merken
PLUS Dresden

Zoo Dresden: Flamingos dürfen endlich raus

Wegen der Vogelgrippe war die neue begehbare Voliere im Dresdner Zoo über Wochen verwaist. Stress für Tiere und Pfleger. Gibt es nun ein Brüt-Happyend?

Pflegerin Jaqueline Mögel freut sich mit ihren Flamingos über das Ende der Stallpflicht.
Pflegerin Jaqueline Mögel freut sich mit ihren Flamingos über das Ende der Stallpflicht. © Marion Doering

Dresden. Stell dir vor, du hast einen tollen Garten - und kannst ihn auch bei schönstem Sonnenschein nur von drinnen durch das Fenster sehen. In etwa so ging es den Flamingos im Dresdner Zoo, die ihre neue Voliere monatelang nicht nutzen konnten. Wegen der grassierenden Vogelgrippe hatte das Veterinäramt im Februar für alle Vögel Stallpflicht verordnet.

Für die Flamingos hätte das zwar im engeren Sinne nicht gegolten. "Wir haben sie aber dennoch reingeholt, um unsere Tiere zu schützen", sagt Kurator Matthias Hendel. "Sonst hätte bei einem positiven Fall die Gefahr bestanden, dass wir alle Flamingos keulen müssen."

Anzeige
Der Job-Motor nach dem Kohleausstieg
Der Job-Motor nach dem Kohleausstieg

Die TU Dresden gehört im Bereich zukunftsträchtiger Technologiezweige zu den Spitzenreitern in Europa. Das soll jetzt der Lausitz helfen.

So ein Wort wollen Heike Thiergen und Jacqueline Mögel gar nicht hören. Die beiden Pflegerinnen lieben ihre Flamingos, von denen einige schon seit den 80er-Jahren im Zoo leben, und litten mit ihnen, solange sie im Winterquartier bleiben mussten.

Wenigstens hat das Haus im Vergleich zum alten Pavillon einige Annehmlichkeiten zu bieten. Mit nun über 80 Quadratmetern Fläche haben die Vögel doppelt so viel Platz. Wichtiger sei aber noch der Fußboden, der nun aus einer Art weichem Gummigemisch mit Erhöhungen und Vertiefungen besteht, um den natürlichen Boden nachzuempfinden und gleichzeitig die Füße zu schonen.

Die Flamingos im Dresdner Zoo brüten zuverlässig jedes Jahr. Allerdings brauchen sie dafür ihre Außenanlage.
Die Flamingos im Dresdner Zoo brüten zuverlässig jedes Jahr. Allerdings brauchen sie dafür ihre Außenanlage. © Sven Ellger

Als die Vogelgrippe 2016/17 zum letzten Mal eine damals fünfmonatige Stallpflicht nötig machte, hätten viele Flamingos im Zoo wegen des damals noch harten Fußbodens im Pavillon Geschwüre davongetragen. "Dadurch haben wir damals sechs Tiere verloren", sagt Kurator Hendel.

Diesmal sind glücklicherweise keine Verluste zu beklagen. Dennoch war die Stimmung im Vogelrevier zuletzt gedrückt. Unter normalen Umständen könnten die Flamingos fast immer in der Voliere bleiben, da ihnen Kälte nichts ausmacht. Nur ein vereister Teich kann ihnen gefährlich werden. Im gesamten Winter 2019/20 mussten die Flamingos zum Beispiel gar nicht in ihr Winterhaus.

Über die Straßenbahn ganz in der Nähe ihrer Flamingos waren die Pflegerinnen zunächst nicht so begeistert.
Über die Straßenbahn ganz in der Nähe ihrer Flamingos waren die Pflegerinnen zunächst nicht so begeistert. © Sven Ellger

Dafür nun für Monate. Dabei war die Euphorie der Pflegerinnen so groß gewesen. "Bei den Plänen für die neue Anlage waren wir ja anfangs noch skeptisch wegen der Nähe zur Straßenbahn", sagt Heike Thiergen, die schon seit 28 Jahren im Zoo arbeitet. "Wir fanden den Farbtupfer mitten im Zoo besser. Inzwischen sind wir aber doch restlos überzeugt."

Entscheidung sehnlichst erwartet

Womöglich wären das auch die Flamingos, allerdings hatten die im Januar gerade mal eine Woche lang Zeit, ihre neue Außenanlage kennenzulernen. Da war der Zoo noch für Besucher geschlossen. Nur über den Zaun konnten Passanten und Autofahrer einen Blick auf das Gewusel in Rosa erhaschen.

Seit die Tore des Zoos für Gäste wieder geöffnet wurden, waren die des Winterhauses für die Flamingos bis zu dieser Woche geschlossen. Die 1,6 Millionen Euro teure und insgesamt 1.500 Quadratmeter umfassende begehbare Voliere, die im November offiziell eröffnet wurde, war verwaist. Fast zumindest. Immerhin ein Pärchen der grünfüßigen Teichhühner war zu sehen.

Erst am Donnerstag konnten die Flamingos wieder hinaus an die frische Luft, nachdem das Veterinäramt die Stallpflicht für Dresden aufgehoben hatte.

"Natürlich fragten uns bis dahin immer wieder Besucher, warum die Flamingos nicht draußen sind", sagt Heike Thiergen. "Aber wenn wir das erklärt haben, hatten die meisten Verständnis." Die Pflegerinnen zählten schon lange die Tage, bis ihre Vögel wieder ins Freie durften. Nicht zuletzt, weil sie bis dahin täglich allein eine Stunde damit beschäftigt waren, den Boden im Haus zu säubern.

"Wir haben sehnlichst auf den Anruf vom Veterinäramt gewartet", sagt die 20-jährige Jacqueline Mögel. Bereits Anfang dieser Woche war die Stallpflicht im Landkreis Mittelsachsen aufgehoben worden.

Hilfe beim Kegel-Formen

Die Zeit drängte, denn die Brutsaison der Kubaflamingos ist normalerweise schon in vollem Gange. Das ist auch an dem Geschrei zu erkennen, das in den vergangenen Tagen noch ein bisschen lauter nach draußen schallte, als sonst schon. "Da wurde schon ein wenig gebalzt und getanzt", sagt Heike Thiergen. Womöglich kann die Brutsaison nun noch gerettet werden.

Starthilfe zum Brüten: Auf den aus Lehm oder Schlamm geformten Kegeln bauen die Vögel ihr Nest.
Starthilfe zum Brüten: Auf den aus Lehm oder Schlamm geformten Kegeln bauen die Vögel ihr Nest. © Sven Ellger

Um den Vögeln ein wenig Starthilfe zu geben, haben die Pfleger ihnen in diesem Jahr einige Kegel mithilfe von Eimern vorgeformt, auf die die Vögel nun hoffentlich ihre Eier legen werden. Normalerweise bauen Flamingos die Kegel selbst. Im vergangenen Jahr wurden im Zoo 20 Eier gelegt. Am Ende schlüpften immerhin sieben Küken, die alle bleiben durften. Damit ist die Gruppe auf 73 Tiere angewachsen. Nach Ende der Brutsaison sollen allerdings sechs Vögel an den Loro Parque auf Teneriffa abgegeben werden.

Weiterführende Artikel

Wieder Zebra-Nachwuchs im Dresdner Zoo

Wieder Zebra-Nachwuchs im Dresdner Zoo

Schon wieder hat sich die Herde vergrößert. Für Mutter Zyta ist es das vierte Fohlen und das erste männliche Jungtier.

Video: Waldohreulen brüten mitten in Dresden

Video: Waldohreulen brüten mitten in Dresden

Ein Eulen-Paar hat Nachwuchs in einem mistelüberwucherten Baum in der Johannstadt. Ein Hobbyfotograf hat beste Sicht darauf aus seiner Wohnung.

Bonobonachwuchs im Leipziger Zoo

Bonobonachwuchs im Leipziger Zoo

Freude im Pongoland: Das Zwergschimpansenweibchen hat eine Tochter bekommen. Und es gibt dieses Jahr noch mehr zu feiern.

Dresdner Zoo-Flamingos sind umgezogen

Dresdner Zoo-Flamingos sind umgezogen

Unter dem Arm wurden die Vögel in ihr neugebautes Winterquartier gebracht. Warum dabei auch ihre Füße fotografiert wurden.

Könnte es auch 2021 noch ein Brut-Happyend für die Dresdner Flamingos geben? "Ich sage mal mutig: Das wird noch was", sagt Hendel. "So wie die drauf sind."

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden