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Leutewitzer Park: Wald oder Wohnungen?

Im Dresdner Westen sollen Bäume für Wohnhäuser weichen. Dagegen hat sich Protest formiert. Wie eine Bürgerinitiative den Wald retten will.

Eine Bürgerinitiative will verhindern, dass Bäume am Leutewitzer Park für neue Wohnhäuser abgeholzt werden. Anwohnerin Sina Burkert (vorn rechts) hat die Initiative 2019 mit ins Leben gerufen.
Eine Bürgerinitiative will verhindern, dass Bäume am Leutewitzer Park für neue Wohnhäuser abgeholzt werden. Anwohnerin Sina Burkert (vorn rechts) hat die Initiative 2019 mit ins Leben gerufen. © Sven Ellger

Dresden. Auf einem ehemaligen Gärtnerei-Areal am Leutewitzer Park sollen neue Wohnungen entstehen. Dafür soll nun ein Bebauungsplan aufgestellt werden - so hat es der Bauausschuss im Juni 2019 beschlossen. Im September 2019 reichte daraufhin der Investor die entsprechenden Unterlagen und einen ersten Entwurf für das Bauprojekt ein. Demnach sind 48 Wohnungen in acht Mehrfamilienhäusern geplant, die sich in zwei Reihen an die bereits bestehenden Gebäude an der Ockerwitzer Straße anschließen sollen. Im südlichen Teil sind private Grünflächen, Wiese und ein Waldsaum angedacht. "Dieser Entwurf wurde bisher nicht bestätigt", teilt das Stadtplanungsamt nun auf Anfrage mit.

Das Areal, auf dem gebaut werden soll, ist in den letzten Jahren verwildert, Bäume und Sträucher sind gewachsen. Im noch gültigen Flächennutzungsplan ist der Bereich als Wohnbaufläche mit hohem Grünanteil eingeordnet, im künftigen Flächennutzungsplan als Fläche für Wald- und Flurgehölze. Und diese wollen die Bewohner des Viertels erhalten: Gegen die Wohnbaupläne hat sich Protest formiert. Zu den Gegnern gehören auch Mieter und Eigentümer von Neubauwohnungen an der Ockerwitzer Straße, die derselbe Investor errichtet hat. Die Uwe Köhn Unternehmensgruppe ist seit 1997 in Dresden im Geschäft, nun sollen weitere Wohnungen in bester Wohnlage am Leutewitzer Park folgen. 

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Forderung: Andere Brachen für Wohnbau nutzen

Einige Bewohner, die dagegen vorgehen, sind erst im vergangenen Jahr eingezogen, von einer geplanten Bebauung haben sie nach eigenen Angaben nichts gewusst. Der Ausblick ins Grüne hatte seinen Preis, der nun nicht mehr gerechtfertigt scheint. Gegründet hat sich die Bürgerinitiative im vergangenen Jahr, als die Neubaupläne öffentlich wurden. Dabei schienen sie bereits begraben, denn schon 2013 hatten sich Anwohner gegen das Bauvorhaben stark gemacht. Obwohl der Stadtbezirksbeirat Cotta im vergangenen Jahr die Neubaupläne ebenfalls ablehnte, entschied der Bauausschuss letztlich anders.

Doch die Bürgerinitiative, die sich jetzt "Ein Wald für Cottas Klima" nennt und innerhalb eines Jahres von 17 auf rund 100 Unterstützer angewachsen ist, will nicht aufgeben. In einer großen Aktion fordern sie die Rettung des Waldes, der sowohl ökologisch als auch gesellschaftlich eine wichtige Funktion habe. "Wir vertreten den Standpunkt, dass Wohnungsbau in Dresden wichtig ist", so die Bürgerinitiative. Aber die Nutzung von Bauland und die Umwandlung bestehender Brachen müsse Vorrang vor der Rodung des Waldes am Leutewitzer Park und der Zerstörung natürlicher Lebensräume haben.

Bauausschuss muss entscheiden

Mit ihrem Protest richten sich die Leutewitzer nun vor allem an die Politik, die über das Vorhaben entscheiden wird. Mit dem Beschlusses vom Bauausschuss im vergangenen Jahr wurde die Stadtverwaltung damit beauftragt, "die Voraussetzungen für eine wohnbauliche Entwicklung zu schaffen", so das Stadtplanungsamt, das nun eine entsprechende Vorlage erarbeitet hat. Dabei geht es aber zunächst nur um die Einleitung des sogenannten Bauleitplanverfahrens und den künftigen Geltungsbereich. Noch nicht festgelegt werden etwa Ausgleichmaßnahmen, die für die Rodung des Waldes erfolgen müssten. Das ist dann erst Bestandteil des Planverfahrens. Soweit will es die Bürgerinitiative aber gar nicht erst kommen lassen und hofft, dass der Bauausschuss doch noch in ihrem Sinne einlenkt.

Aufgrund der Corona-Einschränkungen konnte die Vorlage bislang nicht im Bauausschuss behandelt werden. Das ist nun für den 9. September vorgesehen. Schon einen Tag darauf wird sich der Stadtbezirksbeirat Cotta damit befassen, der allerdings lediglich eine Empfehlung abgeben kann. Letztlich wird der Bauausschuss darüber entscheiden, ob der Wald bleibt oder Wohnungen weichen muss.

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