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Johannstadt: Von der Leichenhalle zum Café

In der ehemaligen Aufbahrungshalle auf dem Dresdner Trinitatisfriedhof sollen sich künftig Trauernde begegnen können. Wie der Ort aussehen soll.

Friedhofsleiterin Beatrice Teichmann zeigt: So könnte die ehemalige Aufbahrungshalle im Hintergrund umgestaltet werden.
Friedhofsleiterin Beatrice Teichmann zeigt: So könnte die ehemalige Aufbahrungshalle im Hintergrund umgestaltet werden. © René Meinig

Dresden. Es ist ein Gebäude mit Tradition. 1815 nach Entwürfen des Dresdner Architekten Gottlob Friedrich Thormeyer im Zuge der Friedhofsanlegung errichtet, einmal abgebrannt, im Zweiten Weltkrieg ausgebombt. Und nun hat die Aufbahrungshalle auf dem Trinitatisfriedhof in der Johannstadt ihre eigentliche Funktion verloren.

Denn nur noch 15 Prozent der Dresdner entscheiden sich für eine Erdbestattung, das Gebäude direkt am Haupteingang des Friedhofes wird zur Leichenaufbahrung nicht mehr benötigt. Stattdessen wurde es in diesem Jahr saniert, um darin ein Begegnungszentrum für trauernde und einsame Menschen einzurichten.

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Studenten haben Ideen zur Innengestaltung

Inzwischen gibt es neue Pläne, wie das Zentrum konkret aussehen soll. Architektur-Studenten der TU Dresden haben zehn Entwürfe erarbeitet, aus denen bis Mitte Dezember ein finaler Entwurf entstehen soll, der im Frühjahr nächsten Jahres präsentiert wird.

Ein multifunktionaler Kubus, in den verschiedene Möbel integriert werden, könnte prägendes Element im Innenraum werden.
Ein multifunktionaler Kubus, in den verschiedene Möbel integriert werden, könnte prägendes Element im Innenraum werden. © René Meinig

Friedhofsleiterin Beatrice Teichmann ist dabei vor allem von der Multifunktionalität begeistert, die viele der studentischen Entwürfe prägt, viele der Ideen wolle sie in das endgültige Konzept übernehmen. 

Zum Beispiel soll es einen großen Kubus geben, an dessen Außenseiten multifunktionale Möbel ausgeklappt werden können. In einer Seite könnten so Sitzgelegenheiten ausgezogen werden, in einer anderen gäbe es eine Teeküche. 

Der Raum könnte so je nach Bedarf immer neue Erscheinungsformen annehmen. Auch die Möbel selber sollen individuell zusammengefügt werden, sodass immer neue Sitzlandschaften entstünden. 

Teichmann ist es wichtig, dass die Leute hierher kommen können, um sich in Ruhe bei einer Tasse Kaffee mit anderen Menschen auszutauschen. Dafür soll auch ein kleines Café eingerichtet werden, das zur Fiedlerstraße hin offen ist. 

In Dresden ist solch ein Friedhofs-Café ein Pionierprojekt, Vorbilder gab es bereits in Hamburg, Leipzig und auch in Berlin. Im dortigen Café Strauss sei aber der Bezug zum Friedhof vollkommen verloren gegangen. Das soll hier anders werden, so Teichmann.

Denn in der Johannstadt gebe es bislang nur wenige Orte, an denen sich "die Personen, die nicht mehr als hundert Freunde bei Facebook haben", treffen könnten, sagt Teichmann. An einem großen, langen Tisch sollen sich Hinterbliebene und einsame Menschen austauschen können und von geschulten Trauerbegleitern Rat erhalten.

Multifunktionale Raumaufteilung

Im Gegenzug soll es aber auch einen intimeren Raum geben, in den sich die Besucher zurückziehen können, um zum Beispiel ein Buch zu lesen. 

Die Raumaufteilung soll durch ein an der Decke installiertes Vorhangsystem gewährleistet werden. Je nach Bedarf könnten so Räume zusammengelegt oder getrennt, vergrößert und verkleinert werden.

In vielen Punkten gingen die Ideen der Studenten sogar noch weiter: Es könnte einen großen Tanzraum geben oder das Gebäude könnte von Pflanzen durchwuchert werden, um eine Art "Oase" zu schaffen. "Einige Ideen sind zwar toll visualisiert, für uns aber leider nicht umsetzbar", sagt Teichmann.

Dazu gehört auch die Vorstellung, das Gebäude jahres- und tageszeitenabhängig zu beleuchten. Sie wolle aber nicht noch eine Kooperation mit Künstlern aufnehmen, sagt Bachmann. Das Gebäude müsse in erster Linie seniorenfreundlich sein und dürfe keine festen Raumtrennungen haben.

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Ab Frühjahr 2021 sollen für den endgültigen Entwurf, der aus den studentischen Ideen hervorgeht, neue Fördermittel gesucht werden. Die Sanierung des Gebäudes war bereits mit Geldern vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und der Stadt unterstützt worden. Ab Herbst soll dann der Innenausbau beginnen, damit - so der bisherige Plan - das Zentrum ab Frühjahr 2022 in Betrieb genommen werden kann.

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