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Dresdner Elefant auf dem Weg nach Wien

Bulle Tembo verließ den Dresdner Zoo an diesem Dienstag auf dem Sattelschlepper. In wenigen Tagen bezieht sein Nachfolger das Gehege.

Elefantenbulle Tembo futtert am Dienstagmorgen noch genüsslich Heu mit seinen drei Elefantendamen. Es heißt Abschied nehmen.
Elefantenbulle Tembo futtert am Dienstagmorgen noch genüsslich Heu mit seinen drei Elefantendamen. Es heißt Abschied nehmen. © René Meinig

Dresden. Sein Ziel: die österreichische Hauptstadt. Nach zwei Jahren in Dresden wird Elefantenbulle Tembo künftig im Zoo Wien leben. 

Am Dienstagmorgen 6 Uhr hatten die Pfleger begonnen, alles für seinen Transport vorzubereiten, das Heu-Netz war gestopft, etwas später wurden die Ketten um seine Fußgelenke angelegt. 

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Der Abschied stand bevor. In einem von den drei Elefantenkühen abgetrennten Bereich wartete er darauf, dass sich das Tor öffnet. 

Dass er das zum letzten Mal durchschreiten wird, ahnte er da sicherlich nicht. Die große Containerbox, in der er seine lange Reise antreten sollte, stand da längst im Außengehege. 

Per Kran war sie von außen hineingehoben worden, auf gleichem Weg sollte es später - samt Elefant - wieder zurück auf den Sattelschlepper gehen. Doch bis der stattliche Bulle mit einer Schulterhöhe von fast drei Metern den Gang in die enge Box wagte, vergingen knapp drei Stunden. 

Schritt für Schritt geht es rückwärts in die Transportbox, nach gut drei Stunden hat es Tembo geschafft. Mit seinen Pflegern hat er das schon seit Monaten geübt.
Schritt für Schritt geht es rückwärts in die Transportbox, nach gut drei Stunden hat es Tembo geschafft. Mit seinen Pflegern hat er das schon seit Monaten geübt. © Tino Plunert

Um ihm die Angst und Aufregung zu nehmen, wurde Tembo vorher ein Beruhigungsmittel verabreicht. Schritt für Schritt ging es ganz langsam rückwärts in die Box hinein. 

Das hatten die Pfleger schon seit einigen Monaten mit ihm geübt. "Wir waren sehr zufrieden, wie alles geklappt hat", sagte Ludwig.

 Im Container wurden Tembo dann die Ketten wieder abgenommen, ein letzter Klaps auf den Rüssel und dann startete der Tieflader mit seiner gut zehn Tonnen schweren Last. Tembo selbst wiegt etwa 4,5 Tonnen. 

Die Reise nach Wien findet übrigens ohne Begleitung eines Pflegers statt, erklärt Ludwig. Und weil Wien als Corona-Risikogebiet gilt, gab es vor dem Umzug auch keine persönliche Begegnung mit den österreichischen Pflegern - so wie es sonst üblich wäre. 

Zehn Tonnen wiegt der Transportcontainer samt Elefantenbulle, der allein rund 4,5 Tonnen auf die Waage bringt. Per Kran wird die Box ins Gehege und später wieder auf den Tieflader gehoben.
Zehn Tonnen wiegt der Transportcontainer samt Elefantenbulle, der allein rund 4,5 Tonnen auf die Waage bringt. Per Kran wird die Box ins Gehege und später wieder auf den Tieflader gehoben. © René Meinig

Die drei Elefantendamen Mogli, Sawu und Drumbo verfolgten die Aktion vom Elefantenhaus aus, sie standen die ganze Zeit über am Tor, als würde der Abschied schwer fallen. 

Dabei werden sie schon bald wieder in männlicher Gesellschaft sein. Der Name des Neuen: Tonga. Geschätztes Geburtsjahr: 1989. 

Eine genauere Altersangabe sei nicht möglich, erklärt der zoologische Leiter Wolfgang Ludwig, denn Tonga ist ein Wildfang aus Südafrika. 

Nach vielen Jahren als Zirkuselefant lebte Tonga zuletzt im Serengeti-Park Hodenhagen, nun siedelt der Bulle von Niedersachsen nach Sachsen um.

Ein Abschied auf Elefantenart? Die drei Damen Mogli, Sawu und Drumbo stehen die ganze Zeit über am Tor, während Tembo in die Box verladen wird.
Ein Abschied auf Elefantenart? Die drei Damen Mogli, Sawu und Drumbo stehen die ganze Zeit über am Tor, während Tembo in die Box verladen wird. © René Meinig

Für eine erfolgreiche Zucht sei Tonga noch in einem guten Altern, so Ludwig. Zwar hat er in den letzten Jahren keinen Nachwuchs gezeugt, aber vielleicht klappt es ja mit einer der drei Dresdner Elefantendamen. 

Dabei passieren die Umzüge von Tembo und Tonga nicht zufällig, geregelt wird das vielmehr durch das Europäische Zuchtbuch für Afrikanische Elefanten, das einen regelmäßigen Austausch der Tiere unter den europäischen Zoos vorsieht. 

Nun liegt die Nachwuchs-Hoffnung auf dem niedersächsischem Dickhäuter - so wie sie vor zwei Jahren auch auf Tembo lag. Der verlässt Dresden nun allerdings in Richtung Wien, ohne hier Nachkommen gezeugt zu haben. 

Nachfolger Tonga kommt am 9. November

An Tembos Paarungsbereitschaft hat es jedenfalls nicht gelegen, der Bulle sei recht aktiv gewesen. Wo die Gründe für den ausbleibenden Nachwuchs liegen, darüber kann auch Wolfgang Ludwig nur spekulieren. Entweder sind die Kühe mit 24, 25 und 30 Jahren schon zu alt oder die Spermien des 34-jährigen Bullen sind nicht mehr aktiv genug. 

Nun wartet der Dresdner Zoo auf Tonga, der am späten Abend des 9. November hier eintreffen soll. In seinem Fall wird vorher einer seiner Pfleger aus Hodenhagen den Dresdner Pflegern einen Besuch abstatten, denn Tongas jetzige Heimat zählt nicht zum Corona-Risikogebiet. 

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