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Was Dresden beim Sachsenbad "unterlassen" hat

Nach dem Vorschlag, wie das Denkmal doch saniert und als Bad erhalten werden kann, sehen die Denkmalschützer die Stadt in der Verantwortung und üben Kritik.

Das Sachsenbad dümpelt vor sich hin, jetzt gibt es eine neue Idee, es wieder zum Bad zu machen.
Das Sachsenbad dümpelt vor sich hin, jetzt gibt es eine neue Idee, es wieder zum Bad zu machen. © Sven Ellger

Dresden. Eigentlich sollte der Stadtrat bereits dem Zuschlag für den Verkauf des Sachsenbades zugestimmt haben. Weil ein Bürgerforum dazu wegen der Corona-Beschränkungen nicht durchgeführt werden konnte, hat der Dresdner Rat das Thema zunächst verschoben.

Nun gibt es einen neuen Vorschlag aus der Verwaltung. Mit diesem könnte das Bad in städtischer Hand, das Denkmal erhalten bleiben und das Bad wiederbelebt werden.

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Brausebad und Gymnastiksaal: Das war das Sachsenbad

1994 wurde das Sachsenbad in Pieschen geschlossen. Das denkmalgeschützte Gebäude braucht dringend eine Sanierung. Doch mangels Geldes ließ die Stadt es leerstehen und das historische Gebäude verfällt zusehend.

Das Gebäude war 1928/1929 nach den Plänen des damaligen Stadtbaurats Paul Wolf erbaut worden. Es verfügte über ein Römisches Bad und ein Dampfbad im Erdgeschoss, Massage- und Ruheräume und ein Schwimmbecken mit 25-Meter-Bahn auf elf Metern Breite.

Das Hallenbad war mit Fußbodenheizung und einem Restaurant ausgestattet. Dazu gab es eine Galerie für Zuschauer, um sich Wettkämpfe ansehen. Zudem verfügte das Bad über Wannen-, Brause- und Kurbäder im zweiten Obergeschoss und einen Gymnastiksaal im Dachgeschoss.

Es gilt als eines der wenigen noch erhaltenen Beispiele der Bauhaus-Moderne in Dresden. Verziert ist es mit Reliefs von Gustav Bach, dazu zählen etwa eine Wassernixe mit Fisch. Früher gab es dort neben Sport auch kulturelle Veranstaltungen wie Kurse, Lesungen und Ausstellungen.

Bereits seit Jahren sucht die Stadt einen Investor. Die Idee, dort wieder ein Schwimmbad anzusiedeln, war allerdings schnell vom Tisch. Zu teuer wäre es, ein Bad unter Denkmal-Auflagen einzubauen und zu betreiben. Ein Interessent wollte dafür pro Jahr 1,5 Millionen Euro Zuschuss von der Stadt, sonst sei es nicht wirtschaftlich.

Also wurden andere Nutzungen und Geldgeber dafür gesucht. Nun steht der Verkauf an. Das Sachsenbad soll als Denkmal erhalten bleiben, aber offenbar zum Bürokomplex mit Saunen und Gastronomie umfunktioniert werden.

Dagegen macht die Bürgerinitiative "Endlich Wasser ins Sachsenbad" mobil. Diese kämpft für den Erhalt des Gebäudes, möchte aber auch unbedingt das Bad wieder haben, da es für Dresden "unverzichtbar" sei.

Die Initiative ist zudem sauer auf die Stadt, dass sie das Gebäude überhaupt aus ihren Händen geben will. Dafür sei angeblich kein Geld da, aber für den Umbau des Heinz-Steyer-Stadions werde sogar ein Kredit über 37 Millionen Euro aufgenommen.

Standort wäre "ideal" für ein Bad

Nun mischt sich Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) in die Debatte um das Sachsenbad ein. Lames ist auch für Sport und damit die Bäder der Stadt zuständig.

"Der Standort in Pieschen entspricht dem, was im Bäderkonzept der Stadt steht." Derzeit wird ein neues Kombibad in Prohlis gebaut, dann ist eine neue Schwimmhalle in Klotzsche geplant.

"Laut Konzept soll es dann noch ein Bad in Blasewitz geben und eines im Bereich Pieschen/Neustadt, so Lames. Dafür wäre das Sachsenbad als Standort "ideal".

Aber die 1,5 Millionen Euro jährlicher Zuschuss entsprächen zwar den "realen Kosten", seien jedoch viel zu hoch. "In der Relation ist das deutlich außerhalb der Verhältnisse", so Lames. Schließlich würde die Stadt für alle Bäder zusammen pro Jahr acht bis zehn Millionen Euro zahlen - da seien 1,5 Millionen Euro Zuschuss für ein Bad nicht vertretbar.

Denkmalschutz ist das entscheidende "Hindernis"

Bürgermeister Lames sagt, die Anlage insgesamt stehe unter Denkmalschutz. "Das ist das entscheidende Hindernis. Denn dadurch sind keinerlei Veränderungen möglich." Deshalb seien die Kosten auch so hoch.

Eine Studie der städtischen Stesad hat ergeben, dass eine Sanierung als Bad mindestens 20 Millionen Euro kosten würde - eben wegen des Denkmalschutzes. Die Studie wurde 2018 veröffentlicht, ziemlich sicher wären die Kosten nun noch höher.

Zum Vergleich: In Prohlis wird für etwa diese Summe ein riesiges Hallen-Erlebnisbad mit Rutschen, Springerturm und ein Freibad mit großen Grünflächen gebaut, inklusive Saunen, die Wasserfläche allein in der Halle umfasst 740 Quadratmeter, geplant sind sechs 25-Meter-Bahnen und ein Bereich für Kleinkinder. "Im Sachsenbad bleibt die Wasserfläche gering", ist sich Lames bewusst.

Das ist die neue Idee fürs Sachsenbad

Aber der Bürgermeister möchte das Gebäude gerne bei der Stadt behalten und den Pieschenern das Baden darin wieder ermöglichen. "Denkbar wäre, eine Lösung gemeinsam mit dem Denkmalschutz zu suchen", so Lames.

Seine Idee: Die Außenwände zu erhalten und eine moderne Schwimmhalle hinein zu bauen. "Diese müsste selbstverständlich dem architektonischen Anspruch des Gebäudes gerecht werden", so Lames.

"Da kann nicht einfach eine Betondecke drauf, wie es bei Neubau-Bädern erfolgt." So könnten mit höheren Investitionskosten als bei einem neuen Bad aber "normale Betriebskosten" erreicht werden. "Dann wäre es realistisch, wieder Wasser ins Sachsenbad zu bekommen."

Die Stesad hat nun den Auftrag, eine weitere Studie zum Sachsenbad zu erstellen, mit Alternativen zum Verkauf. Lames habe angeregt, auch seine Idee zu prüfen und mit den Denkmalschützern abzustimmen.

"Dafür müssten Veränderungen im Sinne eines wohlverstandenen Denkmalschutzes möglich sein - derzeit werden noch zu sehr Steine bewahrt und zu wenig der Geist und die Aufgabe des Gebäudes." Wann die Stesad ihre Studie dazu fertig hat, steht noch nicht fest.

Was Denkmalschützer der Stadt anlasten

Die Reaktion des Landesamtes für Denkmalschutz lässt nicht lange auf sich warten. Sprecherin Sabine Webersinke widerspricht Bürgermeister Lames. "Die Denkmalschutzeigenschaft des Sachsenbades ist nicht entscheidendes Hindernis für seine Sanierung." Vielmehr stehe das Sachsenbad überhaupt noch, weil als Kulturdenkmal nach dem Sächsischen Denkmalschutzgesetz eingestuft ist und dem "dauerhaften Engagement der Stadtteilgesellschaft".

Webersinke stellt klar, dass das Gebäude als Bau der Moderne ein wichtiges Zeugnis dieser Epoche in Dresden sei. "Sein beklagenswerter Zustand, der für jeden Fall der Nutzung hohe Sanierungskosten mit sich bringt, ist allein der unterlassenen Verantwortungsausübung der Eigentümerin, der Landeshauptstadt Dresden, seit mehr als 25 Jahren geschuldet."

Die Tatsache, dass es sich um ein Denkmal handle, bedeute auch nicht, wie Lames anmerkt, dass dadurch keine Veränderungen möglich sind. "Vielmehr geht es um einen bewussteren Umgang mit der Substanz", so die Sprecherin. Laut Denkmalschutzgesetz geht es um die "geschichtliche, künstlerische, wissenschaftliche, städtebauliche oder landschaftsgestalterische Bedeutung" eines Objektes. "Die verkörpert sich selbstverständlich in seiner Bausubstanz."

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Zudem stellt die Sprecherin des Landesamtes fest: "Die Denkmalbehörden können auch nur beurteilen, was ihnen der jeweilige Eigentümer als Entwicklungskonzeption und Planung vorlegt." Die besagte Ausschreibung enthielt keine Nutzung als Bad, sondern für Gastronomie, Büros und Wellness - zeigte aber einen "sehr sorgfältigen Umgang mit der Substanz" und das sei für den Denkmalschutz entscheidend.

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