merken
PLUS Dresden

Dresdner Kita schließt: Lösung für Vorschulkinder gefunden

Die Stadt wollte den Vertrag für eine Hellerauer Kita nicht verlängern, nun gibt es einen Kompromiss. Gerettet ist die Kita damit nicht.

Peggy Bode, Juliane Sonntag, Anke Weidlich und Galina Ruppert (v.l.) waren sogar im Rathaus, um für ihre Kita zu kämpfen, die geschlossen werden soll.
Peggy Bode, Juliane Sonntag, Anke Weidlich und Galina Ruppert (v.l.) waren sogar im Rathaus, um für ihre Kita zu kämpfen, die geschlossen werden soll. © Marion Doering

Dresden. Es herrscht buntes Treiben auf dem Spielplatz am Hellerauer Markt. Kinder wuseln auf den Klettergerüsten, erklimmen die Rutsche und verstecken sich in kleinen Holzhütten. Ihre Mütter haben an diesem Tag keine Augen für das wilde Spiel. Sie diskutieren laut, heben die Hände, schütteln die Köpfe. "Ich kann es immer noch nicht verstehen", sagt Galina Ruppert. Sie gehört zum Elternrat ihrer Kita, den "Hellerauer Gartenkindern". Diese soll Ende 2024 schließen.

Bei den betroffenen Familien ist es seit Wochen das Dauerthema. Mit einem offenen Brief hatten sie sich an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gewandt, in der Hoffnung, die Schließung noch abwenden zu können. Ende Juli luden Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) und Dresdens Kita-Chefin Sabine Bibas die Mütter ins Rathaus ein, erklärten ihnen erneut, warum die Kita in Hellerau nicht mehr benötigt wird.

Anzeige
Geld für Vereine, Projekte, mehr Zuversicht!
Geld für Vereine, Projekte, mehr Zuversicht!

Mit einem Crowdfundingprojekt unterstützt die Volksbank Dresden-Bautzen eG gemeinnützige Projekte.

Die Kita Hellerauer Gartenkinder. Foto: Sven Ellger Foto: Sven Ellger
Die Kita Hellerauer Gartenkinder. Foto: Sven Ellger Foto: Sven Ellger © Sven Ellger

Hintergrund sind die Mietkosten, die die Stadt derzeit für den schön sanierten Altbau am Moritzburger Weg bezahlt. Da der Mietvertrag Ende 2024 ausläuft und verlängert werden müsste, verzichtet die Stadt nun kurzerhand darauf und schafft stattdessen neue Kita-Plätze in einem größeren Neubau am Dörnichtweg in Klotzsche. Der Bedarf an Betreuungsplätzen soll künftig vor allem in Kitas auf städtischen Grundstücken abgedeckt werden - auch, um langfristig Geld zu sparen.

Für die Hellerauer Mütter ist das keine Alternative, sie wollen ihre Idyllisch im Grünen gelegene Kita im beschaulichen Hellerau unbedingt behalten.

Die Mütter schwärmen von dem tollen Haus, in dem die Kleinen altersübergreifend betreut werden, loben die engagierten Erzieher und betonen, wie wichtig vor allem die 50 Krippenplätze sind. "Viele Mütter sind auf die zeitige Betreuung ihrer Kinder angewiesen", sagt Juliane Sonntag, die selbst als Erzieherin in einer Kita arbeitet. Die "Gartenkinder" nehmen die Kleinen schon im Alter von einem Jahr auf, am Dörnichtweg werden die Kinder erst betreut, wenn sie zwei Jahre alt sind. "Die Krippenplätze fehlen dann hier einfach."

Vorschulkinder müssten zweimal in kurzer Zeit wechseln

Dazu kommt eben der Verlust ihrer Kita, in der "alles fast perfekt ist" - da sind sich die Mütter einig. Die Vorstellung, ihre Kinder später in die große Kita nach Klotzsche bringen zu müssen, erfüllt sie mit Unbehagen. Bei Galina Ruppert ist dieses schlechte Gefühl besonders groß. "Einige Kinder trifft die Schließung zu diesem Zeitpunkt besonders hart", sagt sie. Dazu zählt auch ihr eigener Sohn, der Ende 2024 Vorschulkind ist. Das letzte Jahr im Kindergarten zählt ohnehin zu den besonders wichtigen, die Kinder sind die "Großen" und werden schon ein wenig auf die bevorstehende Schulzeit vorbereitet.

"Mein Sohn wechselt dann zuerst in die neue Kita, muss sich mit anderen Kindern und Erziehern zurechtfinden - und wenn er sich gerade eingewöhnt hat, wechselt er in die Schule." Dieses halbe Jahr in der neuen Einrichtung und die beiden Wechsel in kurzer Zeit würde sie ihrem Kind gern ersparen. Im Gespräch mit Donhauser und Bibas sei das durchaus ein Thema gewesen, sagt Galina Ruppert. Recht schnell stand jedoch fest: Von der Schließung rückt die Stadt nicht ab. Das hatte Donhauser schon vor dem Gespräch deutlich gemacht.

"Es lohnt sich doch, Lösungen einzufordern"

Am Ende des Termins standen immerhin zwei Vorschläge, die das Ganze für die Kinder erträglicher machen würden. Zum einen wünschten sich die Eltern, dass die Kinder in einer Gruppe und gemeinsam mit einem bekannten Erzieher in die neue Kita wechseln können. Die zweite Idee sieht vor, dass der Mietvertrag noch einmal verlängert wird, sodass die Vorschulkinder nicht wenige Monate vor der Schuleinführung ihre Einrichtung wechseln müssen. "Nach dem Gespräch wurde uns gesagt, dass wir in einem halben Jahr Bescheid bekommen, ob daraus was wird", berichtet Anke Weidlich, Vorsitzende des Elternrates.

Damit sei die Hoffnung auf eine Lösung für die Kinder geschwunden. "Wir haben das Gefühl, dass wir so lange hingehalten werden, bis sich an der Sache wirklich gar nichts mehr ändern lässt."

Auf SZ-Anfrage bestätigt der Geschäftsbereich Bildung, dass am Tisch des Bildungsbürgermeisters "zwei Prüfaufträge" vereinbart worden seien. "Beide konnten mittlerweile durch die Verwaltung mit positivem Ergebnis abgeschlossen werden." So habe der Vermieter der Kita zugestimmt, den Mietvertrag bis zum Ende des Schuljahres 2024/25 zu verlängern. "Damit ist sichergestellt, dass alle Vorschulkinder bis zu ihrer Einschulung im Herbst 2025 gemeinsam weiter in der Kita betreut werden können", so die Stadt.

Zudem werde der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen als Träger der Hellerauer Kita dafür Sorge tragen, heißt es weiter, "die betroffenen Eltern individuell bei ihrem Wechsel in alternative Einrichtungen zu beraten und zu unterstützen." Was das nun konkret für die Familien heißt und ob die Kinder als eine Gruppe in die neue Kita wechseln können, bleibt unklar.

Weiterführende Artikel

"Satt, sauber, unverletzt - das reicht uns nicht"

"Satt, sauber, unverletzt - das reicht uns nicht"

Viele Erzieher kommen bei der Betreuung der Kinder an ihre Grenzen. Was die Arbeit so anspruchsvoll macht und die Leiterin einer Dresdner Kita dagegen unternimmt.

Galina Ruppert ist trotzdem glücklich, als sie von der Verlängerung des Mietvertrages erfährt. "Ich bin erleichtert und froh, dass mein Sohn sein Vorschuljahr nun unbeschwert in seiner gewohnten Kita erleben darf und sich dann hoffentlich auf die Schule freut", sagt die Mutter. "Und man sieht: Es lohnt sich doch, für eine Sache zu kämpfen und Lösungen einzufordern."

Mehr zum Thema Dresden