merken
PLUS Dresden

Wann werden Dresdens Holperpisten saniert?

Stauffenbergallee und Königsbrücker Straße: Der Ausbau der beiden wichtigsten Verkehrsadern Dresdens lässt weiter auf sich warten. Warum das so ist.

An mehreren Stellen ist das Großpflaster auf der Stauffenbergallee in den vergangenen Jahren schon eingebrochen. Die Straße ist unten so marode wie die Fahrbahn oben.
An mehreren Stellen ist das Großpflaster auf der Stauffenbergallee in den vergangenen Jahren schon eingebrochen. Die Straße ist unten so marode wie die Fahrbahn oben. © Marion Doering

Dresden. Sie sind Dresdens bekannteste Schlaglochstrecken: die Stauffenbergallee und die Königsbrücker Straße. Die beiden Hauptverkehrsachsen im Dresdner Norden warten schon seit Jahrzehnten auf ihre Sanierung, doch Fehlanzeige. Während es um die Königsbrücker Straße jahrelang politisches Gerangel gab, bis sich der Stadtrat 2016 auf eine Ausbau-Variante verständigen konnte, ziehen sich die Planungen für die Stauffenbergallee weiter hin.

Die SZ hat im Rathaus nachgefragt, wie der aktuelle Stand bei diesen beiden wichtigen Straßenbauprojekten aussieht und wann die Arbeiten beginnen könnten.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Stauffenbergallee: Baustart frühestens 2025

Wer von der Autobahn ins Dresdner Zentrum fahren will, nutzt wahrscheinlich die Autobahnabfahrt in Dresden-Hellerau. Das tun auch viele Touristen. Wenn sie über die Stauffenbergallee zur Königsbrücker Straße oder zur Waldschlößchenbrücke rollen, wundern sich sicherlich viele Autofahrer, warum eine so große Hauptverkehrsstraße in der Landeshauptstadt in derart schlechtem Zustand ist. Auf dem Kopfsteinpflaster wird das Auto so richtig durchgerüttelt, in den Schlaglöchern werden die Stoßdämpfer auf Herz und Nieren geprüft.

Das war auch schon zu DDR-Zeiten so, wie sich SZ-Leser Andreas Reuther erinnert. Und das machten sich die Dresdner mitunter sogar zunutze. "Wenn das Auto nach einem Werkstattbesuch den Parcours ohne Schaden überstanden hatte und ohne dass Autoteile verloren gegangen sind, galt es als tatsächlich repariert", berichtet Reuther. Gleiches galt für Haushaltsgeräte aller Art. "Die Teststrecke konnte aber auch zur Überprüfung des Fernsehers auf kalte Lötstellen genutzt werden."

Tatsächlich hat sich an dieser Situation auch nach der politischen Wende nicht viel geändert. Größere Schäden wurden mit Asphaltflecken ausgebessert, dazwischen sorgt Großpflaster für eine entsprechende Geräuschkulisse bei jenen, die das für einen kürzeren Weg in Kauf nehmen. Lediglich auf dem Abschnitt zwischen Königsbrücker und Rudolf-Leonhardt-Straße waren 1994 schon einmal Bauleute im Einsatz, doch auch dort muss dringend saniert werden.

Inzwischen ist der Zustand der Fahrbahn so schlecht, dass nicht einmal die Busse der Dresdner Verkehrsbetriebe dort entlangrollen. Zum Nachteil der 1.500 Mitarbeiter von Polizei, Landesärztekammer und Landesamt für Straßenbau und Verkehr, die dort täglich zur Arbeit müssen. "Ab wann können wir geräuschlos über die Stauffenbergallee schweben?", fragt Andreas Reuther.

Da müssen sich die Dresdner Autofahrer und Gäste der Stadt noch ein wenig gedulden. Wie der Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften mitteilt, wird im Stadtplanungsamt derzeit ein Konzept erarbeitet, wie die Kreuzung von Stauffenbergallee und Radeburger Straße entwässert werden kann. Dabei geht es unter anderem darum, Regenwasser von der Fahrbahn abzuleiten. Sind diese Pläne fertig, müssen sie in die Gesamtplanung für die Sanierung integriert werden.

Und wann könnten die Bauarbeiten beginnen? Nicht vor 2025, heißt es aus dem Geschäftsbereich. Das liegt auch daran, dass die Landesdirektion Sachsen die Genehmigung im Zuge eines Planfeststellungsverfahrens erteilen muss. Wie lange das dauern kann, zeigt die geplante und seit Jahren angekündigte Sanierung von Wehlener und Österreicher Straße.

Wie lange die Bauarbeiten auf der Stauffenbergallee dauern und was sie kosten - dazu hält sich die Stadt bedeckt. Das werde im laufenden Planungsprozess ermittelt.

Königsbrücker Straße: In zwei Jahren könnte es losgehen

Bevor die Stauffenbergallee saniert wird, soll allerdings zunächst die wichtigste Nord-Süd-Verbindung im Dresdner Norden ausgebaut werden. Die Gestaltung der Königsbrücker Straße ist wohl Dresdens leidigstes Straßenthema. Konkret geht es um den Abschnitt zwischen Stauffenbergallee und Albertplatz, eine Rumpelpiste mit Kopfsteinpflaster und verschlissenen Straßenbahnschienen. Selbst die Stadt kann nicht genau sagen, wann dort zum letzten Mal gebaut wurde.

Nach der Wende wurden 1996 zum ersten Mal Pläne erarbeitet, aber wechselnde Mehrheiten im Stadtrat und Diskussionen über die verschiedenen Ausbauvarianten - insgesamt waren es etwa 20 - verhinderten immer wieder einen Beschluss. 2016 wurde schließlich ein Kompromiss zwischen einem großen, vierspurigen und einem schmaleren Umbau gefunden. Derzeit liegen die Pläne bei der Landesdirektion, die Stadt rechnete eigentlich Anfang 2021 mit der Genehmigung. Als die Pläne öffentlich auslagen, gab es allerdings sehr viele Einwendungen, die bearbeitet werden mussten und das Ganze weiter verzögerten.

Pflastersteine, Schlaglöcher, verschlissene Schienen: Wie nötig die Sanierung der Königsbrücker Straße ist, wird auf den ersten Blick deutlich. An der Kreuzung zum Bischofsweg löst sich der Asphalt vom darunterliegenden Kopfsteinpflaster.
Pflastersteine, Schlaglöcher, verschlissene Schienen: Wie nötig die Sanierung der Königsbrücker Straße ist, wird auf den ersten Blick deutlich. An der Kreuzung zum Bischofsweg löst sich der Asphalt vom darunterliegenden Kopfsteinpflaster. © Marion Doering

Im nächsten Schritt sollen diese Einwendungen bei der Landesdirektion erörtert werden. All das ist Teil des Planfeststellungsverfahrens, das im besten Fall mit dem Beschluss der Landesdirektion endet und das Bauprojekt damit genehmigt ist.

Weiterführende Artikel

Dresden: Holperfrei vom Güntz- zum Schillerplatz?

Dresden: Holperfrei vom Güntz- zum Schillerplatz?

An vielen Stellen ärgert Kopfsteinpflaster Auto- und Radfahrer - auch in Johannstadt und Blasewitz. Wo sie weiter Geduld brauchen und wo es bereits Pläne gibt.

Dresdens Holperpisten sind eine Zumutung

Dresdens Holperpisten sind eine Zumutung

Die Stauffenbergallee ist für viele der erste schäbige Eindruck, den sie von Dresden bekommen. Die Politik darf hier nicht mehr länger einfach zusehen. Ein Kommentar.

Dresdens Pläne für die Holperpisten

Dresdens Pläne für die Holperpisten

Im Südosten Dresdens sind einige Straßen seit DDR-Zeiten unsaniert, dort ist bisher wenig passiert. Wann und wo sich das ändern soll.

Rascher Plan für Stauffenbergallee

Rascher Plan für Stauffenbergallee

Sächsische.de-Redakteurin Kay Haufe findet, der Ausbau des Dresdner "Kopfsteinmonsters" muss oberste Priorität haben.

Wann dieser Beschluss erlassen wird, könne die Stadt nicht beurteilen. "Erst danach beginnen die Ausführungsplanung und die Ausschreibungsplanung." Anschließend werden die Bauleistungen europaweit ausgeschrieben. "Baubeginn ist aus heutiger Sicht frühestens 2023", teilt der zuständige Geschäftsbereich mit. Auch hier will sich die Stadt nicht dazu äußern, wie teuer das Großbauprojekt letztlich wird. "Die Kosten werden im laufenden Planungsprozess fortgeschrieben, sie können aufgrund der Dynamik der derzeitigen Kostenentwicklungen nicht benannt werden."

Mehr zum Thema Dresden