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Sie wollen Dresdner Silvester auch weiter ohne Böller

Die Initiative "Dresden feiert fair" will sich für ein Silvester ohne unkontrollierte Böllerei einsetzen. Doch ist das in der Feuerwerks-Stadt denkbar?

Von Juliane Just
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Louise Hummel-Schröter von "Parents vor Future Dresden" und Ronny Geißler von "Wir lieben Elbe" säubern die Molenbrücke von Feuerwerkskörpern der Silvesternacht. Sie wünschen sich ein Silvester ohne Böller.
Louise Hummel-Schröter von "Parents vor Future Dresden" und Ronny Geißler von "Wir lieben Elbe" säubern die Molenbrücke von Feuerwerkskörpern der Silvesternacht. Sie wünschen sich ein Silvester ohne Böller. © Sven Ellger

Dresden. Rundherum sind bunte Lichter, Fontänen und Feuerwerkssterne. Es knallt und blitzt an jeder Ecke. Das neue Jahr beginnt und die Dresdner begrüßen es traditionell mit lautem Knall. Und obwohl zum Jahreswechsel 2022 aufgrund der Corona-Pandemie Böllerverbot herrschte, ging es hoch her in einigen Stadtteilen. Die Initiative "Dresden feiert fair" hätte nichts dagegen, wenn das Verbot bleiben würde - am besten für immer.

"Ich habe einmal die Silvesternacht mit einem Freund in der Innenstadt erlebt. Überall flogen Böller, wir sind nur gerannt", sagt Ronny Geißler und hebt an der Molenbrücke in Pieschen einen Feuerwerkskörper auf, der von der letzten Silvesternacht übriggeblieben ist. Geißler ist Mitglied im Verein "Wir lieben Elbe", die sich dafür einsetzen, dass Dresdens Wasserader sauber bleibt.

Seit den Erlebnissen verbringt Geißler die Jahreswende nicht mehr in der sächsischen Landeshauptstadt, sondern auf dem Land. Das tut ihm gut, aber auch der Natur. "Die Silvesternacht ist jährlich eine Zumutung für Umwelt. Wir müssen etwas tun", war sein Gedanke im vergangenen Jahr. Insgesamt 45 Tonnen Silvesterabfälle kehrte die Stadtverwaltung am Neujahrstag 2020 zusammen, in diesem Jahr war es eine Tonne.

So wie 2019 kannte man die Altstadt in der Silvesternacht: Viele Menschen lassen dann viele Feuerwerkskörper in den Himmel steigen, um das neue Jahr zu begrüßen. Doch mitunter gehe es dort zu "wie im Krieg", sagt Ronny Geißler aus eigener Erfahrung.
So wie 2019 kannte man die Altstadt in der Silvesternacht: Viele Menschen lassen dann viele Feuerwerkskörper in den Himmel steigen, um das neue Jahr zu begrüßen. Doch mitunter gehe es dort zu "wie im Krieg", sagt Ronny Geißler aus eigener Erfahrung. ©  Archiv: dpa/Robert Michael

Bei Louise Hummel-Schröter stieß er damit offene Türen ein. Die Akteurin des Vereins "Parents for Future Dresden" wollte sich ebenfalls für das Thema engagieren. "Für die Tierwelt ist die Böllerei eine Zumutung", sagt sie. Doch nicht nur die Natur leidet, auch zahlreiche Menschen werden verletzt, flüchten an Silvester vor dem Lärm aus der Stadt, Tierhalter erst recht.

Mit dem Naturschutz sei das Feuerwerk das ebenfalls nicht vereinbar. Hinzu kommt der Feinstaub, der in der Silvesternacht jährlich Höchstwerte erreicht und damit gesundheitliche Belastungen nach sich ziehen kann. Im vergangenen Jahr entstand aus all diesen Gründen die Initiative "Dresden feiert fair", der sich inzwischen auch weitere Dresdner Vereine angeschlossen haben.

Kulturelle und gastronomische Angebote zu Silvester

Die Idee: Statt mit Böllerei sollen die Dresdner mit einem Straßenfest ins neue Jahr feiern. Das soll ähnlich wie beim Stadtfest mit kulturellen und gastronomischen Angeboten daherkommen. Mit Licht-, Laser- oder Drohnenshows könnte der Jahreswechsel umweltverträglicher gestaltet werden. Vorbild ist für Ronny Geißler Tschechien. Dort gebe es in mehreren Orten einen Jahreswechsel, der von städtischer Hand veranstaltet wird - mit kleinem Markt, Imbissen, "total entspannt und familienfreundlich".

Feuerwerk gänzlich aus Dresden zu verbannen, steht für die Initiative jedoch nicht im Vordergrund. "Es könnten beispielsweise professionelle, niedrige Feuerwerkshows an bestimmten Orten stattfinden", sagt Ronny Geißler. Man wolle lediglich den "Kriegszustand" der vergangenen Jahre, der vor allem in der Innenstadt herrscht, nicht mehr unterstützen.

Böllerfreie Zonen Stück für Stück vergrößern

Deswegen fordert die Initiative ein Böllerverbot wie in diesem Jahr. "Man könnte stufenweise böllerfreie Zonen einrichten und das dann auf das ganze Stadtgebiet ausweiten", fordert Louise Hummel-Schröter. Vorstellbar seien auch bestimmte Zonen, in denen geböllert werden darf. Dann kann jeder selbst die Entscheidung treffen.

Sie gehöre zu den schreckhafteren Menschen, die sich in der Silvesternacht aufgrund der Böllerei gar nicht mehr auf die Straße trauen. "Trotzdem möchte ich beispielsweise meinem Kind, der nächsten Generation, die Feier rund um Silvester näherbringen", sagt sie. Das Bedürfnis nach Tradition sei da, aber nicht unter den bisherigen Bedingungen.

Doch kann das in einer Stadt wie Dresden funktionieren, die für das Feuerwerker-Duell "Pyro Games" bekannt ist? In diesem Jahr will die Initiative bei der Stadtpolitik auf ihre Forderungen aufmerksam machen. Beispielsweise hätte sich die Partei der Grünen bereits dafür eingesetzt. "Wir wissen um die großen Feuerwerks-Fans der Stadt, aber wir haben auch viele Befürworter", betont Louise Hummel-Schröter. Man stehe noch ganz am Anfang und wolle nun weitere Ideen sammeln. "Wir wollen nicht nur die negativen Dinge hervorheben, sondern auch die Chancen vermitteln", so Ronny Geißler.