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Lockdown: Schule in Dresden nur in Prüfungsfächern?

Um Schülern den Abschluss zu erleichtern, soll es Präsenzunterricht nur in Prüfungsfächern geben. Warum sich nicht jeder Dresdner Schulleiter daran hält.

In Dresden entscheidet jeder Schulleiter selbst, in welchem Umfang der Präsenzunterricht in den Abschlussklassen stattfindet. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich.
In Dresden entscheidet jeder Schulleiter selbst, in welchem Umfang der Präsenzunterricht in den Abschlussklassen stattfindet. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich. © Symbolfoto: Guido Kirchner/dpa

Dresden. Platz gibt es an den großen Dresdner Gymnasien derzeit mehr als genug. Lediglich die elften und zwölften Klassen lernen im Präsenzunterricht vor Ort in den Schulgebäuden, damit sich die Schüler auf ihren Abschluss vorbereiten können.

Ihre Abiturprüfungen haben die Elftklässler zwar erst im kommenden Schuljahr, dennoch werden auch sie seit dem 18. Januar wieder in den Schulen unterrichtet.

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Um ihnen den Schulalltag nach wochenlangem Homeschooling zu erleichtern, hatte das Kultusministerium angeregt, dass der Präsenzunterricht "grundsätzlich in den jeweiligen Abschlussfächern" stattfinden sollte.

Vor den Winterferien zog Kultusminister Christian Piwarz (CDU) nach zwei Wochen Schulbetrieb eine positive Bilanz, er sei weitestgehend reibungslos verlaufen.

In Dresden allerdings hatten Eltern zum einen kritisiert, dass die Klassenräume viel zu voll seien und Abstand halten für die Schüler kaum möglich ist. Ein zweiter Kritikpunkt: Unterrichtet wird nicht nur in prüfungsrelevanten, sondern auch in anderen Fächern.

Das heißt, auch wer in einem Kurs keine Prüfung ablegt, nimmt am Unterricht in diesem Fach teil. Damit seien die Erleichterungen "wertlos", so die Eltern.

"Schüler sollen nach den Prüfungen mit allem fertig sein"

Konkret geht es um das Gymnasium Cotta. Schulleiter Jürgen Karras verteidigt seine Vorgehensweise und kann die Kritik nicht nachvollziehen. Karras will damit verhindern, dass die Schüler nach den mündlichen Prüfungen noch einmal viel Zeit in die Schule investieren müssen.

Martin Raschke, Chef des Dresdner Kreiselternrates, stimmt Karras in diesem Punkt zu und begrüßt es, dass in Cotta der Präsenzunterricht in diesem Umfang stattfindet. "Die Schüler sollten nach der letzten Prüfung mit allem fertig sein. Wenn sie dann noch einmal in den Unterricht müssen, um Tests zu schreiben, fehlt bei vielen bestimmt die Motivation."

Zumal damit nach den eigentlichen Prüfungen immer noch nicht feststehe, wie die Abiturnote ausfällt. Jetzt sind die Schulhäuser leer und die Lehrer ohnehin vor Ort, so Raschke. Das sollte man nutzen.

Die Zeit vor Ort für die Schüler sinnvoll nutzen will auch Karras. Sollte nur in den prüfungsrelevanten Fächern unterrichtet werden, würden zwischendurch viele Freistunden anfallen. Auch das für ihn ein Argument, den Stoff in den anderen Fächern zu vermitteln.

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Kultusministerium: "Jede Schule entscheidet selbst"

Tatsächlich ist die Vorgabe des Kultusministeriums nicht bindend für die Schulleiter, wie Ministeriumssprecher Dirk Reelfs betont. "Es können unter Beachtung des Infektionsschutzes andere Fächer unterrichtet werden. Darüber entscheidet die Schule selbst."

Raschke, dessen Sohn eine elfte Klasse an einem Dresdner Gymnasium besucht, findet es vor allem für diesen Jahrgang wichtig, dass möglichst alle Fächer unterrichtet werden.

"Es darf nicht vergessen werden, dass allein durch Quarantäne viele Stunden ausgefallen sind." Am Gymnasium seines Sohnes habe es viele Infektionsfälle und damit mehrmals Quarantäne-Anordnungen für die Schüler gegeben. "Dieser Schulstoff muss jetzt dringend nachgeholt werden."

Denn Raschke hat die Sorge, dass im kommenden Schuljahr nicht jeder Lehrer in den zwölften Klassen daran denkt, dass die Schüler in der elften Klasse mitunter sehr wenig Präsenzunterricht hatten.

Unterschiedlicher Wissensstand wegen Quarantäne

Dennoch halten sich viele Dresdner Gymnasium daran, derzeit nur in den prüfungsrelevanten Fächern zu unterrichten, darunter das Gymnasium Klotzsche und das St.-Benno-Gymnasium.

Jens Reichel vom Gymnasium Bürgerwiese spricht sich dafür aus, dass jeder Schulleiter selbst entscheiden soll, wie er den Präsenzunterricht für die Oberstufe gestaltet. Auch er verweist darauf, dass Schüler zum Teil mehrfach in Quarantäne waren und der Wissensstand in den Kursen deshalb unterschiedlich sei.

Offenbar sind also in Bezug auf den Umfang des Präsenzunterrichts also von Schule zu Schule und auch in den verschiedenen Kursen individuelle Lösungen gefragt.

Bis mittags geschlafen, Aufgaben nicht geschafft

Die Wissenslücken kennt auch Matthias Dietze, selbst Lehrer und CDU-Bildungsexperte. Er betont indes, dass alle Kraft in den Abschlussklassen auf die Prüfungsfächern verwendet werden sollte, der Unterricht in diesen Fächern habe Priorität. "Dort müssen die Lücken aus dem Homeschooling geschlossen und ein Nachteilsausgleich aus dem Lockdown geschaffen werden", sagt er. Nebenfächer seien gerade nicht entscheidend.

So sieht das auch die Mutter eines Zwölftklässlers, die ihren Namen nicht öffentlich nennen möchte. "Mein Kind musste wochenlang allein lernen und war nicht immer so motiviert. Ich wünsche mir eine Konzentration auf Deutsch und Mathe, um die großen entstandenen Lücken zu schließen“, sagt sie. Oft habe ihr Teenager bis mittags geschlafen und habe dann seine Aufgaben von den Lehrern nicht geschafft. (mit SZ/kh)

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