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Pflegekräfte protestieren am Dresdner Uniklinikum

Den Mitarbeitern geht es um die Arbeitsbedingungen. Sie seien ausgebrannt, sagen sie. Das Klinikum verweist auf Sonderzahlungen.

Pflegekräfte des Dresdner Uniklinikums protestieren am Montag gegen ihre Arbeitsbedingungen.
Pflegekräfte des Dresdner Uniklinikums protestieren am Montag gegen ihre Arbeitsbedingungen. © Sven Ellger

Dresden. Pflegekräfte des Dresdner Universitätsklinikums haben am Montagnachmittag eine Protestaktion gestartet. Die Mitarbeiter wenden sich gegen ihre Arbeitsbedingungen. "Wir sind ausgebrannt", ist auf den Schildern zu lesen gewesen. Und: "Gesundheit ist auch unser Recht."

Sie seien ausgebrannt nach den ganzen Monaten der Pandemie - emotional, aber auch körperlich, erzählt eine Pflegerin. „Es ist zu wenig Personal da für zu viele Patienten. Wir wollen wieder bessere Qualität in der Pflege.“ Ihren Namen möchte die Mitarbeiterin nicht nennen.

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Drei Intensivpatienten gleichzeitig betreuen

Etwa 80 Teil- und Vollzeit-Pfleger arbeiteten in dem sogenannten Pool, auf den Stationen zurückgreifen, wenn es bei ihnen personell gerade eng aussieht. Zehn von ihnen hätten in den vergangenen Monaten gekündigt, so die Pflegerin weiter. „Ein wenig Fluktuation hat es immer gegeben, aber gerade ist es besonders extrem." Alle seien vor Corona schon an der Belastungsgrenze gewesen, während der Hochzeit der Pandemie deutlich darüber gegangen und nun wieder am Limit.

Eigentlich gebe es einen Betreuungsschlüssel für die Intensivstationen, wonach sich ein Pfleger um höchstens zwei Patienten kümmern dürfe. Aktuell und während Corona habe der Schlüssel aber bei eins zu drei gelegen.

Ein weiteres Ärgernis, dass die protestierenden Pfleger ihrem Arbeitgeber vorwerfen: Einige von ihnen hätten keinen Corona-Bonus bekommen, andere nicht in voller Höhe. "Nun wollten wir in unserer Pause, vor oder nach dem Nachtdienst unseren Ärger zeigen."

Uniklinikum: Überstunden werden stets ausgeglichen

Die Pressestelle des Uniklinikums teilt mit, die Mitarbeiter hätten im Dezember und im Juni einen Bonus bekommen. Die Pfleger auf der Intensivstation hätten im Dezember zusätzliche Boni erhalten, zwischen 500 und 600 Euro. Im Juni dieses Jahres wären noch einmal 900 Euro ausgezahlt worden.

Gespräche über Arbeitsbedingungen und Bonus-Zahlungen habe es mit den Mitarbeitern immer wieder gegeben, bekräftigt das Uniklinikum. Die Mitarbeiter, die an diesem Montag protestieren, sagen hingegen, es habe zwar einen schriftlichen Austausch gegeben, aber keine Gespräche. „Es geht uns nicht nur um Geld, sondern darum, dass wir unserem Beruf noch gerne bis zur Rente machen wollen. Und dafür brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen", erzählt ein Pfleger. Immer wieder seien sie eingesprungen, hätten Überstunden gemacht und weit mehr als acht Stunden pro Tag gearbeitet. Die Uniklinik argumentiert, Überstunden würden stets ausgeglichen werden.

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Bernd Becker von Verdi betont, dass der Protest nicht von der Gewerkschaft organisiert wurde. Er weiß allerdings, worum es den Mitarbeitern geht. "Der Druck auf die Pflegekräfte während der Pandemie war und ist riesig", sagt er. Es sei eine Belastung für die Mitarbeiter gewesen, als die Arbeitszeiten während der Hochphase der Pandemie schon mal auf zwölf Stunden pro Schicht ausgedehnt worden seien.

Der Tarifabschluss für die Mitarbeiter sei erst zu Beginn diesen Jahres erfolgreich gewesen und gehe auch mit mehr Lohn für die Pflegekräfte einher.

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