merken
PLUS Dresden

Warum diese Dresdner Villa abgerissen wird

Das Wohnhaus in Dresden-Trauchau sollte modernisiert werden, nun wird um den Abriss gestritten. Warum sich die Pläne geändert haben, zeigt ein Blick ins Innere.

Das Wohnhaus in der Wilder-Mann-Straße 44 in Dresden steht leer. Es soll einem Neubau weichen - das ist aber umstritten.
Das Wohnhaus in der Wilder-Mann-Straße 44 in Dresden steht leer. Es soll einem Neubau weichen - das ist aber umstritten. © Marion Doering

Dresden. Für den Eigentümer Thomas Röber gibt es keinen anderen Weg: Das Mehrfamilienhaus in der Wilder-Mann-Straße 44 muss abgerissen werden. Seit gut einem Jahr gibt es eine öffentliche Debatte darüber, wie das um 1900 gebaute Haus in Trachau gerettet werden könnte. Thomas Röber hält indes an seinen Plänen fest und erklärt der SZ nun auch, weshalb eine Sanierung aus seiner Sicht nicht möglich ist.

Warum soll das Wohnhaus abgerissen werden?

Als Thomas Röber, der in Dresden lebt und arbeitet, und sein Geschäftspartner Alfred Biebl das Gebäude samt Grundstück Mitte 2017 im Rahmen einer Ausschreibung erworben haben, sei das zunächst mit dem Plan passiert, das Haus zu sanieren und die Wohnungen zu vermieten. Im Januar 2019 haben sie einen Bauantrag für die Modernisierung eingereicht, bei der unter anderem veränderte Grundrisse und der Anbau von Balkonen vorgesehen waren, erklärt Röber.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Allerdings seien durch das Gutachten eines Holzexperten bei den weiteren Planungen erhebliche Schäden festgestellt worden, die so beim Kauf nicht sichtbar waren. In Holzelementen und Mauerwerk hat sich Schwamm breitgemacht. "Das ganze Ausmaß haben wir erst gesehen, als Decken, Böden und Wände aufgemacht wurden."

Der Vorbesitzer, der Bochumer Großvermieter Vonovia, habe kaum investiert, nichts repariert und nur dort gesichert, wo es nötig war. Zurückgebaute Dachgaubenelemente, die einfach in einer leer stehenden Wohnung abgelegt wurden, zeugen davon. "Es war wirklich mein ganz persönlicher Wunsch, das Haus zu sanieren", beteuert Röber. Wirtschaftlich lasse sich das aber nicht darstellen. Zu hoch seien die Kosten, die in die ehemalige städtische Immobilie investiert werden müssten, um sie nach heutigen Anforderungen wieder bewohnbar zu machen.

Das neue Wohnhaus in der Wilder-Mann-Straße 44 soll historische Elemente der alten Fassade wie den Rundbogen aufnehmen. Auch die Mauer davor wird wieder aufgebaut.
Das neue Wohnhaus in der Wilder-Mann-Straße 44 soll historische Elemente der alten Fassade wie den Rundbogen aufnehmen. Auch die Mauer davor wird wieder aufgebaut. © Projektgesellschaft WM44

Ein erster Versuch Röbers, das Haus unter Denkmalschutz stellen zu lassen - das bestätigt auch das Landesamt für Denkmalpflege - blieb erfolglos, ein weiterer zu einem späteren Zeitpunkt ebenso. Röber verweist auf mehrere andere Sanierungsprojekte in Dresden, die er in den vergangenen Jahren umgesetzt hat, unter anderem in Alttrachau und in Klotzsche. "Wir haben mehr als 50 denkmalgeschützte Gebäude modernisiert. Das zeigt doch, welchen Weg wir normalerweise gehen."

Schließlich habe die Projektgesellschaft WM 44, die eigens für das Bauprojekt gegründet wurde, den Bauantrag zurückgezogen und einen neuen eingereicht. Der sieht vor, das alte Gebäude abzureißen und einen Neubau mit zehn Wohnungen und Tiefgarage zu errichten. In der Fassade sollen die historischen Elemente wie der Rundbogen wieder aufgenommen werden, das Dachgeschoss wird ausgebaut. "Auch die Dachform orientiert sich an den Häusern der Umgebung."

Die früheren Balkone am Altbau in Trachau mussten abgebaut werden, weil sie drohten einzustürzen.
Die früheren Balkone am Altbau in Trachau mussten abgebaut werden, weil sie drohten einzustürzen. © Marion Doering
Im Dachgeschoss war eine Gaube so verrottet, dass sie der Vorbesitzer abbauen und das Loch mit Brettern zunageln musste. Die Teile der Dachgaube liegen noch in der leer stehenden Wohnung.
Im Dachgeschoss war eine Gaube so verrottet, dass sie der Vorbesitzer abbauen und das Loch mit Brettern zunageln musste. Die Teile der Dachgaube liegen noch in der leer stehenden Wohnung. © Marion Doering
Erst beim Öffnen der Decken, Böden und Wände wurde das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar, berichtet der Eigentümer. Ein Holzfachmann hat ein Gutachten dazu erstellt, das belegt: Das Gebälk in den Wänden ist verrottet.
Erst beim Öffnen der Decken, Böden und Wände wurde das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar, berichtet der Eigentümer. Ein Holzfachmann hat ein Gutachten dazu erstellt, das belegt: Das Gebälk in den Wänden ist verrottet. © Marion Doering
Mehr als 50 Dresdner Altbauten hat der Investor nach eigenen Angaben saniert, darunter zwei denkmalgeschützte Wohnhäuser in der Kieler Straße in Klotzsche.
Mehr als 50 Dresdner Altbauten hat der Investor nach eigenen Angaben saniert, darunter zwei denkmalgeschützte Wohnhäuser in der Kieler Straße in Klotzsche. © Marion Doering
Auch dieses Haus in der Kieler Straße haben Thomas Röber und Alfred Biebl mit ihrem Unternehmen modernisiert.
Auch dieses Haus in der Kieler Straße haben Thomas Röber und Alfred Biebl mit ihrem Unternehmen modernisiert. © Marion Doering
Auch im Boden der Kellerwohnung des Trachauer Altbaus hat sich Schwamm breitgemacht.
Auch im Boden der Kellerwohnung des Trachauer Altbaus hat sich Schwamm breitgemacht. © Marion Doering

Wer will das Gebäude retten und wie soll das geschehen?

In den Fokus der Öffentlichkeit rückte das Gebäude im Februar 2020, als der Dresdner Fotograf Ray van Zeschau, der auf seiner Facebook-Seite "Verschwundenes Dresden" seit Jahren den Abriss alter Dresdner Häuser dokumentiert, darüber berichtete. Er vermeldete, dass auch dem Gebäude in der Wilder-Mann-Straße dieses Schicksal droht. Der Dresdner Stadtrat und Landtagsabgeordnete Thomas Löser (Grüne) startete daraufhin eine Petition, die den Erhalt des Hauses forderte und dafür gut 2.000 Unterstützer fand.

Mit einer Erhaltungssatzung für das Gebiet Trachau/Wilder Mann, die im April 2020 auf den Weg gebracht wurde, konnte der Abriss nun zunächst für ein Jahr verhindert werden. Die Frist endet am 8. Mai dieses Jahres, so Röber. Noch ist die Satzung aber keine beschlossene Sache. Anfang März hat der Bauausschuss zwar zugestimmt, das Gebiet entsprechend zu schützen, am 26. März entscheidet nun aber letztlich der Stadtrat darüber.

Allerdings regt sich trotz anfänglicher Einigkeit in der Politik inzwischen Protest - in diesem Falle auf Seiten der CDU. Schon im vergangenen Jahr, als die Satzung auf den Weg gebracht wurde, gab es in der Stadtratsfraktion Bedenken. Denn jede bauliche Veränderung wie ein Abriss, aber auch der Bau einer Dachterrasse, einer Solaranlage oder eines Carports muss dann von den Hauseigentümern in dem Gebiet bei der Stadt angezeigt und genehmigt werden.

CDU-Stadtrat Veit Böhm geht das zu weit. "Wir haben im Bauausschuss gegen diese Satzung gestimmt und werden das auch im Stadtrat tun."

Warum ist das Wohnhaus nicht denkmalgeschützt?

Röber betont, dass er versucht habe, das Gebäude in der Wilder-Mann-Straße von Denkmalpflegern unter Schutz stellen zu lassen. Das Landesamt für Denkmalpflege teilt mit, dass das Haus zunächst Anfang der 1990er-Jahre, später auf Anfrage der Eigentümer in Absprache mit dem Denkmalschutzamt Dresden 2017 sowie 2018 auf seine Denkmaleigenschaft hin untersucht wurde. "Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen hat das Objekt dreimal geprüft", teilte Sprecherin Sabine Webersinke im März 2020 auf SZ-Anfrage mit.

Im Januar 2020, als die Abrisspläne bekannt wurden, hatte die Stadt zwar erneut angefragt, ob das Gebäude Denkmaleigenschaften besitzt - abermals ohne Erfolg. Eine nochmalige Prüfung fand nicht statt, so das Landesamt.

Aus Sicht des Amtes handele es sich um einen "durchschnittlichen Bau, etwa um 1900 entstanden, der keine Sachverhalte aufweist, die seine Denkmaleigenschaft begründen". Zudem sei der Bau im Laufe der Zeit in Teilen verändert worden. Die Prüfung habe ergeben, dass die Kriterien eines Kulturdenkmals nicht erfüllt sind.

Wie soll es mit dem Bauprojekt nun weitergehen?

Noch läuft das Verfahren beim Rechtsamt der Stadt, in dem über den Widerspruch gegen die verwehrte Baugenehmigung entschieden werden soll, sagt Anwalt Cornelius Fetsch, der die Projektgesellschaft vertritt. Er bezeichnet es als Treppenwitz, dass das Haus vor dem Abriss gerettet werden soll, obwohl selbst das Landesamt für Denkmalpflege urteilt, dass es nicht schützenswert ist. Sollte der Widerspruch zurückgewiesen werden, folgt eine Klage gegen die Landeshauptstadt, so Fetsch.

Weiterführende Artikel

Rettung für Dresdner Villa

Rettung für Dresdner Villa

Für das Trachauer Haus aus der Gründerzeit gibt es Abrisspläne. Diese hat der Stadtrat nun gestoppt. Doch es gibt Bedenken.

Dresdner Villa: Rettung oder Abriss?

Dresdner Villa: Rettung oder Abriss?

Ein altes Wohnhaus in Trachau soll Platz für ein neues machen. Nun soll das Gebiet geschützt und der Abriss verhindert werden. Warum die Zeit drängt.

Was passiert mit umstrittener Dresdner Abriss-Villa?

Was passiert mit umstrittener Dresdner Abriss-Villa?

Die Stadt will eine Gründerzeit-Villa erhalten. Doch der Bau auf dem Wilden Mann steht jetzt leer, und der Eigentümer hält weiter am Abriss fest.

Röber hofft indes darauf, dass die Erhaltungssatzung nicht beschlossen wird. Sie werde einem großen Gebiet übergestülpt, in dem es gar keine weiteren Sanierungsobjekte mehr gibt - nur um ein Haus zu retten, das nicht sanierungsfähig ist, so Röber. "Wir sind der Meinung, dass man die Auswirkung der Satzung auf die Anlieger noch einmal vertiefen sollte." Wird die Erhaltungssatzung gekippt, sollen Abriss und Neubau so schnell wie möglich beginnen. Röber rechnet mit etwa einem Jahr Bauzeit.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden