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Dresdner Dauerprojekt Erlwein-Villa fertig

In der Strehlener Villa wohnte einst Stadtbaurat Hans Erlwein. Warum bei der Sanierung viele Ämter beteiligt waren und was dort entstanden ist.

Viele Jahre war sie in einem zugewachsenen Grundstück versteckt und verfiel. Nun ist die Erlwein-Villa fertig saniert.
Viele Jahre war sie in einem zugewachsenen Grundstück versteckt und verfiel. Nun ist die Erlwein-Villa fertig saniert. © Franz Holzapfel Unternehmensgruppe

Dresden. Mehr als 20 Jahre hat es gedauert - nun ist die Erlwein-Villa im Dresdner Stadtteil Strehlen fertig saniert. Investor Franz Holzapfel, der die Ruine 1998 entdeckt und ein Jahr später gekauft hatte, kann sich vom Ergebnis der Bauarbeiten allerdings  nicht mehr persönlich überzeugen. 

Er verstarb im Juni vergangenen Jahres. Das Bauprojekt Erlwein-Villa dürfte ihn einiges an Nerven gekostet haben. Holzapfels Projektleiter und Architekt Harro Tippmann ermöglicht nun dennoch einen Einblick in das denkmalgeschützte, sanierte Gebäude. 

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Von 1904 bis 1914 lebte hier der Dresdner Stadtbaurat Hans Erlwein. Damals waren die Bäume im Park noch nicht so hoch, sodass er einen herrlichen Ausblick Richtung Großer Garten genießen durfte. 

Diese Bäume, die nun mehr als 100 Jahre später ziemlich hoch gewachsen sind, sollten Franz Holzapfel später Sorgen machen. Denn der Investor hatte eigentlich einen ganz anderen Plan für das Grundstück. 

1869 als Wohnhaus errichtet, von 1952 bis 1995 als Kindergarten genutzt - die Geschichte der Erlwein-Villa ist vielseitig. Bis zum Beginn der Sanierung 2018 stand sie leer.
1869 als Wohnhaus errichtet, von 1952 bis 1995 als Kindergarten genutzt - die Geschichte der Erlwein-Villa ist vielseitig. Bis zum Beginn der Sanierung 2018 stand sie leer. © Christian Juppe
2016 genehmigte die Stadt den Umbau, 2018 begannen die Sanierungsarbeiten auf dem Grundstück an der Elsa-Brandström-Straße. 
2016 genehmigte die Stadt den Umbau, 2018 begannen die Sanierungsarbeiten auf dem Grundstück an der Elsa-Brandström-Straße.  © René Meinig
Kaum wiederzuerkennen: Mit der Sanierung der verfallenen Erlwein-Villa bekommt Dresden ein Stück Stadtgeschichte zurück. 
Kaum wiederzuerkennen: Mit der Sanierung der verfallenen Erlwein-Villa bekommt Dresden ein Stück Stadtgeschichte zurück.  © Franz Holzapfel Unternehmensgruppe

Um die Sanierungskosten von mehr als drei Millionen Euro für die verfallene Villa abzufangen, wollte Holzapfel ursprünglich auf dem unteren Teil des 14.000 Quadratmeter großen Areals Neubauten errichten. 

Doch damit geriet er ins Visier der verschiedenen Dresdner Ämter: Sowohl das Denkmalschutzamt als auch das Umweltamt lehnten seinen Plan aus verschiedenen Gründen ab. Die Denkmalschützer argumentierten mit historischen Sichtachsen, die durch Neubauten gestört wären. Die Umweltschützer wollten das Biotop samt Lebensraum für den Juchtenkäfer erhalten.

Auch mit der unteren Forstbehörde bekam es der Investor später zu tun: Sie pochte darauf, dass der Wald, der in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Grundstück entstanden ist, so gepflegt wird, dass von den Bäumen keine Gefahr ausgeht, etwa durch Umstürzen oder Abbrechen von Ästen. 

Weil zwei Stürme 2017 und 2018 mehrere stattliche Bäume umstürzten, ließ der Investor etliche alte Exemplare 2019 fällen. Doch auch das sorgte für reichlich Ärger, weil die Genehmigung dafür fehlte.

Die Keller waren besonders aufwendig zu sanieren, denn sie wurden in den vergangenen Jahrzehnten nicht genutzt und waren deshalb nicht abgedichtet.
Die Keller waren besonders aufwendig zu sanieren, denn sie wurden in den vergangenen Jahrzehnten nicht genutzt und waren deshalb nicht abgedichtet. © PR
Alte Architektur und moderne Raumnutzung - neue Oberlichter bringen viel Tageslicht ins Innere der Villa.
Alte Architektur und moderne Raumnutzung - neue Oberlichter bringen viel Tageslicht ins Innere der Villa. © PR
Was erhalten war, wurde aufgearbeitet, andere Details wie Türen oder Fensterrahmen mussten nachgebaut werden.
Was erhalten war, wurde aufgearbeitet, andere Details wie Türen oder Fensterrahmen mussten nachgebaut werden. © PR

Nun ist die Sanierung des Dauerprojekts Erlwein-Villa abgeschlossen. Anstatt Wohnungen - wie einst geplant - sollen nun Büros in den alten Mauern einziehen. Obwohl das Gebäude von 1889 bis 1952 als Wohnhaus genutzt wurde - danach war es bis 1995 ein Kindergarten - wären die Umbauarbeiten für Wohnzwecke zu aufwendig und auch nicht im Sinne des Denkmalschutzes gewesen. 

Dass es die eine oder andere Überraschung bei der Sanierung geben würde, sei von vornherein klar gewesen, so Tippmann. Was an Originalsubstanz erhalten war, wurde aufgearbeitet, viele andere bauliche Details auch anhand historischer Fotos nachgebildet. 

Wie etwa die alten Holzelemente an der Fassade des alten Kutscherhauses, das sich neben der Villa auf dem Grundstück befindet. Im alten Bad des Kindergartens tauchten bei den Abrissarbeiten unter dem Estrich eine in den Boden eingelassene Badewanne und Stuck auf. 

"Das zeigt, mit welchem Luxus die Villa einst ausgestattet war", so Tippmann. Die Badewanne ist heute noch sichtbar - sie wurde aufgearbeitet und mit einer begehbaren Glasscheibe im Fußboden versehen. 

Mit der Sanierung und der neuen Nutzung geht nun ein Bauvorhaben zu Ende, das mehr als zwei Jahrzehnte gedauert hat. Dresden hat damit auch ein Stück Stadt- und Architekturgeschichte zurückbekommen. 

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