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Dresdner Höhenpromenade ist fertig

Zu DDR-Zeiten war sie die Flaniermeile von Gorbitz - nun leben dort vor allem Senioren. Wie eine Genossenschaft auf die große Nachfrage reagiert.

Von Nora Domschke
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Die Höhenpromenade in Gorbitz bietet Senioren alles, was das Herz begehrt: Neben mehr als 370 barrierefreien Wohnungen gibt es auch eine Fitness-Oase, die nicht nur Inge Drescher zum Sporteln nutzt.
Die Höhenpromenade in Gorbitz bietet Senioren alles, was das Herz begehrt: Neben mehr als 370 barrierefreien Wohnungen gibt es auch eine Fitness-Oase, die nicht nur Inge Drescher zum Sporteln nutzt. © Sven Ellger

Dresden. Ihr Umzug war nicht weit - doch verschiedener hätte ihr Wohnumfeld nicht sein können. Gisela und Wolf-Eberhard Müller haben vor zwei Jahren ihre Altbauwohnung in Cotta nach 20 Jahren aufgegeben, um noch einmal neu anzufangen. Mit Mitte und Ende 70 haben sie eine neue Wohnung gesucht, in der sie alt werden können, auch wenn der Körper nicht mehr so gut mitspielt. In Gorbitz sind sie fündig geworden. An der Höhenpromenade hat die Eisenbahner Wohnungsgenossenschaft (EWG) in den vergangenen 13 Jahren für rund 28 Millionen Euro mehr als 370 Plattenbauwohnungen in barrierefreie Seniorendomizile verwandelt. Aufzug, Dusche mit flachem Einstieg, Nachbarn im gleichen Alter, Sportmöglichkeiten - das kommt bei den Dresdner Rentnern gut an.

"Die Warteliste ist lang", bestätigt Antje Neelmeijer, Vorstand der EWG. Für eine Kaltmiete werden pro Quadratmeter zwischen 6 und 7,80 Euro fällig - abhängig davon, wie lange jemand in der EWG Mitglied ist. Ziel war es, langjährige Genossenschaftsmitglieder im Stadtteil zu behalten. Aber auch neue Mieter seien von außerhalb dazugekommen. "Das alles wirkt sich stabilisierend aus auf die Bewohnerstruktur in dem oft unterschätzten Stadtteil Gorbitz und steigert dessen Attraktivität", so Antje Neelmeijer. Ende der 1980er-Jahre war das damals neu gebaute Viertel beliebt, vor allem bei Familien.

Nach der politischen Wende zogen viele fort, in andere Stadtteile mit schön sanierten Altbauwohnungen. Seitdem genießt Gorbitz einen eher zweifelhaften Ruf. Preiswerte Mieten zogen jene an, die wenig verdienen, nicht gut gebildet sind, auch Kriminalität spielt im Stadtteil eine größere Rolle als anderswo. Das soll sich mit einem besseren sozialen Mix nun ändern.

Dieses Foto wurde 1988 am Amalie-Dietrich-Platz aufgenommen. Sieben Jahre zuvor wurde für das moderne Stadtviertel Gorbitz der Grundstein gelegt, nach der Wende zogen aber viele Bewohner fort.
Dieses Foto wurde 1988 am Amalie-Dietrich-Platz aufgenommen. Sieben Jahre zuvor wurde für das moderne Stadtviertel Gorbitz der Grundstein gelegt, nach der Wende zogen aber viele Bewohner fort. ©  privat

Doch auch die Stadt hat ihren Anteil an einem attraktiveren Gorbitz. Von 2012 bis 2015 wurde die Höhenpromenade - die Fußgängerzone zwischen Amalie-Dietrich- und Merianplatz - neu gestaltet, ist seitdem barrierefrei und grüner, geschwungene Wege führen zu Ruheplätzen mit Bänken. Mit dem Ende der Wohnungs- und Haussanierungen ist die Höhenpromenade in Gorbitz nun fertig.

Das feierte Antje Neelmeijer jetzt mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Denn auf der ehemaligen DDR-Vorzeige-Flaniermeile, damals von Geschäften und Gaststätten geprägt - ist wieder Leben eingezogen. Anders als Ende der 1980er-Jahre leben dort heute vor allem ältere Mieter mit anderen Ansprüchen. Sie finden dort nicht nur altersgerechte Wohnungen, sondern auch die passende Infrastruktur. Es gibt einen Zahnarzt, eine Physiotherapie, den Nachbarschaftshilfeverein und auch ein Bürgerbüro. Antje Neelmeijer wünscht sich noch einen weiteren Arzt, der sich an der Höhenpromenade niederlässt.

An der Höhenpromenade in Gorbitz sind nun auch alle Wohnhäuser saniert . Wo sich früher Geschäfte befanden, sind nun Vereine und Initiativen eingezogen.
An der Höhenpromenade in Gorbitz sind nun auch alle Wohnhäuser saniert . Wo sich früher Geschäfte befanden, sind nun Vereine und Initiativen eingezogen. © Sven Ellger

Ob die Senioren, die hier wohnen, überhaupt so oft einen Arzt oder Physiotherapeuten brauchen, ist allerdings fraglich. Denn auch in anderer Hinsicht hat die EWG an die Gesundheit ihrer betagten Mieter gedacht. In Höhe de Leutewitzer Rings 35 hat die Genossenschaft eine Fitness-Oase eingerichtet. Dort trainiert Inge Drescher regelmäßig an den Geräten. Ältere Damen, auch aus anderen Vierteln in Gorbitz, treffen sich hier nicht nur zum Plausch, sondern radeln, rudern oder stemmen leichte Gewichte. Auf der Lauf- und Rollerbahn haben die Kleinen ihren Spaß auf dem Bobbycar.

Auch der Oberbürgermeister findet viele lobende Worte für das Engagement der EWG. Und stellt in Aussicht, dass die Stadt künftig enger mit den Wohnungsanbietern in den großen Dresdner Vierteln zusammenarbeiten will. Mit den Seniorenwohnungen habe die EWG den richtigen Nerv getroffen, dennoch sollen diese Wohngebiete noch attraktiver werden. Hilbert spricht etwa von weiteren Förderprogrammen, die dafür genutzt werden sollen. Für das EWG-Bauprojekt mit den seniorengerechten Wohnungen hat die Stadt rund eine Million Euro an Städtebaufördermitteln eingeworben. Insgesamt sind knapp 2,2 Millionen Euro Fördergeld in die Höhenpromenade geflossen.