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Große Pläne für Psychiatrie am Weißen Hirsch

Die Dresdner Klinik soll ausgebaut und um zwei Wohnheime erweitert werden. Ein Umzug nach Neustadt kommt für die Stadt nicht in Frage.

Das Zentrum für Psychische Gesundheit auf dem Weißen Hirsch in Dresden.
Das Zentrum für Psychische Gesundheit auf dem Weißen Hirsch in Dresden. © Sven Ellger

Dresden. Bis zum Jahr 2035 soll das Städtische Klinikum Dresden umstrukturiert werden. Aus dem Krankenhaus Trachau soll ein Gesundheitszentrum werden, mit Notaufnahme, Pflegebetten, Tagespflege, Demenz-Wohngemeinschaften und ambulanten Operationssälen. In Friedrichstadt würde die stationäre Versorgung konzentriert, in Bühlau die psychische Gesundheit. Psychiatrie-Experten befürworten nun, dass der Standort am Weißen Hirsch erhalten bleibt.

Die ruhige, grüne Lage am Rande der Dresdner Heide sei laut Einschätzung der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft prädestiniert für das Fachzentrum mit 220 Betten. Der Bedarf an gemeindenaher psychiatrischer Versorgung werde in den kommenden Jahren weiter anwachsen, dafür bietet der Campus ausreichend Potenzial, heißt es. Die Arbeitsgemeinschaft empfiehlt daher, die Pläne möglichst schnell umzusetzen.

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Psychiatrie-Außenstelle in Friedrichstadt geplant

"Wir haben dieses Konzept gemeinsam mit den Chefärzten des Zentrums für psychische Gesundheit unseres Klinikums und der städtischen Psychiatriekoordinatorin erarbeitet", sagte Chefarzt Burkhard Jabs am Dienstag. "Wir haben auch unsere Patientinnen und Patienten befragt, um ihren Belangen bestmöglich gerecht zu werden. Die überwältigende Mehrheit schätzt die Umgebung als wesentlich für ihre Heilung ein und bevorzugt die waldnahe Lage."

Die Klinik am Weißen Hirsch soll zu einem interdisziplinären Zentrum für die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen erweitert werden.
Die Klinik am Weißen Hirsch soll zu einem interdisziplinären Zentrum für die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen erweitert werden. © Sven Ellger

Konkret sehen die Pläne vor, am Weißen Hirsch die dort bereits vorhandene Klinik mit der Friedrichstädter Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie zu einem interdisziplinären Zentrum für die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen zusammenzuführen. Der geplante Neubau biete aus Sicht der Stadt und der Leitung des Städtischen Klinikums beste zeitgemäße Bedingungen für Patienten sowie die Beschäftigten. Eine Tagesklinik und die Psychiatrische Institutsambulanz für chronisch psychisch kranke Menschen würden das Fachzentrum vervollständigen. 

Sollten Patienten wegen körperlicher Leiden Hilfe benötigen, würden diese in Friedrichstadt behandelt. Dort soll eine Außenstelle mit 20 geschützten und 20 offen geführten Betten entstehen. Diese stünden auch psychisch Erkrankten zur Verfügung, die im äußersten Westen Dresdens lebten und somit einen weiten Weg nach Bühlau haben. 

Selbstmordgefahr am Neustädter Krankenhaus zu groß

Ergänzt werden könnte der Standort am Weißen Hirsch um eine sozialtherapeutische Wohnstätte für bis zu 36 Menschen mit schweren psychischen Einschränkungen. "Eine solche Einrichtung wird in Dresden dringend benötigt", so die Stadt. Die Wohnstätte soll von einem Kooperationspartner betrieben werden. Zusätzlich werde ein Heim für psychisch vorerkrankte Senioren erwogen, für das es ebenfalls großen Bedarf gebe. Die Gesamtkosten schätzt die Verwaltung auf rund 95,5 Millionen Euro. Kommen soll das Geld über Fördermittel vom Freistaat sowie von der Landeshauptstadt selbst.

Am Weißen Hirsch gibt es neben Akutstation und Allgemeinpsychiatrie bereits je eine Station für Suchtbehandlung, Psychotherapie, chronische Depression und Alterspsychiatrie. In Zukunft wolle man die Zusammenarbeit mit dem Dresdner Uniklinikum ausbauen. Andere Standorte sind in den vergangenen Monaten in Erwägung gezogen worden. In Friedrichstadt gebe es aber zum Beispiel nicht genügend Platz. In Trachau müsste umfangreich umgebaut werden. Und selbst dann wären die Bedingungen nicht optimal, heißt es. "Die Lage nur 100 Meter entfernt von einem gut sichtbaren, erhöhten Bahndamm mit deutlich hörbarem, hochfrequentem Zugverkehr spricht gegen die stationäre Behandlung von suizidalen Hochrisikopersonen."

Linke will neues Klinik-Gutachten beauftragen

Ob die Umstrukturierung so kommen wird, wie sich Klinikleitung und Stadtverwaltung das vorstellen, ist noch ungewiss. Der Stadtrat hat das letzte Wort. So gab es bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss in der vergangenen Woche einige Kritik an den Plänen, in Trachau keine stationäre Versorgung mehr anzubieten. Experten schlugen sogar vor, dort alle Fachrichtungen zu bündeln, bei denen Operationen normalerweise planbar sind. In Friedrichstadt stünde dann die Versorgung von Schwerstkranken und -verletzten im Vordergrund. 

Die Linke spricht sich nun für ein Gegengutachten bei unabhängigen Sachverständigen aus. "Einen Abbau von Planbetten und damit von Pflegepersonal lehnt Die Linke ab", sagte Stadtrat Jens Matthis. Das aktuelle Gutachten ist von Unternehmensberatern von Ernst & Young, Vertretern der Stadtverwaltung und der Klinikleitung sowie in Begleitung von Ärzten, Personalvertretern und Stadträten entstanden.

Klinik-Direktor Marcus Polle argumentierte dagegen. Das Neustädter Krankenhaus sei ein ehemaliges, denkmalgeschütztes Pflegeheim und nie als Krankenhaus konzipiert gewesen. Die Bausubstanz erlaube es nicht, daraus eine moderne Klinik zu machen, auch nicht für rein planbare Eingriffe.

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