffczyk. Mit der kommenden Woche könnte jedoch bereits die Omikron-Variante dominieren, die deutlich ansteckender ist. "Erfahrungen aus anderen Regionen zeigen, dass dann etwa 80 Prozent weniger Patienten im Vergleich zur Delta-Variante aufgrund von Corona hospitalisiert werden. Das Problem liegt jedoch in der deutlich größeren Anzahl gleichzeitig Infizierter."

Wie viele Patienten sind nicht geimpft?

Unter den vom Uniklinikum versorgten aktiven Fällen sind 61 Prozent nachweislich nicht geimpft, bei weiteren 15 Prozent sei der Impfstatus nicht dokumentiert. Damit liegt der Anteil der Geimpften unter den 46 aktiven Fällen bei 24 Prozent. Schaut man sich nur die Intensivstationen an, so seien dort über 85 Prozent der Patienten ungeimpft, heißt es.

Noch deutlicher sind die Zahlen im Diakonissenkrankenhaus. "Von den neun Patienten, die wir zurzeit aufgrund einer Covid-Erkrankung behandeln müssen, sind acht ungeimpft", sagt Sprecher Victor Franke. Fehlende Booster-Impfungen und schwerwiegende Vorerkrankungen könnten zu einem unzureichenden Impfschutz führen. Nur äußerst selten würden frisch Geboosterte im Krankenhaus behandelt.

Mussten schon Omikron-Fälle behandelt werden?

Dem Robert-Koch-Institut zufolge gingen 4,3 Prozent aller Infektionen in der letzten Woche des alten Jahres auf die neue Variante zurück. Neuere Zahlen hat das RKI zwar noch nicht veröffentlich. Allerdings gibt es bereits Erkenntnisse, dass sich die Omikron-Mutante in den vergangenen zwei Wochen im Freistaat deutlich ausbreiten konnte. Die Daten zu Omikron würden durch die Landesuntersuchungsanstalt und am Dresdner Uniklinikum erhoben, sagt Hand Bödeker, der Ärztliche Direktor des Krankenhauses St. Joseph-Stift. "Laut mündlicher Information liegt der Anteil der Omikron-Variante in Sachsen derzeit bei 30 Prozent."

In Dresden sind bereits 212 Omikron-Fälle bekannt. Am Uniklinikum musste bislang nur ein Patienten mit der Omikron-Variante auf der Normalstation behandelt werden, der jedoch schon wieder entlassen werden konnte, so das Klinikum.

Wie bereiten sich die Kliniken auf die Omikron-Welle vor?

Das Uniklinikum beruft sich bei der Frage auf die in Sachsen geltenden Corona-Regeln und die Belastungsgrenzen für die Kliniken. Diese betreffen Normalstationen und Intensivstationen. "Sollte es durch Omikron zu einer stärkeren Belastung der Normalstationen kommen, sind wir entsprechend dieser Grenzen vorbereitet. Wir fahren auf Sicht und sind gewarnt", heißt es. Wie in den vergangenen Wochen reagiere man von Tag zu Tag auf die aktuellen Zahlen sowie Prognosen. Dies umfasse die Personalplanung, aber auch die Planung der zur Verfügung stehenden Betten.

Am Städtischen Klinikum schauen die Verantwortlichen Tag für Tag, was aufgrund der sinkenden Patientenzahlen wieder möglich ist, auch mit Blick auf vorhandenes Personal. Das heißt auch, dass die Phase zwischen der vierten und der Omikron-Welle so gut es geht genutzt wird, verschobene Eingriffe wieder aufzuholen. Man sei aber angesichts von Omikron immer noch in einer gewissen Habacht-Stellung, so die Sprecherin.

Auch am St. Joseph-Stift beobachten die Verantwortlichen die Lage sehr genau. "Die Prognose ist im Hinblick auf Omikron noch unklar. Trotz sinkender Covid-Patientenzahlen betrachten wir deshalb die Situation sehr genau", sagt Sprecherin Christine Herzog. Derzeit passe man die Kapazitäten aber erst einmal an die fallenden Patientenzahlen an, damit man wieder für mehr Patienten mit anderen Erkrankungen da sein könne. "Auf einen neuerlichen Anstieg der Patientenzahlen sind wir vorbereitet. Die schnelle Anpassung von Kapazitäten war während der Pandemie so oft notwendig, dass diese mittlerweile routiniert vonstattengeht", so Herzog. Die entsprechenden Stufenpläne liegen bereit. "Ebenso routiniert können wir mit Personalausfällen umgehen. Da die große Mehrheit unserer Mitarbeiter bereits eine dritte Impfung erhalten hat, rechnen wir mit keinen übermäßigen Ausfällen durch die Quarantäne-Regelungen."