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Dutzende Dresdner Kinder wegen Infektion in Klinik

Nicht etwa das Coronavirus hat die schweren Atemwegsprobleme verursacht, sondern das sogenannte RS-Virus. Wann sollten Eltern zum Arzt gehen?

Dresdner Kinder erkranken derzeit vermehrt schwer nach einer RS-Virusinfektion.
Dresdner Kinder erkranken derzeit vermehrt schwer nach einer RS-Virusinfektion. © dpa

Dresden. Die Symptome reichen von einem einfachen Schnupfen bis zu einer schweren Lungenentzündung: Das sogenannte RS-Virus grassiert derzeit in Dresden. Vor allem bei Kindern kann es zu schweren Verläufen kommen. Im Städtischen Klinikum mussten bereits Dutzende aufgenommen werden. Woher kommt das Virus und wie können sich Familien davor schützen?

Was ist das RS-Virus und wie wird es übertragen?

Die Abkürzung steht für Respiratorisches Synzytial-Virus. Im Gegensatz zu Sars-Cov-2 ist es aber nicht neu. Es kommt weltweit vor und ist Auslöser akuter Atemwegserkrankungen in jedem Alter. Ähnlich wie die Grippe zirkuliert das Virus saisonal, vor allem zwischen November und April. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt, dass sich von 1.000 Kindern im ersten Lebensjahr etwa 49 infizieren und erkranken, sechs von ihnen schwer. Aufgenommen wird es über die Nasen- und Augenschleimhäute. Dabei spielen Tröpfchen eine Rolle, die ein Infizierter aushustet, ausniest oder beim Sprechen abgibt. Der Zeitraum zwischen Infektion und ersten Symptomen beträgt im Schnitt fünf Tage.

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Welche Symptome treten auf?

Von einer einfachen Erkältung bis zu einer Lungenentzündung ist alles möglich, so das RKI. Wer sich erstmals mit dem RS-Virus infiziert, verspüre fast immer deutliche Krankheitszeichen. Insbesondere bei Säuglingen seien in den ersten Lebensmonaten Bronchitis, Lungenentzündung und Luftröhrenentzündung möglich. Etwa fünf Prozent zeige keuchhustenähnliche Symptome. Auch Fieber gehört zu den Begleiterscheinungen. Wer sich ein zweites oder drittes Mal ansteckt, könne ebenfalls Probleme mit den unteren Atemwegen bekommen, jedoch meist weniger schwere und das vor allem im Kindealter. Bei Erwachsenen verlaufe eine Infektion oft asymptomatisch oder mild.

Was ist dieses Jahr anders?

"Wir haben aktuell die ungewöhnliche Situation, dass wir bereits seit Anfang September sehr viele erkrankte Kinder mit dem RS-Virus haben", sagt Antje Nordwig, Leitende Oberärztin und Kinder-Pneumologin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Städtischen Klinikum Dresden. "Täglich müssen aktuell um die 20 Kinder, die natürlich wechseln, auf unseren Stationen behandelt werden." Im vergangenen Herbst und Winter hätte es keinen einzigen Fall gegeben. Jetzt seien die Stationen "von null auf hundert" voll, mit zum Teil schwer erkrankten Kindern, so die Medizinerin. Die meisten kleinen Patienten seien zwischen wenigen Tagen und vier Jahren alt.

Wie sieht es in ganz Dresden aus?

Seit Mitte September sind dem Gesundheitsamt 142 Fälle gemeldet worden, vorher habe es keine gegeben, sagt Frank Bauer, Leiter des Dresdner Gesundheitsamtes. Fast alle Infizierten - 128 - waren Kinder im Alter von null bis sechs Jahren. 2020 habe man insgesamt 108 infizierte Kinder gezählt, 2019 waren es 415 und 2018 genau 354 Kinder.

Zwar hat es bisher nicht so viele Fälle gegeben wie in den vergangenen Jahren, doch die Zahl der Krankenhauseinweisungen erstaunt: Von den 142 gemeldeten Fällen in diesem Jahr benötigten bislang 61 eine stationäre Versorgung - bis auf vier Menschen handelte es sich ausnahmslos um Kinder. Das entspricht einer Rate von rund 43 Prozent. Im vergangenen Jahr lag die Hospitalisierungsrate bei RSV-Infizierten bei 28 Prozent.

Woran liegt das?

"Das liegt natürlich auch an den geschlossenen Kitas und Schulen und den kleinen Gruppen, wenn die Einrichtungen offen waren", sagt Nordwig. "Das Immunsystem der Kinder musste sich im vergangenen Herbst und Winter nicht mit dem Virus auseinandersetzen." Das passiere dafür jetzt umso mehr. Aktuell laufe wieder der Regelbetrieb in Kitas und Grundschulen, wobei die jüngeren Kinder keine Maske tragen müssten und sich somit wieder mehr ansteckten, auch mit dem RS-Virus, so Nordwig.

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"Im Grunde ist es so, dass sich im Laufe der Kindheit jeder Mensch mit dem RS-Virus infiziert. Zum Teil erkrankt man mehrfach im Leben. Bei vielen Kindern und bei Erwachsenen äußert sich die Infektion aber meist 'nur' als Schnupfen."

Wann sollten Eltern mit ihrem Kind zum Arzt?

Bei jüngeren Kindern kann der Körper mit Atemnot und Fieber reagieren, dann sei Vorsicht angebracht, so die Medizinerin. "Wenn diese Symptome auftreten, sollten Eltern mit ihren Kindern schnell zum Kinderarzt gehen oder zu uns kommen." In der Klinik erhalten die kleinen Patienten bei Bedarf Flüssigkeit, Sauerstoff, Inhalationen und Fiebersenker. Manche Kinder müssten intensivmedizinisch betreut und beatmet werden. Wie lange sie stationär bleiben müssen, sei ganz verschieden. "Manche Kinder sind nur zwei oder drei Tage bei uns, andere aber auch ein bis drei Wochen", sagt Nordwig.

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Insgesamt, so muss man festhalten, sind Kinderkrankheiten in den beiden Corona-Jahren stark zurückgedrängt worden. Das betrifft nicht nur RSV-Infektionen, sondern auch Keuchhusten, von dem es dieses Jahr bislang nur acht Fälle gab (2020: 29, 2019: 148).

Masern sind in den vergangenen beiden Jahren ebenfalls nicht mehr aufgetreten. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch bei Scharlach und Windpocken.

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