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Protest gegen Verbot von Sarrasani-Zelt in Dresden

André Sarrasani soll das große Zelt am Dresdner Elbufer wieder abbauen. Das ordnete die Bauaufsicht an. Dagegen regt sich nun scharfer Protest.

Vor gut einer Woche hat das Sarrasani-Team mit dem Aufbau des großen Zeltes begonnen. Nun steht fest: Der Magier wird es wieder abbauen müssen.
Vor gut einer Woche hat das Sarrasani-Team mit dem Aufbau des großen Zeltes begonnen. Nun steht fest: Der Magier wird es wieder abbauen müssen. © Sven Ellger

Dresden. Erst vor gut einer Woche hat André Sarrasani begonnen, sein Trocadero-Zelt neben dem Congress Center Dresden aufzubauen. Es sollte die neue Heimat für die Dinner-Shows des Magiers werden, nachdem der Elbe-Park den Vertrag mit Sarrasani Anfang des Jahres beendet hatte, wo zuletzt das große grüne Zelt gestanden hatte. 

Am Freitag folgte dann überraschend der Baustopp durch die Bauaufsicht, da es keine Baugenehmigung am Standort neben dem Congress Center gebe. Hatte Sarrasani noch gehofft, dass er eine Lösung mit der Stadt finden werde, folgte am Dienstagabend die Hiobsbotschaft für den Magier: Das Bauaufsichtsamt verfügte den Abbau des Zeltes. 

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Dagegen regt sich nicht nur in den sozialen Medien Protest, wo viele sich mit André Sarrasani solidarisieren, auch die Dresdner Politik reagiert nun. Am Mittwoch veröffentlichen die Freien Wähler in Dresden eine Stellungnahme zur Entscheidung der Stadt. Darin fordert die Fraktion Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) auf, "dafür zu sorgen, dass Sarrasani und die Stadt gemeinsam mit dem Unternehmen einen dauerhaften Standort suchen und finden." Die Fraktion will dazu am Donnerstag einen Eilantrag im Stadtrat einbringen. 

Jens Genschmar, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, sagt dazu: "In Zeiten der größten Krise seit dem 2. Weltkrieg, wie es die Bundeskanzlerin noch vor Kurzem formulierte, hat die Stadt Dresden nichts Besseres zu tun, als in typischer Beamtenmanier ein Traditionsunternehmen zu gängeln." 

Aktive Wirtschaftsförderung heiße, Dinge möglich machen, Wege zu suchen, wie etwas stattfinden könne, und nicht verbieten. "Diese Erkenntnis ist auch nach sechs Jahren mit Dirk Hilbert als Oberbürgermeister nicht in der Dresdner Stadtverwaltung angekommen", so Genschmar. 

In der langen Mitteilung vom Dienstagabend hatte die Stadt verschiedene Gründe für die Entscheidung genannt, den Abbau des Zeltes zu fordern: 

Keine Baugenehmigung für das Zirkuszelt

Sarrasani hatte angefangen, das Zirkuszelt und zwei weitere Zelte mit Containern aufzustellen. Dafür ist laut Bauaufsichtsamt eine Baugenehmigung notwendig. "Diese wurde nicht beantragt", so Rathaussprecher Kai Schulz. Und: "Sie kann auch nicht erteilt werden." 

An diesem Dienstag hätten das Bauaufsichtsamt und Vertreter weiterer Ämter mit Sarrasani gesprochen. "Als Ergebnis steht fest, dass die Zelte an diesem Standort nicht genehmigungsfähig sind", so Schulz. "Das Bauaufsichtsamt wird deshalb deren Beseitigung anordnen. Die Sarrasani Entertainment GmbH wurde darüber informiert."

Die Wiesen sind zu erhalten

Laut Stadtverwaltung gibt es für das Areal einen rechtskräftigen Bebauungsplan, der als Bauten nur ein Kongresszentrum mit Kongresssälen, Konferenz- und Sitzungsräumen und ein Hotel zulässt. "Für den Standort der Zelte ist eine Grünfläche ausgewiesen", heißt es von der Stadtverwaltung. "Die Grünflächen sind als Wiese anzulegen und dauerhaft zu erhalten."

André Sarrasani beim Aufbau seines Zeltes für Trocadero am Dresdner Ostra-Ufer, direkt neben dem Internationalen Congress Center.
André Sarrasani beim Aufbau seines Zeltes für Trocadero am Dresdner Ostra-Ufer, direkt neben dem Internationalen Congress Center. © Sven Ellger

Mitten im Flutgebiet

Die Wiesen neben dem Kongresszentrum liegen komplett im festgesetzten Überschwemmungsgebiet, auch das ist ein Problem. "Der Bauherr müsste deshalb nachweisen, dass er das Grundstück bei einer Überschwemmungsgefahr vollständig beräumt haben wird", erläutert Schulz. Dieser Nachweis fehle.

Zu nah an der Marienbrücke

Das Foyer- und das Backstage-Zelt mit Containern sind 2,30 Meter von den Brückenpfeilern der Marienbrücke entfernt. Das hat die Bauaufsicht nachgemessen. Dazu wurden die Verankerungen der Sarrasani-Bauten genau auf der Achse der Sammelleitung der Brückenentwässerung angelegt. "Der Mindestabstand für die Zugänglichkeit zur Brücke im Falle einer Prüfung oder Reparatur, ferner bei Unfällen am Geländer mit Schäden an der Brücke ist nicht eingehalten", so Schulz. 

Brandschutz nicht gegeben

Vor allem aber bestehen Bedenken wegen des Brandschutzes. Würde das Zirkuszelt in Flammen stehen, drohten diese auf die Brücke überzugreifen. "Ein Brandüberschlag von den Zelten und Containern wäre bei entsprechender Windrichtung ein ernstes Problem", urteilt die Bauaufsicht. 

Würde Sarrasani die Zelte und Container um fünf Meter verschieben, was aus Brandschutzgründen notwendig wäre, müsste alles von Sarrasani in Richtung Uferböschung verschoben werden. "Dies kann aus Hochwasserschutzgründen nicht gestattet werden", sagt die Stadt. "Nach dem Bebauungsplan wäre sogar eine Verschiebung um zehn Meter notwendig, mithin würden die Anlagen noch weiter am Ufer zu stehen kommen." 

Auch der Schriftzug war bereits am Congress Center zu lesen.
Auch der Schriftzug war bereits am Congress Center zu lesen. © Sven Ellger

Sarrasani reagiert überrascht

André Sarrasani bestätigt, dass es am Nachmittag ein Gespräch mit Vertretern der Stadt gab. "Wir sind so auseinander gegangen, dass sich die Stadt bei mir meldet, wie es weitergeht." Von Rückbau sei keine Rede gewesen. "Mir war klar, dass es noch Anpassungen wegen des Hochwasserschutzen geben muss, aber ich hätte nicht gedacht, dass gar nichts geht."

Der Magier fühlt sich ungerecht behandelt. "Am Elbepark wurde mir 2017 gesagt, ich brauche keine Baugenehmigung und jetzt das." Der Rummel und der Weihnachtscircus würden doch auch auf der anderen Seite der Brücke zugelassen. Diese stehen allerdings deutlich kürzer. 

Er habe ein Brandschutzkonzept, argumentiert Sarrasani. "Das sind doch alles keine vernünftigen Begründungen." Generell kritisiert er, dass er von dem Zelt-Verbot an der Stelle von der SZ erfahren habe. "Die Stadt hätte doch zuerst mich informieren müssen. ich weiß bisher offiziell aber gar nichts dazu." Stattdessen habe er nach dem Gespräch mit dem Bauaufsichtsamt eine Rechnung in die Hand gedrückt bekommen - 680 Euro für die Anordnung des Baustopps am vergangenen Freitag. 

Deshalb könne er nun auch noch nicht sagen, wie es weitergeht. Wenn er ein offizielles Schreiben der Stadt habe, das ihm den Standort verbiete, werde er darüber entscheiden.

"Willenskraft Wege schafft"

Er habe noch keinen Plan B im Ärmel, sagt Sarrasani. "Ich werde mir das in Ruhe ansehen, was die Stadt da entschieden hat. Wir haben in den letzten Jahren viele Rückschläge wegstecken müssen." Damit meint Sarrasani die Insolvenzen. 

Auch die vergangenen Tage waren für den Magier regelrecht desaströs. Am Montag der vergangenen Woche wurde bekannt, dass seine Tigerdame Kaya einen Handwerker attackiert hatte. Der Mann hatte angetrunken versucht, die Raubkatze zu streicheln. Bereits wenige Wochen vorher war bereits Panther Jada gestorben, wie am vergangenen Donnerstag bekannt wurde.

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