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Große Zustimmung für Ferdinandplatz-Pläne

Für Dresdens neues Verwaltungszentrum liegen zwei Entwürfe vor. Die Stadt nennt nun ein überraschendes Zwischenergebnis der Bürger-Umfrage.

So stellen sich Architekten das neue Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz in Dresden (Blick von St. Petersburger Straße) vor. Es ist einer von zwei Entwürfen, über die in reichlich einem Monat final abgestimmt wird.
So stellen sich Architekten das neue Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz in Dresden (Blick von St. Petersburger Straße) vor. Es ist einer von zwei Entwürfen, über die in reichlich einem Monat final abgestimmt wird. © Stadtverwaltung Dresden

Dresden. Bis 2025 soll es stehen, das neue Verwaltungszentrum auf dem Dresdner Ferdinandplatz. Dort sollen Bürger möglichst viele Anliegen an Ort und Stelle erledigen können. Am Donnerstag wird der Stadtrat die weiteren Weichen für das Projekt stellen. Gleichzeitig fragt die Stadtverwaltung, was die Dresdner von den zwei Entwürfen halten, die im Rennen sind. Zwar läuft die Umfrage noch bis zum 21. Dezember. Allerdings hat das Rathaus nun ein Zwischenergebnis bekanntgegeben.

Demnach haben sich bislang etwa 4.400 Menschen an der Umfrage beteiligt. Rund 63 Prozent können mit den Vorschlägen leben und bewerteten mindestens einen von beiden in der Kategorie "äußere Erscheinung" mit gut oder sehr gut.

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Die Größe des Gebäudes finden 65 Prozent gut oder sehr gut. Rund 60 Prozent der Befragten befürworten die Fassadengestaltung ihres favorisierten Entwurfs. Etwa 80 Prozent der Personen, die bisher teilnahmen, wohnen in Dresden.

Womit wollen die Architekten überzeugen?

Entwurf Nummer 1 bietet zweifelsfrei die größten farblichen Kontraste. Die beiden oberen Geschosse sind in eine bronzefarbene Verkleidung gehüllt. Erzeugt rostiger Cortenstahl, der beispielsweise am Kraftwerk Mitte verbaut wurde, diese rotbraune Optik?

Um welches Material es sich genau handelt, ist unklar. Tatsächlich liefern die Architekten bewusst keine Beschreibung mit, da sich die Dresdner einzig und allein mit dem Aussehen auseinandersetzen sollen.

Entwurf Nummer 1: Blick aus Richtung Schulgasse
Entwurf Nummer 1: Blick aus Richtung Schulgasse © Stadtverwaltung Dresden
Entwurf Nummer 1: Blick auf den Haupteingang in Richtung Schulgasse
Entwurf Nummer 1: Blick auf den Haupteingang in Richtung Schulgasse © Stadtverwaltung Dresden
Entwurf Nummer 1: Blick von St. Petersburger Straße
Entwurf Nummer 1: Blick von St. Petersburger Straße © Stadtverwaltung Dresden
Entwurf Nummer 1: Blick von der Haltestelle Prager Straße auf das Verwaltungszentrum
Entwurf Nummer 1: Blick von der Haltestelle Prager Straße auf das Verwaltungszentrum © Stadtverwaltung Dresden
Entwurf Nummer 1: Blick über den Ferdinandplatz auf den Haupteingang
Entwurf Nummer 1: Blick über den Ferdinandplatz auf den Haupteingang © Stadtverwaltung Dresden

Die Mitte des Verwaltungszentrums hebt sich mit einer deutlich helleren Fassade ab, wobei der rotbraune Farbton der darüberliegenden Etagen in den Fensterpfosten wiederzufinden ist.

Zur St. Petersburger Straße hin ist der Mittelteil durchbrochen. Anders gesagt, hat die Fassade dort ein Loch, das wie ein Fenster zum Kern des neuen Rathauses wirkt – den Innenhof.

Erd- und erstes Geschoss präsentieren sich zur Innenseite des Ferdinandplatzes hin vollverglast. Wer vom Dr.-Külz-Ring und der St. Petersburger Straße auf das Haus schaut, blickt dagegen auf eine etwas stärker strukturierte untere Zone, die wohl bewusst auch an Sandsteinsäulen erinnern soll. Schwer zu sagen, ob sich die Architekten an dieser Stelle tatsächlich eine Sandstein-Optik vorstellen.

Was hat sich die Konkurrenz ausgedacht?

Entwurf Nummer 2 hat versucht, etwas aus der einstigen Turm-Idee zu machen. An der Ecke zum Georgplatz hin lassen die Architekten das achte Geschoss herausstehen. Ein Mini-Hochpunkt, wenn man so will, nachdem der Stadtrat den Hochhaus-Gedanken an dieser Stelle fallengelassen hatte.

Farblich gesehen darf der Entwurf als schlicht bezeichnet werden. Wobei aus den Visualisierungen nicht so richtig ersichtlich wird, um welche Farbe und welches Material es sich handelt.

Die Ansicht vom Georgplatz zeigt eine leicht türkis schimmernde Fassade, aus anderen Blickrichtungen wirkt die Gebäudehaut dagegen fast weiß. Deutet das auf eine Metall- oder Glasverkleidung hin?

Entwurf Nummer 2: Blick aus Richtung Schulgasse auf das Verwaltungszentrum
Entwurf Nummer 2: Blick aus Richtung Schulgasse auf das Verwaltungszentrum © Stadtverwaltung Dresden
Entwurf Nummer 2: Blick über den Georgplatz auf das Verwaltungszentrum
Entwurf Nummer 2: Blick über den Georgplatz auf das Verwaltungszentrum © Stadtverwaltung Dresden
Entwurf Nummer 2: Blick über den Ferdinandplatz auf den Haupteingang
Entwurf Nummer 2: Blick über den Ferdinandplatz auf den Haupteingang © Stadtverwaltung Dresden
Entwurf Nummer 2: Vogelperspektive auf den Ferdinandplatz
Entwurf Nummer 2: Vogelperspektive auf den Ferdinandplatz © Stadtverwaltung Dresden

Der zweite Entwurf setzt zwar ebenfalls auf viel Glas und damit Transparenz zu den Verwaltungsbüros, wie sich das Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gewünscht hat. Doch insbesondere im Erdgeschoss wagen sich die Architekten weniger weit heraus als ihre Konkurrenten und verzichten auf Vollverglasung oder andere Spielereien. Optisch hebt sich die Erdgeschosszone lediglich durch breitere Fenster und einen eingerückten, großen Eingang hervor.

Wie fallen die ersten Eindrücke der Dresdner aus?

Man muss schon sehr nach Kommentaren auf Facebook suchen, die sich lobend äußern. Der erste Entwurf mit seinem Durchbruch suggeriere mehr Offenheit, findet etwa Ben Volkmann.

Vielfach ist aber von Klötzen mit monoton angeordneten, schmalen "Schießscharten"-Fenstern die Rede. "So schön wie der Postplatz", schreibt Norbert Scholz spöttisch. Von "Beliebigkeitsschnulli von der Billigstange" spricht der Dresdner Fotograf Ray Van Zeschau und fragt sich, wer diese Beiträge zum Wettbewerb zugelassen habe. Bald wisse man gar nicht mehr, in welcher "verbastelten" deutschen Stadt man sich überhaupt noch aufhalte.

Ein oft geäußerter Kritikpunkt: Die Architektur des gegenüberliegenden Neuen Rathauses sei in keinem der Entwürfe aufgenommen worden. "Wenn man im Hintergrund auf das alte Rathausgebäude schaut, hätte man eine gute Vorlage, an welche man sich anpassen könnte", meint Jörg Hasse.

Außerdem helfe es den Besuchern unten überhaupt nicht, wenn fehlendes Stadtgrün durch eine Dachbegrünung ersetzt werde. Schade findet Hasse, dass die Terrassen des Karstadt-Gebäudes nun verdeckt werden.

Wie sehen es die Stadtpolitiker?

Der Dresdner Investor Frank Wiesner schreibt auf Facebook, das Gebäude an sich sei zu groß und monoton. Flair entstehe mit Variationen. Darauf antwortet Thomas Löser, Bauexperte der Grünen im Dresdner Stadtrat, dass mit dem zweiten Entwurf versucht worden sei, die Forderung nach einer kleinteiligen, städtebaulichen Gliederung umzusetzen.

Dabei sei allerdings eine monotone Fassade entstanden. Der erste Entwurf verzichte zwar auf Kleinteiligkeit, sei aber von der Fassadengestaltung interessanter, findet Löser. Bei dem bronzefarbenen Gebäude-"Deckel" handle es sich seiner Erinnerung nach um eloxiertes Kupfer, das glänze. "Das finde ich keine so schlechte Idee", sagt Löser. "Es gliedert das sehr wuchtige Gebäude."

Weniger zuversichtlich gibt sich CDU-Fraktionschef Peter Krüger. "Die wenigen Bilder überzeugen mich bei beiden Entwürfen optisch nicht", schreibt er auf Lösers Meinung hin. "Für so ein Gebäude, zumal in Bestlage auf einem absoluten Filetgrundstück, hätte ich mir mehr Mut gewünscht."

Unabhängig von seiner Funktion werde das Gebäude für viele Jahrzehnte dort stehen, aber ein Hingucker werde es nicht. "Vielleicht bekommt ihr Bauleute das noch hin…!"

Auch die Architektur-Initiative Ostmodern äußert sich zu den Vorschlägen. Der erste Entwurf wirke offener, so Mathias Körner. Es handle sich um ein Gebäude, das Blicke von außen hineinlasse. "Offen für Bürger und ihre Anliegen."

Trotzdem, der große Renner seien beide Entwürfe nicht. Körner plädiert dafür, viele historische Relikte aus dem Lapidarium im Neubau unterzubringen.

Worauf müssen die Architekten achten?

Den Architekten sind einige Vorgaben gemacht worden. So muss das Gebäude mindestens 22 Meter bis zur Dachkante messen, gleichzeitig darf es insgesamt nicht höher als 34 Meter werden.

Das Dach soll zu einem großen Teil begrünt werden und eine Solaranlage erhalten. Mehr als 1.000 Mitarbeiter will die Stadtverwaltung unterbringen. Für die Dresdner soll eine zentrale Anlaufstelle bei Grundstücksanfragen, Bauanträgen oder Anliegen zu Mobilität und Klimaschutz geschaffen werden. Die Wirtschaftsförderung und das Fundbüro werden ebenfalls einziehen.

Sind die Entwürfe endgültig?

Nein, eine Jury sucht den finalen Entwurf aus. Bevor sich diese am 25. Januar festlegen wird, sollen allerdings die Dresdner ihr Votum abgeben dürfen. Die Verwaltung hat eine Online-Abstimmung eingerichtet.

Dort können die Entwürfe nach Größe, Form und Fassadengestaltung bewertet werden. Außerdem haben die Teilnehmer dort bis zum 21. Dezember die Chance, ihre Meinung frei zu formulieren. Davon hatten bis zum Montagvormittag bereits 5.000 Menschen Gebrauch gemacht. Gebaut werden soll das Verwaltungszentrum bis 2025.

Wie sieht es mit dem Geld aus?

Nicht nur das Aussehen des neuen Verwaltungszentrums ist bisher nicht fix. Auch die Finanzierung ist ungeklärt. Wegen der Corona-Krise ist der Haushalt klamm. Die Stadtverwaltung will das Zentrum deshalb nicht mehr selbst bauen lassen, sondern dafür ihr Tochterunternehmen KID beauftragen.

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Im Keller eines Hauses auf dem Platz befand sich früher eine Wehrmachts-Druckerei. Das hat jetzt Folgen für die Arbeiten in der Baugrube.

Der Prozess ist allerdings ins Stocken geraten. Das Vorhaben, das Grundstück der KID zu übertragen und eine Bürgschaft in Höhe von 116 Millionen Euro zu übernehmen, vertagte der Bauausschuss kurzerhand. Linke und Freie Wähler gehören zu den größten Kritikern des Projekts – hauptsächlich der hohen Kosten wegen, für die Kredite aufgenommen werden müssten.

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