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Prozess in Dresden: Mordauftrag übers Internet

Eine überidealisierte Beziehung und Eifersucht sind Gründe für einen Darknet-Mordauftrag. Nach zwei Monaten endet der Prozess gegen eine 42-Jährige aus Dresden.

Von Alexander Schneider
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Vor Gericht: In Dresden wird das Urteil über eine Frau gesprochen, die einen Auftragskiller im Darknet gebucht haben soll.
Vor Gericht: In Dresden wird das Urteil über eine Frau gesprochen, die einen Auftragskiller im Darknet gebucht haben soll. © René Meinig

Das Landgericht Dresden hat eine Angeklagte wegen versuchter Anstiftung zum Mord zu drei Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Mit dem Strafmaß folgte das Schwurgericht der Forderung von Oberstaatsanwalt Silvio Helmert. Es ist ein Urteil knapp über der Mindeststrafe von drei Jahren, so Richter Herbert Pröls, der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, am Dienstagnachmittag.

In seiner Begründung beschäftigte sich Pröls mit der 42-jährigen Ina R., ihrer skurrilen Beziehung zu ihrem knapp zehn Jahre jüngeren Ehemann aus Berggießhübel – und ihrem fatalen Entschluss, dessen neue Freundin von einem Auftragskiller aus dem Weg schaffen zu lassen. Am 23. Februar 2021 hatte sie den Mordauftrag auf einer Darknet-Seite namens „Internet Killer“ ausgelöst und rund 10.000 Euro in Form der Kryptowährung Bitcoin überwiesen. Es sollte wie ein Unfall aussehen, hatte sie auf einem Formular eingetragen, dazu Daten und Persönliches über das 24-jährige Opfer. Mit dem Druck auf den Knopf habe die Angeklagte die Dinge „aus der Hand gegeben“. Pröls sprach von einem tragischen Fall und einer Frau, von der man eine solche Tat eigentlich nicht erwarten würde.

Ein Killer als Notlösung?Für Ina R. sei der Mord der Konkurrentin die „Notlösung einer überidealisierten Partnerschaft“ gewesen. Ina R.s Mann hatte an der TU Dresden gearbeitet, wo sie jahrelang studiert hatte. Vom Kinderzimmer ihres Dresdner Elternhauses zog sie ins Kinderzimmer ihres späteren Ehemannes in Berggießhübel. 2018 kauften sie dort ein Haus, das erheblich renovierungsbedürftig war. Es war das große Projekt des Paars, doch schon vor der Heirat im Herbst 2019 kriselte es offenbar. Die spätere Freundin des Ehemannes war dessen Auszubildende, sie hatte beim Sanieren geholfen und immer wieder dort übernachtet. Die junge Frau war einziger Gast der Heirat, die das Paar „geheimgehalten“ habe, so Pröls.

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Für Ina R. habe der Tod ihres Vaters Anfang 2020 eine besondere Belastung dargestellt, doch ihr Mann sei mit der Auszubildenden in den Urlaub gefahren. Schon da habe sich R. vernachlässigt gefühlt. Zwar habe sie die junge Frau „um Abstand“ gebeten, doch „man merkt: Da hat sich was auseinandergelebt“, sagte der Vorsitzende. Im Sommer sei R. schließlich ausgezogen. Während für ihren Mann die Ehe beendet gewesen sei, habe sie aber daran festgehalten, sei „blind vor Liebe“ gewesen, so Pröls.

Die Schwangerschaft ihrer Nebenbuhlerin habe einen weiteren Schock für R. dargestellt. Die Suche nach einem Mörder sei keine Spontantat, sondern geplant gewesen. Ina R. habe sich in Berlin die Kryptowährung für 11.000 Euro besorgt und den Auftrag ausgelöst. Als Mordmerkmale nannte Pröls Heimtücke und niedere Beweggründe. Die Angeklagte habe aus Eifersucht gehandelt, um ihren Mann zurückzugewinnen.

Ina R. war Ende Februar verhaftet worden, nachdem eine Spiegel-Journalistin den Mordauftrag aufgedeckt hatte. Die Angeklagte hatte zum Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt. Da das Gericht keine Fluchtgefahr sah, wurde die 42-Jährige aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.