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Dresden-Wegweiser für Lieblingsmenschen

In schwieriger Situation haben Beate Erler und Kathleen Handrich unentdeckte Orte in Dresden und Umgebung aufgestöbert. Das weckt Vorfreude.

Ihr erstes Buch! Beate Erler und Kathleen Handrich (v.l.) haben sich und allen neugierigen Entdeckern ein ganz besonderes Geschenk gemacht.
Ihr erstes Buch! Beate Erler und Kathleen Handrich (v.l.) haben sich und allen neugierigen Entdeckern ein ganz besonderes Geschenk gemacht. © Christian Juppe

Dresden. Der freundliche Teil von Corona ist sonnengelb, liegt gut in der Hand und hat 238 Seiten. Als Beate Erler die Anfrage erreichte, ob sie ein Buch schreiben wolle, konnte sie es kaum glauben. Zwar stand ein solches Vorhaben auf ihrer Liste aller Ziele fürs Leben. Aber so plötzlich?

Die Verantwortlichen des Emons-Verlages meinten es ernst, und sie hatten es eilig. Ziemlich genau vor einem Jahr, im Dezember, boten sie der jungen Journalistin und Texterin dieses besondere Projekt an. Im November dieses Jahres lieferte der Paketbote eine große Kiste voller Belegexemplare für die Autorinnen an.

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Plural, weil sich Beate Erler, ebenso überrumpelt wie entschlossen, Unterstützung gesucht hatte. Nun steht neben ihrem Namen der von Kathleen Handrich auf dem Cover. Auch sie ist studierte Sprachwissenschaftlerin und arbeitet freiberuflich als Texterin.

Lümmelweide und Kräuterduft

"Wir hatten nur etwa drei Wochen Zeit, um das Grundgerüst für unser Buch zu erstellen und mit dem Verlag abzustimmen", erzählen die beiden. Kein Roman, kein Erzählband, auch kein Sachbuch im eigentlichen Sinn sollte es werden. Die Reihe "Unterwegs mit deinen Lieblingsmenschen" besteht aus Stadtführern mit Geheimtippversprechen für das Erkunden von inzwischen zehn deutschen Großstädten.

Wer sie besucht, will sicherlich auch die altbekannten Highlights sehen. In Dresden kommt kein Tourist an Semperoper und Zwinger vorbei. Beates und Kathleens Buch sollte allerdings auf genau diese Sehenswürdigkeiten verzichten. Ihre Aufgabe war es, 85 möglichst unbekannte Orte in und um Dresden zusammenzutragen, die nicht nur Besucher der Stadt, sondern auch ihre Bewohner erstaunen und für Aha-Effekte sorgen.

Also setzten sich die Autorinnen zusammen und warfen gedanklich alles in einen großen Themenkorb, was ihnen zu ihrer Stadt einfiel. Darin kennen sie sich gut aus.

© Christian Juppe

Beate wurde in Dresden geboren, studierte Germanistik und Slawistik an der TU. Zuvor hatte die 38-Jährige den Beruf Fremdsprachenassistentin gelernt, wollte mehr, konnte sich aber nicht vorstellen, ihre Heimat zu verlassen. "Ich bin hier sehr verwurzelt, habe meinen Freund, meine Eltern, meine Schwester mit Mann und Kind hier. Auf keinen Fall will ich woanders hin ziehen."

Kathleen wuchs in Meißen auf, zog für ihr Studium der Germanistik und Philosophie nach Dresden, verfiel, wie sie selbst sagt, den Menschen und der Stadt. Sich selbstständig zu machen, gab der 32-Jährigen die Möglichkeit, von Dresden aus für Auftraggeber in allen Winden zu arbeiten.

Fünfundachzig Ideen, Beschreibungen, Erklärungen und Fotos, das war die Aufgabe für die folgenden Monate. Eine Zeit, in der die Pandemie auch in Deutschland ankam, in der der erste Lockdown ab Mitte März das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben lahmlegte, Ausgangssperren herrschten und in zahlreichen Institutionen und Einrichtungen keine Ansprechpartner mehr zu erreichen waren. Schwierige Umstände, um Informationen und Fotogenehmigungen zu erlangen. Ungewöhnlich für ein Gemeinschaftsprojekt.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

"Wir haben uns während der ganzen Arbeit am Buch höchstens zweimal gesehen", sagt Kathleen Handrich. Austausch und Abstimmungen liefen per Mail und Telefon. "Ich hatte meine Not, die entsprechenden Fotos machen zu können, weil ich einfach niemanden erreichte, der mir die Tür aufschloss." So musste sie sich hier und da mit schon vorhandenen Bildern begnügen.

"Ich wollte unbedingt die Studiobar in der Neustadt als Tipp dabei haben. Die Bedienung ist freundlich und adrett und die Cocktails sind die besten", erzählt Beate Erler. Doch das Lokal war geschlossen und leblos. Dass es trotzdem den Weg ins Buch gefunden hat, dafür mussten die Frauen echt kämpfen. Ähnlich ging es ihnen mit dem Programmkino Thalia. "Die Leute vom Verlag wollten natürlich Fotos mit Besuchern, aber die gab es ja nicht", sagt Kathleen. Wenn sie heute durch das Buch blättert, findet sie etliche ihrer ganz persönlichen Lieblingsmenschen, die als Statisten einsprangen und dabei geholfen haben, Leben in die Bebilderung zu bringen.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Jetzt endet dieses seltsame Jahr, in der Hoffnung, dass möglichst viele Leser all die schönen, erstaunlichen, spannenden Orte entdecken können. Auch Beate und Kathlen haben mit ihren Lieblingsmenschen noch viel vor. "Ich mag besonders das Nymphenbad", sagt Beate. Um ein Haar hätte es nicht den Weg ins Buch geschafft. Die Verantwortlichen verorteten es zu nahe am Zwinger, und der war ihnen zu bekannt. Doch die Autorinnen leisteten Überzeugungsarbeit.

Auf der Lümmelweide an der Elbe liegen, in den Kräutergarten verduften, die Geschichte der Praline erzählen, zu Klaviermusik picknicken, in Parks und Wäldern die Lungen füllen, über komische Meister lachen und sich zu neuen Wandertouren inspirieren lassen - für alle Normalitäten ist eine Spezialität zu finden, für jede Eigentümlichkeit eine Spur Gewohntes. Lieblingsmenschen suchen sich ihre Glücksmomente, und diese Wegweiser helfen ihnen dabei.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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