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Dresdner Zwingerhof wird Großbaustelle

Zuerst erforschen renommierte Archäologen den Untergrund unter dem Zwinger. Was sie dort entdecken wollen und wie danach der Bauplan ist.

Archäologe Hartmut Olbrich (l.) und Zwingerbaumeister Kai-Uwe Beger freuen sich, dass die Sanierung des Zwingerhofes dieses Jahr beginnen kann. Zuerst werden die Archäologen den Untergrund erkunden.
Archäologe Hartmut Olbrich (l.) und Zwingerbaumeister Kai-Uwe Beger freuen sich, dass die Sanierung des Zwingerhofes dieses Jahr beginnen kann. Zuerst werden die Archäologen den Untergrund erkunden. © Sven Ellger

Dresden. Rund drei Millionen Besucher bewundern jährlich die weltberühmten Barockbauten des Zwingers. Doch ab diesem Jahr wird es im Zwingerhof enger. Denn er soll bis Ende 2023 abschnittsweise saniert werden, erklärt Zwingerbaumeister Kai-Uwe Beger vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB).

Schließlich hat die starke Nutzung ihre Spuren hinterlassen. Saniert wird schrittweise jeweils ein Viertel des Zwingerhofes. Begonnen wird vor dem Porzellanpavillon.

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Jeweils im Uhrzeigersinn geht es dann weiter, erklärt Beger. Doch bevor die Arbeiten im jeweiligen Abschnitt beginnen, wird Hartmut Olbrich mit seinem Grabungsteam vom Landesamt für Archäologie anrücken. Der promovierte Bauforscher, der Architekt und Archäologe ist, forscht seit über 20 Jahren im Zwinger.

Der Barockgarten: Suche nach Pflanzgruben

Anfang kommenden Monats beginnt Olbrich mit seinem Archäologenteam mit den ersten Grabungen vor dem Porzellanpavillon. 2013 und 2014 hatten sie bereits Vorarbeit geleistet und vier Flächen im Zwingerhof auf Spuren der Gärten und der einstigen Bebauung untersucht. Damals war auch Bodenradar eingesetzt worden, sodass die Archäologen Vorstellungen haben, was sie im Untergrund erwartet.

Freigelegt werden soll der Untergrund auf drei Ebenen. Bei der ersten davon werden 40 bis 50 Zentimeter der Deckschicht abgetragen.

Ab 1709 hatte August der Starke für seine Orangerie den Zwinger im Bereich der Festungsanlagen bauen lassen. Zwischen 1709 und 1718 hatte Hofbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann im Hof den Zwingergarten angelegt und dann zweimal umgestalten lassen.

„Allerdings war dieser vor der Hochzeit von Kurfürst Friedrich August im September 1719 zum Festplatz für höfische Turniere und Veranstaltungen umgestaltet worden“, erklärt Olbrich. Bis dahin wurden zudem die Gebäude des Zwingers weitgehend fertiggestellt. Bäume und Sträucher seien damals in den Herzogin Garten gebracht worden, da sie im Wege waren.

Der Archäologe rechnet damit, dass jetzt Teile von Pflanzgruben und von Wegen freigelegt werden können. „Mit den Grabungen haben wir die Möglichkeit, uns ein vollständiges Bild des früheren Zwingergartens zu machen“, sagt Olbrich.

Die Festbauten: Reste der alten Zwingergrotte

Bei der zweiten Ebene wollen die Archäologen den Untergrund bis in eine Tiefe von 80 bis 100 Zentimetern untersuchen. Gegraben werde aber nicht nur mit Hand, sondern auch mit Baggern.

Eine erfahrene Gartenbaufirma wird die Archäologen dabei unterstützen, die Flächen freizulegen, erklärt der Zwingerbaumeister.

Vor dem Porzellanpavillon werden sie auf die Fundamente der Festbauten aus dem 17. Jahrhundert und der alten Zwingergrotte stoßen.

Dort standen das Reit- und das Schießhaus. „Wir wissen noch nicht, wie die zeitliche Bauabfolge war“, erklärt der Archäologe. „Ich hoffe, dass wir das mit diesen Grabungen herausfinden können."

Bereits 2013 und 2014 waren einige Flächen im Zwingerhof von Archäologen untersucht worden. Hier hatte Grabungsarbeiterin Thea Redke ein Stück der alten Stadtmauer freigelegt. Direkt davor war der alte Stadtgraben, in dem sie kauert.
Bereits 2013 und 2014 waren einige Flächen im Zwingerhof von Archäologen untersucht worden. Hier hatte Grabungsarbeiterin Thea Redke ein Stück der alten Stadtmauer freigelegt. Direkt davor war der alte Stadtgraben, in dem sie kauert. © Steffen Unger

Die Stadtmauern: Massive Sandsteine im Untergrund

Bei der dritten Ebene soll in verschiedenen Bereichen bis zu zwei Meter tief gegraben werden. Dort werden die Archäologen auf Teile der alten Stadtmauer stoßen. Die mittelalterliche Stadtmauer aus dem 12. und 13. Jahrhundert liegt direkt unter dem Porzellanpavillon. Eine Ecke davon war bereits bei den Grabungen 2013 entdeckt worden.

Jetzt rechnet Olbrich damit, vor allem auf Mauern aus dem 15. und 16. Jahrhundert zu stoßen. Denn die liegen ein Stück vor dem Porzellanpavillon. Nachdem Herzog Moritz von Sachsen 1547 die Würde des Kurfürsten erhalten hatte, waren über zwei Meter dicke Festungsmauern aus massiven Sandsteinquadern errichtet worden mit Bastionen an den Ecken, aus denen angreifende Feinde mit Kanonen beschossen werden konnten.

Die Baustelle: Start im Sommer

Wenn die Archäologen ihre Grabungen vor dem Porzellanpavillon beendet haben, beginnt der SIB im Sommer mit den Bauarbeiten. Die Aufträge müssen aber noch ausgeschrieben werden.

„Dabei sollen zuerst Leitungen im Untergrund erneuert beziehungsweise saniert werden“, erläutert der Zwingerbaumeister. Dazu zählen auch die Elektronik und das Datennetz im Untergrund. Geschaffen werden dabei Anschlüsse, die bei Veranstaltungen benötigt werden.

In einem letzten Schritt wird dann die Oberfläche des jeweiligen Viertels im Zwingerhof wieder hergestellt. Sind die Arbeiten fortgeschritten, könne es sein, dass drei Viertel des Zwingerhofes Baustelle sind. Während vorn in einem Viertel die Archäologen graben, sind im nächsten Abschnitt Tiefbauer und im dritten Viertel und Landschaftsbauer aktiv.

Beginnen werden die Bauarbeiten in diesem Viertel des Zwingerhofes vor dem Porzellanpavillon.
Beginnen werden die Bauarbeiten in diesem Viertel des Zwingerhofes vor dem Porzellanpavillon. © Sven Ellger

Die Wege: Sandsteinplatten für die Hauptpisten

Auf den Hauptwegen wird der derzeit rote Belag gegen Platten aus Postaer Sandstein ausgetauscht. Dieses harte Material aus der Sächsischen Schweiz ist für seine hohe Qualität bekannt.

Die Nebenwege sollen eine neue wassergebundene Decke erhalten. Die kleinen, kantigen Steinchen verzahnen sich und bilden eine feste Oberfläche, die aber Regenwasser durchlässt und deutlich weniger staubt als die bisherige Oberfläche, erläutert Beger.

Statt des rötlichen Brechsandes aus dem erzgebirgischen Leukersdorf soll dieses grau-gelbliche Material verwendet werden, wie es bereits im Garten am Japanischen Palais geschehen ist.

Um die Staubentwicklung zu begrenzen und Feinteile zu binden, wird zudem ein Beregnungssystem für die Wegeflächen installiert. Damit wird auch ein anderes Problem beseitigt. Denn der Staub verschmutzt nicht nur Fußböden in den Ausstellungen, sondern ist auch auf Kunstwerken zu finden. Saniert werden sollen zudem die beiden Brunnenbecken in Richtung Gemäldegalerie.

Während der gesamten Bauzeit werden die Zugänge zu den Museen gewährleistet, teilweise über Behelfswege. Anfangs arbeiten die Archäologen noch hinter Drahtzäunen. „Später werden aber massive Bauzäune aufgestellt, um die Sicherheit der Baustelle und der Besucher zu gewährleisten“, sagt der Zwingerbaumeister.

Die Verbesserung: LED-Strahler für Fassaden

Im Zuge der Hofsanierung werden LED-Strahler installiert, die die Fassaden dezent beleuchten. Das Lichtkonzept sieht unter anderem vor, dass Fenster nicht angestrahlt werden, um störende Beleuchtung in Ausstellungsräumen zu verhindern.

Ende 2023 soll das Großprojekt abgeschlossen werden, für das der Freistaat rund zehn Millionen Euro investiert.

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