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Wo Dresdner Meerjungfrauen schwimmen lernen

Einmal Arielle sein und mit Schwanzflosse grazil durch das Wasser gleiten. Davon träumen viele Mädchen. In Dresden bekamen nun einige die Chance dazu.

Muskelkater als Andenken: Meerjungfrau zu sein, ist mehr, als eine schicke Flosse zur tragen.
Muskelkater als Andenken: Meerjungfrau zu sein, ist mehr, als eine schicke Flosse zur tragen. © www.svetayassi.de

Dresden. So gern hätte sie vom Beckenrand aus zugesehen, wie sich ihre beiden Töchter in Meerjungfrauen verwandeln. Aber das ließ die Corona-Krise nicht zu. Stattdessen drückte sich Janett Lange draußen an der Scheibe die Nase platt, um wenigstens ab und zu mal einen Blick auf Mia und Clara erhaschen zu können.

Seit Wochen hatten sich die Kinder auf diesen Vormittag gefreut. "Das sind eben richtige Badenixen", sagt ihre Mutter. "Wenn irgendwo Wasser ist, sind sie die Ersten, die drin sind und die Letzten, die wieder rauskommen." 

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Die besten Angebote des Jahres gibt´s traditionell am letzten Freitag im November: beim SALE Friday.

Mindestens ein oder zwei Mal im Monat gingen auch Oma und Opa mit ihnen ins Hallenbad, wo die neun und zwölf Jahre alten Mädchen schon vor längerer Zeit das Tauchen für sich entdeckt hätten. 

Sich aber einmal wie eine Meerjungfrau zu fühlen, das fehlte noch. "Wir hatten im Internet schon länger nach so einem Angebot gesucht, aber zunächst nur Kurse in anderen Städten gefunden", erinnert sich Janett Lange. 

Dann aber, in den Sommerferien, wurden sie fündig: Ein Meerjungfrauen-Schwimmkurs am 18. Oktober in der Schwimmhalle an der Freiberger Straße. Keine Frage, da mussten Mia und Clara dabei sein.

Geleitet wurde der Kurs von Sandra Völzer, einer früheren Leistungsschwimmerin aus Berlin. Die sah irgendwann mal gemeinsam mit ihrer Tochter Bilder vom "Mermaiding", wie das Schwimmen mit Meerjungfrauenschwanz genannt wird, im Fernsehen und bekam den Gedanken nicht mehr aus dem Kopf: Das will ich auch mal machen. 

Die zwölfjährige Mia Lange fühlte sich als Meerjungfrau ganz in ihrem Element.
Die zwölfjährige Mia Lange fühlte sich als Meerjungfrau ganz in ihrem Element. © www.svetayassi.de

Gemeinsam mit der Unterwasserfotografin Sveta Yassinovich lud sie nun zu insgesamt vier Kursen in Dresden ein, zu der sich insgesamt 36 Teilnehmer anmeldeten. "Die meisten waren natürlich Mädchen", sagt die 42-Jährige, "aber wir hatten auch Frauen und sogar zwei Männer dabei." 

Für die Männer seien in der Regel weniger die bunten Farben der Flosse entscheidend, sondern mehr der sportliche Aspekt. Denn, so viel sei verraten, "Mermaiding" kann richtig anstrengend sein. Der Fachbegriff für den Schwanz heißt übrigens Monoflosse.

Nach einer kurzen theoretischen Einweisung, inklusive Aufklärung über die Verschmutzung der Weltmeere, ging es auch schon los mit ersten Trockenübungen. Dann verteilte Sandra Völzer die Flossen und ihre Nixen machten sich am Beckenrand mit den Bewegungen vertraut. 

"Erfahrungsgemäß haben die meisten den Dreh ziemlich schnell raus", sagt sie. Ansonsten haben sie da aber auch so einige Tricks und Kniffe parat, sodass letztlich fast jeder auf seine Kosten komme.

Auch Mia und Clara sind begeistert. Grazil schweben sie durch das Wasser und tauchen am Ende sogar durch einen Reifen. "Ich fand es gut, dass die Teilnehmer nicht einfach nur Flossen bekommen haben und drauf los schwimmen sollten", sagt ihre Mutter. "Da steckt eine richtige Idee dahinter."

Kursleiterin Sandra Völzer war früher selbst Leistungsschwimmerin.
Kursleiterin Sandra Völzer war früher selbst Leistungsschwimmerin. © www.svetayassi.de

Als das Abenteuer für Mia und Clara nach anderthalb Stunden zu Ende ist, geht der Arbeitstag für die Leiterin und ihre Fotografin schon nach kurzer Pause weiter. "Der letzte Kurs ging bis 19 Uhr. Danach waren wir platt wie Flundern, aber auch richtig glücklich", sagt Sandra Völzer.

Auch Mia und Clara träumten in der folgenden Nacht von bunten Flossen und schwärmten auch am nächsten Morgen noch - wenngleich sie der Muskelkater durchaus überraschte. 

Am liebsten wären sie direkt in einen Meerjungfrauen-Verein eingetreten. Den aber gibt es in Dresden bislang nicht. "Deswegen hoffen wir nun, dass demnächst ein Aufbaukurs angeboten wird", sagt Mama Janett.

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