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Immer mehr Dresdnerinnen erlernen Selbstverteidigung

Das Selbstverteidigungssystem Krav Maga ist in Dresden groß nachgefragt. Worauf es dabei ankommt und warum sich immer mehr Frauen dafür entschieden.

Von Nora Domschke
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Ralf Ginkel (M.) gibt Christian Meyer (l.) und Susanne Theiss Tipps, wie sie ihre Technik beim Krav Maga noch verbessern können.
Ralf Ginkel (M.) gibt Christian Meyer (l.) und Susanne Theiss Tipps, wie sie ihre Technik beim Krav Maga noch verbessern können. © Sven Ellger

Dresden. Es ist eine von vielen Corona-Geschichten. Vor acht Jahren eröffnete Ralf Ginkel eine Selbstverteidigungsschule in Löbtau. Die Technik, die er dort lehrte, nennt sich Krav Maga und gilt als sehr effiziente Methode, um Tritte und Schläge, aber auch Angriffe mit dem Messer oder anderen Waffen abzuwehren.

Die Nachfrage war so groß, dass er sich Anfang 2020 vergrößerte und in neue Räume umzog - kurz, bevor die Pandemie jegliche sportliche Aktivität in Innenräumen unmöglich machte. Für Ralf Ginkel platzt damals ein Traum. Obwohl er zunächst noch versucht, die Kurse unter freiem Himmel anzubieten, flattern nach und nach immer mehr Kündigungen seiner 50 Mitglieder ein - es ist das Aus für seine Schule.

Großes Interesse bei Frauen und Mädchen

Und doch lässt den Dresdner die Idee nicht los, anderen Menschen zu zeigen, wie sie sich im Falle eines Angriffs wehren können. Auch, weil die Nachfrage nach solchen Kursen in Dresden nach wie vor groß ist, sagt der 38-Jährige. Also gründet er im vergangenen Sommer mit einigen verbliebenen Mitstreitern den Verein Essential Fight Arts.

Mit an Bord sind Christian Meyer, der als Vorstand eingesetzt ist, und Susanne Theiss, seine Stellvertreterin. Beide begleiten Ralf Ginkel schon seit jener Zeit, als er noch an seiner Schule lehrte. Von ihm haben sie die Krav-Maga-Techniken gelernt und kommen auch heute regelmäßig zum Training, das zweimal wöchentlich in Dresden stattfindet.

Vor acht Jahren gründete Ralf Ginkel eine Schule, in der die Dresdner Techniken der Selbstverteidigung lernen. In der Coronazeit war Schluss. Nun startet der Kampfkunstlehrer mit einem Verein neu durch.
Vor acht Jahren gründete Ralf Ginkel eine Schule, in der die Dresdner Techniken der Selbstverteidigung lernen. In der Coronazeit war Schluss. Nun startet der Kampfkunstlehrer mit einem Verein neu durch. © Sven Ellger

Dabei war es für den neu gegründeten Kampfkunstverein gar nicht so einfach, geeignete Räume zu finden, erzählt Ralf Ginkel. Die Dresdner Schulsporthallen sind bei vielen Vereinen gefragt und Hallenzeiten zu schwer zu ergattern. Deshalb wird montags in der Turnhalle an der Zinzendorfstraße 4 trainiert, donnerstags in der Schandauer Straße 26. Im April bietet der Verein zum ersten Mal ein zweitägiges Seminar nur für Frauen an. "Wir sehen, dass es hier großes Interesse gibt."

Immer mehr Mädchen und Frauen würden zum Probetraining, das kostenlos angeboten wird, vorbeischauen, viele blieben dabei. Erwachsene zahlen monatlich 48 Euro Mitgliedsbeitrag, Kinder 18 Euro. In der vergangenen Woche sind am Montag tatsächlich viele Frauen und Kinder in der Turnhalle in der Zinzendorfstraße. Auch Susanne Theiss ist dabei. Ihre Hände schützt sie wie alle anderen beim Training mit festen Bandagen, um die Gelenke zu schonen. Seit 2016 lernt sie bei Ralf Ginkel, wie sie sich mit wenig Kraft verteidigen kann.

Aber warum eigentlich? "Es gab Situationen in meinem Leben, in denen ich mich bedroht fühlte. Aber ich war unsicher und immer auf die Hilfe meines Mannes angewiesen. Das wollte ich ändern." Auch Christian Meyer hat solche Situationen erlebt, auf die er sich nun besser vorbereitet fühlt. "Und dennoch sind wir alle keine Schlägertypen", betont er.

"Oberstes Ziel der Verteidigung: Abhauen"

Als Susanne Theiss damals zum ersten Probetraining kam, sei sie überrascht gewesen, wie familiär es zuging. "Ich hatte damit gerechnet, dass vor allem Männer dabei sind, aber es waren erstaunlich viele Frauen." Im Schnitt sind 30 bis 40 Prozent der Kursteilnehmer weiblich, sagt Ginkel. Inzwischen seien auch sehr viele Mädchen darunter, für die ein eigener Kinderkurs angeboten wird, an dem auch Jungs teilnehmen.

Heute fühlt sich Susanne Theiss selbstbewusster, gestärkt und gewappnet für eine brenzlige Situation, sagt sie. "Vor allem, wenn ich abends in der Straßenbahn unterwegs bin." Dabei gehe es nicht vordergründig darum, einen potenziellen Angreifer zur Strecke zu bringen, sondern in erster Linie darum, sich in Sicherheit zu bringen. "Uns geht es nur ums Ergebnis. Und das oberste Ziel heißt: Abhauen", erklärt Ralf Ginkel.

Das größte Problem in einer Angriffssituation sei die Schockstarre, in die die meisten Menschen verfallen. In der Regel dauere ein Angriff nur drei bis sieben Sekunden. "Deshalb lernen wir, zu reagieren und den ersten Schreckmoment schnell zu überwinden." Krav Maga, ein Konzept, das offenbar gut ankommt. In Dresden gibt es gleich mehrere Angebote, unter anderem im Kampfsportzentrum Dresden in der Freiberger Straße und bei Krav Maga Guard am Amalie-Dietrich-Platz in Gorbitz.

Übrigens handelt es sich dabei um ein israelisches Selbstverteidigungssystem, also um kampferprobte Techniken, die auch nur für diesen Zweck erlernt werden. Wettkämpfe gibt es in Krav Maga nicht.

Informationen und Anmeldung zu den regelmäßigen Kursen sowie das Selbstschutzseminar für Frauen, das am 1. und 2. April, jeweils von 9 bis 15 Uhr in der Turnhalle Zinzendorfstraße 4 stattfindet, unter www.essential-fightarts.de