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Neuanfang nach dramatischem Jahr

Erst brach sie sich bei einem Sturz das Genick, dann verlor Beate Meyer auch noch ihren Partner. Die Stiftung Lichtblick half ihr beim Weg zurück ins Leben.

Beate Meyer fühlte sich vom Pech verfolgt. Nun hat sie wieder Lust am Leben.
Beate Meyer fühlte sich vom Pech verfolgt. Nun hat sie wieder Lust am Leben. © privat

Dresden. Vielen wird dieses Jahr nicht gerade in guter Erinnerung bleiben. Dafür waren die Corona-Krise und ihre Folgen zu allgegenwärtig. Beate Meyer dagegen hat das Jahr Glück gebracht. Endlich mal wieder Glück.

Das Jahr 2019 dagegen hatte ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt und ihr fast alles genommen, was ihr wichtig war. "Das ging alles so schnell", erinnert sich die 66-Jährige. "Zwischendurch hatte ich gar keine Zeit, mir bewusst zu werden, was da eigentlich passiert ist."

Nach einer Virusinfektion quälte sich Beate Meyer eines Nachts im Januar 2019 ins Bad. Dort brach ihr Kreislauf zusammen und sie stürzte auf den Boden. Ihr Partner im Bett bekam davon nichts mit. "Das Bad sah aus wie ein Schlachtfeld, aber das habe ich in dem Moment gar nicht realisiert." Stattdessen habe sie die Platzwunde am Kopf mit einem Taschentuch bedeckt und sich wieder ins Bett gelegt. Erst als Udo sie am nächsten Morgen sah, rief er den Notdienst.

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Was bei den ersten Röntgenuntersuchungen in der Notfallaufnahme zunächst übersehen wurde: Beate Meyer hatte sich einen Halswirbel angebrochen. Ein kompletter Bruch hätte ihr das Leben kosten können. "Seit diesem Tag feiere ich zweimal im Jahr Geburtstag", sagt sie. Nur langsam kam sie im Jahr 2019 wieder auf die Beine.

"Ich habe immer sehr gern gemalt, aber seit dem Unfall kann ich den Kopf nicht mehr lange halten", sagt sie. "Mit diesen Einschränkungen muss ich jetzt leben." Immerhin stand ihr in dieser schweren Zeit ihr Udo zu Seite, mit dem sie 30 Jahre lang zusammen war. An dem großen Altersunterschied von 13 Jahren haben sich die beiden nie gestört.

Beates Meyers Lebenspartner Udo erlag einem Krebsleiden.
Beates Meyers Lebenspartner Udo erlag einem Krebsleiden. © privat

Im Herbst dann aber der nächste Schicksalsschlag: Bei Udo wurde ein bösartiger, beidseitiger Schmetterlingstumor im Kopf entdeckt. "Bis dahin war er nie krank gewesen, hatte nicht mal einen Schnupfen. Er war kerngesund." Nun aber gaben ihm die Ärzte maximal noch Zeit bis Weihnachten. Wie sollte sie das noch einmal durchstehen? Viele Jahre zuvor war bereits ihr Ehemann, der Vater ihrer beiden Töchter, bei einem Unfall tödlich verunglückt.

Bald schon machte nun der Tumor auf sich aufmerksam. Udo konnte immer schlechter sprechen und redete irgendwann kaum noch. "Auch die Beine begannen, wegzusacken und ich musste ihn trotz meines Halswirbels auffangen", sagt Beate Meyer.

Wenige Wochen später schlief er ein. "Für ihn ging es zum Glück sehr schnell, aber für mich war es hart." Allein in der schönen Wohnung in Löbtau konnte sie es kaum aushalten. Alles dort erinnerte sie an ihn und sie fühlte sich einsam.

Erst der Gedanke an einen Umzug gab ihr neue Kraft. Sie würde nach Bayern ziehen, beschloss sie. In die Nähe ihrer jüngsten Tochter und der fünfjährigen Enkelin Georgina. Da sie den Umzug allerdings mit ihrer kleinen Rente finanziell kaum stemmen konnte, suchte sie sich Helfer zusammen. Dann kam allerdings die Corona-Krise, und sie war gezwungen, doch ein Umzugsunternehmen zu beauftragen, das plötzlich dreimal so viel kostete. Geld, das sie nicht hatte.

"Die erste positive Nachricht"

Gearbeitet hatte Beate Meyer bis zur Wende im Dresdner Bauamt. Danach handelte sie selbstständig mit Gewürzen, musste wegen eines kaputten Knies aber mit 65 aufhören. Gerade einmal 670 Euro bleiben ihr seitdem monatlich.

Dazu kam, dass kurzfristig der Nachmieter in Dresden absprang und sie monatelang doppelt Miete zahlen musste. Da sie nicht mit Udo verheiratet war, erhält sie nun auch keine zusätzliche Rente.

"Als die Stiftung Lichtblick mir auf Initiative der Stadt die Unterstützung für den Umzug zusagte, war das für mich die erste positive Nachricht seit meinem Unfall", sagt Beate Meyer. "Ein echter Lichtblick eben." Die Nachricht habe der gebürtigen Dresdnerin die Hoffnung und Kraft gegeben, ihren Umzug als Chance zum Neubeginn empfinden zu können.

"Die Luftveränderung hat mir sehr gut getan", sagt Beate Meyer heute. "In Bad Berneck fühle ich mich sehr wohl und wurde hier auch gut aufgenommen."

Natürlich könne sie die Geschehnisse des vergangenen Jahres nicht einfach so ausblenden, aber vielleicht, so hofft sie, habe sie weiteren Schicksalsschlägen den Weg abgeschnitten.

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