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Dresdner Rathausmitarbeiter mit Steinen angegriffen

Im Dresdner Sozial- und Jugendamt gab es im vergangenen Jahr Dutzende Übergriffe auf Mitarbeiter. Jetzt soll der Schutz verbessert werden.

Neben dem Rathaus muss Dresden rund 120 Objekte schützen, in denen die Verwaltung sitzt.
Neben dem Rathaus muss Dresden rund 120 Objekte schützen, in denen die Verwaltung sitzt. © Sven Ellger

Dresden. Sie arbeiten im Sozialamt, als Erzieher im Kindergarten, aber auch als Feuerwehrmänner oder im Ordnungsamt. Immer wieder müssen die Mitarbeiter im Rathaus Erfahrungen mit Übergriffen von Bürgern machen.

Die Stadt beziffert die Zahl der Angriffe auf Rathaus-Mitarbeiter für das vergangene Jahr auf 56. Mit Abstand am meisten gab es im Sozialamt mit 16 und im Jugendamt mit 17 Übergriffen. In allen Fällen handelt es sich um Bedrohungen, entweder von Hilfeempfängern oder im Fall des Jugendamts von Eltern oder durch Jugendliche und Kinder selbst. Und es kam sogar noch schlimmer: Im Sozialamt warf ein Antragsteller bereits mit Flaschen und Steinen in Richtung der Büros.

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Ebenfalls eskaliert ist die Gewalt, als im Kulturamt ein mit einem Messer bewaffneter Bürger Gäste und Mitarbeiter bedrohte. In den Kindergärten gab es zehn Bedrohungen von Erziehern durch die Eltern. Die Politessen, die auf Dresdens Straßen unterwegs sind und Knöllchen verteilen, gaben für 2020 drei Fälle von Bedrohung an.

Wie schützt sich die Verwaltung?

Das Thema Schutz ist für die Dresdner Stadtverwaltung komplex. Der Regiebetrieb Zentrale Technische Dienstleistungen ist unter anderem für die Gebäudesicherung zuständig. Die Stadt nutzt für ihre Aufgaben aber nicht nur das markante Rathaus, sondern ist in rund 120 Objekten verteilt.

"Dabei stellt die Vielfältigkeit der Nutzung von Verwaltungsgebäuden über Kultureinrichtungen und Bauhöfe bis zum Tierheim unterschiedlichste Anforderungen an die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz unserer Besucher, Beschäftigten und der Infrastruktur selbst", so Sprecherin Anke Hoffmann.

Alleine das Thema Objektsicherheit sei ein Prozess, der ständig überprüft, weiterentwickelt und angepasst werde. Zumal sich auch bauliche, technische, organisatorische und personelle Sicherheitsmaßnahmen weiterentwickeln.

Jedes Gebäude benötige einen individuellen Schutz, da keine zwei miteinander vergleichbar seien. "Die Vielfalt von Möglichkeiten muss also individuell auf die Bedarfe der Nutzer eines Objektes angepasst werden", erläutert Hoffmann. "Somit kann es nicht das eine Sicherheitskonzept für Verwaltungsgebäude geben und die Umsetzung von konkreten Maßnahmen ist stets zeitaufwendig."

Dazu gelte, dass mögliche Rechtseingriffe durch Schutzmaßnahmen für die Betroffenen im Verhältnis stehen müssen und der Schutz auch bezahlbar seien muss. "So ist die Umsetzung einer offenen und bürgernahen Verwaltung genauso wichtig wie der Schutz unserer Beschäftigten, Besucher und der Infrastruktur", sagt die Sprecherin.

Um das zu gewährleisten, werden neben den eigenen Verantwortlichen für Objektsicherheit auch externe Dienstleister zu Rate gezogen. Genauso werden die Nutzer und Personalvertreter einbezogen, um ausgewogene Regelungen zu finden. Dafür werden Arbeitsgruppen gebildet.

Und deshalb werden bereits im täglichen Dienstbetrieb Sicherheitsaspekte berücksichtigt und Abläufe dahingehend angepasst. Die rund 7.000 Beschäftigten der Stadt können sich immer vom Regiebetrieb beraten lassen.

Was wird dafür investiert?

Rund 4,2 Millionen Euro hat die Verwaltung in den vergangenen drei Jahren für die Sicherheit ausgegeben. Alleine für den Schutz des Rathauses 1,6 Millionen Euro. "Dazu gehören unter anderem die ständige Präsenz von Sicherheitskräften vor Ort sowie leider notwendige zusätzliche Maßnahmen im Rahmen von Gremiensitzungen und fachamtsbezogene Leistungen aufgrund festgestellter Gefährdungen."

Allerdings werden eher selten Bereiche aus reinen Sicherheitsgründen umgebaut. Vielmehr wird bei geplanten Baumaßnahmen auch der Sicherheitsaspekt einbezogen.

Für alle Bereiche gibt es Gefährdungsanalysen, die konkrete Maßnahmen empfehlen. "Leider können wir dabei unseren Ansprüchen an die Umsetzung von geforderten Maßnahmen aufgrund von haushalterischen oder objektbezogenen baulichen wie bauordnungsrechtlichen Gründen nicht immer vollumfänglich, jedoch stets in einem akzeptierten Rahmen gerecht werden", erläutert die Sprecherin. Aber es seien in den vergangenen drei Jahren rund 67.000 Euro für die Sicherheit im Empfangsbereich des Rathauses und Überwachungsanlagen investiert worden.

Davor, als von 2012 bis 2015 der erste Teil des Rathauses saniert wurde, entfielen rund 400.000 Euro auf "sicherheitsrelevante Maßnahmen". In diesem Jahr sind weitere 19.000 Euro dafür eingeplant. Dabei sei nicht eingerechnet, was in Objekte investiert wird, in denen die Verwaltung zur Miete sitzt.

Werden die Mitarbeiter zu ihrer eigenen Sicherheit geschult?

Generell werden die Mitarbeiter der Verwaltung auch für Gefahrensituationen geschult und es gibt Regelungen, wie sie sich bei Bedrohungen verhalten sollen. "Wir stellen aber generell keine detaillierten Informationen zu einzelnen Sicherheitsmaßnahmen zur Verfügung, da so Rückschlüsse auf mögliche vulnerable Punkte geschlossen werden können", stellt die Stadtsprecherin klar.

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